- 30.03.2010, 13:15:36
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Eiermarkt im Umbruch: Österreich ist Vorreiter bei tierfreundlicher Haltung
AMA-Gütesiegel für Eiprodukte erfolgreich angelaufen
Wien (OTS/AIZ) - Der europäische Eiermarkt befindet sich seit
Jahren im Wandel. Mit dem Anfang 2009 in Kraft getretenen Verbot der
Käfighaltung von Legehennen hat Österreich eine Vorreiterrolle in der
EU inne. Die heimischen Landwirte haben große Investitionen getätigt,
um dem Wunsch der Konsumenten nach Eiern aus alternativen
Haltungssystemen nachzukommen. Dennoch ist der Selbstversorgungsgrad
durch die Umstellung von 77% im Jahr 2008 auf unter 70% gesunken. "Es
wird noch einige Zeit dauern, um annähernd das alte Niveau wieder zu
erreichen", berichtete heute Benjamin Guggenberger, Geschäftsführer
der EZG Frischei, bei einer Pressekonferenz in Wien.
Im heimischen Handel sind kaum mehr Käfigeier zu finden. Die
Preise sind im Vorjahr trotzdem leicht gesunken. Das ergaben die
Erhebungen der RollAMA 2009. "Für Eier, wie sie in
Verarbeitungsbetrieben verwendet werden, gibt es mittlerweile eine
erprobte AMA-Gütesiegelrichtlinie, über die Qualität und Herkunft
abgesichert und kontrolliert werden", teilte Stephan Mikinovic,
Geschäftsführer der AMA Marketing, mit. Immer mehr Österreicher
kaufen die Ostereier bereits fix und fertig", so Mikinovic.
"Seit 01.01.2009 ist in Österreich die Legehennenhaltung in
Käfigen verboten. Damit ist die Alpenrepublik Vorreiter innerhalb der
EU. Nun zieht das übrige Europa langsam nach. Dadurch ergeben sich
neue Marktchancen für die heimischen Frischeiererzeuger", erläuterte
Guggenberger. In Deutschland sei die herkömmliche Käfighaltung seit
Anfang 2010 verboten. Die Nachwirkungen dieser Umstellung seien auch
in Österreich spürbar. "Die Niederlande haben auf den Wandel in
Europa reagiert und bereits frühzeitig einen Teil ihrer Legehennen
auf Alternativhaltung umgestellt. Der Rest der EU soll 2012 folgen.
Der totale Ausstieg aus der Käfighaltung ist allerdings zum
derzeitigen Zeitpunkt noch mehr als fraglich", gab der
Geschäftsführer zu bedenken.
Bodenhaltung ist Gewinner der Umstellung
Die jährliche Erhebung der RollAMA zeigt in Bezug auf die
Bedeutung der Haltungsformen deutlich, dass die Umstellung auf
alternative Haltungsformen in Österreich sowohl mengen- als auch
wertmäßig vor allem einen Gewinner hervorgebracht hat: die
Bodenhaltung hat die Käfighaltung ersetzt. Freiland- und Bioeier
hingegen haben Marktanteile verloren. Die Gründe sind im preislichen
Bereich zu suchen.
Kaum mehr Käfigeier im Handel
"In Österreich werden jährlich insgesamt etwa 2 Mrd. Eier
verbraucht, das sind 236 Stück pro Kopf. Mehr als ein Viertel des
Bedarfes wird importiert - insbesondere von Verarbeitern und der
Gastronomie. Im Jahr 2009 wurden im heimischen Handel rund 709 Mio.
Eier im Wert von rund EUR 166 Mio. gekauft. Die mengenmäßig größten
Verkäufe finden jedes Jahr im 1. Trimester statt, 2009 waren das von
Jänner bis April mehr als 200 Mio. Stück. Davon entfallen rund 50
Mio. allein auf die Tage rund um Ostern. Etwa 30 Mio. davon werden
bereits vorgekocht erstanden", informierte Mikinovic. 79% aller Eier
werden über den Lebensmitteleinzelhandel bezogen, die restlichen 21%
über alternative Vertriebsquellen.
"Seit dem Käfigverbot für Legehennen werden im Lebensmittelhandel
mittlerweile kaum mehr Eier aus Käfighaltung angeboten, was darauf
schließen lässt, dass der Handel zu einem großen Teil auf heimische
Produktion zurückgreift. Die mengenmäßig größte Gruppe mit 68% Anteil
sind Eier aus Bodenhaltung, gefolgt von Freilandeiern mit 21% und
Bioeiern mit 11%", ergänzte Mikinovic. Aufgrund der unterschiedlichen
Preise seien die wertmäßigen Marktanteile mit 58% Bodenhaltung, 25%
Freilandeiern und 17% Bioeiern deutlich anders als die Mengenanteile.
Eierpreise leicht gesunken
Der Durchschnittspreis für eine Packung mit 10 Eiern
(Bodenhaltung) fiel zwischen 2008 und 2009 von EUR 2,08 auf 2,06. Im
Segment der Freilandeier ist in diesem Zeitraum der deutlichste
Preisrückgang zu verzeichnen (EUR 3,12 auf 2,96). Bioeier hingegen
konnten von EUR 3,69 auf 3,71 sogar leicht zulegen.
AMA-Gütesiegel seit April 2009 auch für Eiprodukte
In Österreich gibt es vier größere Eiaufschlagwerke, in denen
jährlich rund 200 Mio. Stück zu flüssigen Eiprodukten
(pasteurisiertes Vollei, Eigelb, Eiklar usw.) verarbeitet werden.
Immer mehr Lebensmittelproduzenten wie Bäckereien, Konditoreien und
Nudelproduzenten stellen aufgrund der praktischen Verarbeitung und
der größeren Sicherheit vor Salmonellen in diese Richtung um. Seit
April 2009 ist eine eigene AMA-Gütesiegel-Richtlinie für Eiprodukte
in Kraft. Erzeugnisse mit dem rot-weiß-roten AMA-Gütesiegel müssen zu
100% aus österreichischen Eiern aus Boden-, Freiland- oder Biohaltung
hergestellt werden. Zusätzlich ist eine durchgängige Kühlkette zu
gewährleisten und die Eiprodukte müssen naturbelassen bleiben (kein
Farbstoff usw.). Verpflichtend gefordert sind auch eine schonende
Pasteurisierung und die Homogenisierung der Produkte. Durch jährliche
Betriebskontrollen und Produktanalysen werden die Kriterien
abgesichert.
Herkunftssicherung auch für Verarbeitungsprodukte und Gastronomie
gefordert
Ein Graubereich in Bezug auf die Herkunft von Eiern waren bislang
die Verarbeitungsprodukte und die Gastronomie. Immerhin werden
ungefähr 60% aller im Inland verwendeten Eier in diesen Bereichen
verarbeitet. "Die hohe Qualität und nachvollziehbare Herkunft kann im
Verarbeitungsbereich über die neue AMA-Gütesiegel-Richtlinie
abgesichert werden. In der Gastronomie wird in Betrieben, die mit dem
AMA-Gastrosiegel ausgezeichnet sind, die Herkunft der verwendeten
Eier transparent. Wir bieten damit für fast alle Bereiche eine
Ursprungssicherung für Eier an", unterstrich Mikinovic.
"Gastronomie und verarbeitende Industrie sind äußerst
preissensible Märkte, daher folgt die Umstellung auf heimische
Alternativware nur zögerlich", ergänzte Guggenberger. Die
österreichischen Frischeiererzeuger seien daher für eine
verpflichtende Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Eianteil. Der
Konsument solle auf einen Blick erkennen können, ob etwa für Nudeln
oder Mehlspeisen Eier aus Alternativhaltung oder Käfigeier verwendet
wurden. Nur so sei es für ihn möglich, sich bewusst für eine
tiergerechte Haltungsform zu entscheiden.
Trend 2010: Regional und fair
Guggenberger verwies in diesem Zusammenhang auf das neue "regional
und fair"-Logo der Österreichischen Frischeier Erzeugergemeinschaft,
das für ein partnerschaftliches Miteinander von Landwirten,
Großhändlern, Lebensmittelhandel und Konsumenten steht. "Das neue
Zeichen garantiert einerseits die Regionalität. Alle damit
gekennzeichneten Eier - gekocht, gefärbt oder frisch - werden
ausschließlich von Betrieben der EZG Frischei unter den strengsten
Umwelt- und Tierschutzauflagen produziert. Die Legehennen, von denen
sie stammen, leben in neuen tiergerechten Haltungsformen in
ausgewählten Regionen. Die Transportwege sind dadurch so kurz wie
möglich, das tut auch unserem Klima gut", sagte Guggenberger. Das
neue Zeichen stehe auch für Fairness gegenüber Konsumenten und
Produzenten: "Diese Eier sind von besonderer Qualität und dürfen
daher das AMA-Gütesiegel tragen. Die Erzeuger wiederum erhalten für
diese hochwertigen Produkte faire Preise. Letztlich profitieren wir
alle davon", betonte der Geschäftsführer.
Umstellung nicht bereut
"Ich wünsche mir für die Zukunft, dass unsere Konsumenten vermehrt
eine bewusste Entscheidung für regional und fair erzeugte Produkte
aus Österreich treffen", unterstrich Franz Kirchweger, Eierproduzent
aus Aschbach, NÖ. Er hat in die Umstellung von Käfig- auf
Bodenhaltung rund EUR 150.000,- investiert und bereut diese
Entscheidung nicht. "Das Wohl der Tiere steht für uns genauso wie für
die Konsumenten an erster Stelle. Mit der Umstellung trägt unser
Betrieb mit rund 7.700 Legehennen einen Teil zur Sicherung des
Selbstversorgungsgrades in Österreich bei", so Kirchweger. "Derzeit
haben wir ca. 500.000 Legehennen weniger in heimischen Ställen, da
nicht alle Betriebe auf alternative Haltungsformen umstellen wollten
oder konnten. Da derzeit viele Ställe gebaut werden, ist garantiert,
dass sich auch in Zukunft jeder Konsument auch weiterhin für
inländische Qualitätsware entscheiden kann", ist der Betriebsführer
überzeugt.
(Schluss) kam
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