Eiermarkt im Umbruch: Österreich ist Vorreiter bei tierfreundlicher Haltung

AMA-Gütesiegel für Eiprodukte erfolgreich angelaufen

Wien (OTS/AIZ) - Der europäische Eiermarkt befindet sich seit Jahren im Wandel. Mit dem Anfang 2009 in Kraft getretenen Verbot der Käfighaltung von Legehennen hat Österreich eine Vorreiterrolle in der EU inne. Die heimischen Landwirte haben große Investitionen getätigt, um dem Wunsch der Konsumenten nach Eiern aus alternativen Haltungssystemen nachzukommen. Dennoch ist der Selbstversorgungsgrad durch die Umstellung von 77% im Jahr 2008 auf unter 70% gesunken. "Es wird noch einige Zeit dauern, um annähernd das alte Niveau wieder zu erreichen", berichtete heute Benjamin Guggenberger, Geschäftsführer der EZG Frischei, bei einer Pressekonferenz in Wien.

Im heimischen Handel sind kaum mehr Käfigeier zu finden. Die Preise sind im Vorjahr trotzdem leicht gesunken. Das ergaben die Erhebungen der RollAMA 2009. "Für Eier, wie sie in Verarbeitungsbetrieben verwendet werden, gibt es mittlerweile eine erprobte AMA-Gütesiegelrichtlinie, über die Qualität und Herkunft abgesichert und kontrolliert werden", teilte Stephan Mikinovic, Geschäftsführer der AMA Marketing, mit. Immer mehr Österreicher kaufen die Ostereier bereits fix und fertig", so Mikinovic.

"Seit 01.01.2009 ist in Österreich die Legehennenhaltung in Käfigen verboten. Damit ist die Alpenrepublik Vorreiter innerhalb der EU. Nun zieht das übrige Europa langsam nach. Dadurch ergeben sich neue Marktchancen für die heimischen Frischeiererzeuger", erläuterte Guggenberger. In Deutschland sei die herkömmliche Käfighaltung seit Anfang 2010 verboten. Die Nachwirkungen dieser Umstellung seien auch in Österreich spürbar. "Die Niederlande haben auf den Wandel in Europa reagiert und bereits frühzeitig einen Teil ihrer Legehennen auf Alternativhaltung umgestellt. Der Rest der EU soll 2012 folgen. Der totale Ausstieg aus der Käfighaltung ist allerdings zum derzeitigen Zeitpunkt noch mehr als fraglich", gab der Geschäftsführer zu bedenken.

Bodenhaltung ist Gewinner der Umstellung

Die jährliche Erhebung der RollAMA zeigt in Bezug auf die Bedeutung der Haltungsformen deutlich, dass die Umstellung auf alternative Haltungsformen in Österreich sowohl mengen- als auch wertmäßig vor allem einen Gewinner hervorgebracht hat: die Bodenhaltung hat die Käfighaltung ersetzt. Freiland- und Bioeier hingegen haben Marktanteile verloren. Die Gründe sind im preislichen Bereich zu suchen.

Kaum mehr Käfigeier im Handel

"In Österreich werden jährlich insgesamt etwa 2 Mrd. Eier verbraucht, das sind 236 Stück pro Kopf. Mehr als ein Viertel des Bedarfes wird importiert - insbesondere von Verarbeitern und der Gastronomie. Im Jahr 2009 wurden im heimischen Handel rund 709 Mio. Eier im Wert von rund EUR 166 Mio. gekauft. Die mengenmäßig größten Verkäufe finden jedes Jahr im 1. Trimester statt, 2009 waren das von Jänner bis April mehr als 200 Mio. Stück. Davon entfallen rund 50 Mio. allein auf die Tage rund um Ostern. Etwa 30 Mio. davon werden bereits vorgekocht erstanden", informierte Mikinovic. 79% aller Eier werden über den Lebensmitteleinzelhandel bezogen, die restlichen 21% über alternative Vertriebsquellen.

"Seit dem Käfigverbot für Legehennen werden im Lebensmittelhandel mittlerweile kaum mehr Eier aus Käfighaltung angeboten, was darauf schließen lässt, dass der Handel zu einem großen Teil auf heimische Produktion zurückgreift. Die mengenmäßig größte Gruppe mit 68% Anteil sind Eier aus Bodenhaltung, gefolgt von Freilandeiern mit 21% und Bioeiern mit 11%", ergänzte Mikinovic. Aufgrund der unterschiedlichen Preise seien die wertmäßigen Marktanteile mit 58% Bodenhaltung, 25% Freilandeiern und 17% Bioeiern deutlich anders als die Mengenanteile.

Eierpreise leicht gesunken

Der Durchschnittspreis für eine Packung mit 10 Eiern (Bodenhaltung) fiel zwischen 2008 und 2009 von EUR 2,08 auf 2,06. Im Segment der Freilandeier ist in diesem Zeitraum der deutlichste Preisrückgang zu verzeichnen (EUR 3,12 auf 2,96). Bioeier hingegen konnten von EUR 3,69 auf 3,71 sogar leicht zulegen.

AMA-Gütesiegel seit April 2009 auch für Eiprodukte

In Österreich gibt es vier größere Eiaufschlagwerke, in denen jährlich rund 200 Mio. Stück zu flüssigen Eiprodukten (pasteurisiertes Vollei, Eigelb, Eiklar usw.) verarbeitet werden. Immer mehr Lebensmittelproduzenten wie Bäckereien, Konditoreien und Nudelproduzenten stellen aufgrund der praktischen Verarbeitung und der größeren Sicherheit vor Salmonellen in diese Richtung um. Seit April 2009 ist eine eigene AMA-Gütesiegel-Richtlinie für Eiprodukte in Kraft. Erzeugnisse mit dem rot-weiß-roten AMA-Gütesiegel müssen zu 100% aus österreichischen Eiern aus Boden-, Freiland- oder Biohaltung hergestellt werden. Zusätzlich ist eine durchgängige Kühlkette zu gewährleisten und die Eiprodukte müssen naturbelassen bleiben (kein Farbstoff usw.). Verpflichtend gefordert sind auch eine schonende Pasteurisierung und die Homogenisierung der Produkte. Durch jährliche Betriebskontrollen und Produktanalysen werden die Kriterien abgesichert.

Herkunftssicherung auch für Verarbeitungsprodukte und Gastronomie gefordert

Ein Graubereich in Bezug auf die Herkunft von Eiern waren bislang die Verarbeitungsprodukte und die Gastronomie. Immerhin werden ungefähr 60% aller im Inland verwendeten Eier in diesen Bereichen verarbeitet. "Die hohe Qualität und nachvollziehbare Herkunft kann im Verarbeitungsbereich über die neue AMA-Gütesiegel-Richtlinie abgesichert werden. In der Gastronomie wird in Betrieben, die mit dem AMA-Gastrosiegel ausgezeichnet sind, die Herkunft der verwendeten Eier transparent. Wir bieten damit für fast alle Bereiche eine Ursprungssicherung für Eier an", unterstrich Mikinovic.

"Gastronomie und verarbeitende Industrie sind äußerst preissensible Märkte, daher folgt die Umstellung auf heimische Alternativware nur zögerlich", ergänzte Guggenberger. Die österreichischen Frischeiererzeuger seien daher für eine verpflichtende Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Eianteil. Der Konsument solle auf einen Blick erkennen können, ob etwa für Nudeln oder Mehlspeisen Eier aus Alternativhaltung oder Käfigeier verwendet wurden. Nur so sei es für ihn möglich, sich bewusst für eine tiergerechte Haltungsform zu entscheiden.

Trend 2010: Regional und fair

Guggenberger verwies in diesem Zusammenhang auf das neue "regional und fair"-Logo der Österreichischen Frischeier Erzeugergemeinschaft, das für ein partnerschaftliches Miteinander von Landwirten, Großhändlern, Lebensmittelhandel und Konsumenten steht. "Das neue Zeichen garantiert einerseits die Regionalität. Alle damit gekennzeichneten Eier - gekocht, gefärbt oder frisch - werden ausschließlich von Betrieben der EZG Frischei unter den strengsten Umwelt- und Tierschutzauflagen produziert. Die Legehennen, von denen sie stammen, leben in neuen tiergerechten Haltungsformen in ausgewählten Regionen. Die Transportwege sind dadurch so kurz wie möglich, das tut auch unserem Klima gut", sagte Guggenberger. Das neue Zeichen stehe auch für Fairness gegenüber Konsumenten und Produzenten: "Diese Eier sind von besonderer Qualität und dürfen daher das AMA-Gütesiegel tragen. Die Erzeuger wiederum erhalten für diese hochwertigen Produkte faire Preise. Letztlich profitieren wir alle davon", betonte der Geschäftsführer.

Umstellung nicht bereut

"Ich wünsche mir für die Zukunft, dass unsere Konsumenten vermehrt eine bewusste Entscheidung für regional und fair erzeugte Produkte aus Österreich treffen", unterstrich Franz Kirchweger, Eierproduzent aus Aschbach, NÖ. Er hat in die Umstellung von Käfig- auf Bodenhaltung rund EUR 150.000,- investiert und bereut diese Entscheidung nicht. "Das Wohl der Tiere steht für uns genauso wie für die Konsumenten an erster Stelle. Mit der Umstellung trägt unser Betrieb mit rund 7.700 Legehennen einen Teil zur Sicherung des Selbstversorgungsgrades in Österreich bei", so Kirchweger. "Derzeit haben wir ca. 500.000 Legehennen weniger in heimischen Ställen, da nicht alle Betriebe auf alternative Haltungsformen umstellen wollten oder konnten. Da derzeit viele Ställe gebaut werden, ist garantiert, dass sich auch in Zukunft jeder Konsument auch weiterhin für inländische Qualitätsware entscheiden kann", ist der Betriebsführer überzeugt.
(Schluss) kam

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