• 25.03.2010, 11:06:23
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VKI testet mobiles Breitband: Mehr Schein als Sein

Kein Anbieter erreicht die in der Werbung versprochene Geschwindigkeit - mangelnde Verbindungssicherheit.

Schmalspur statt Breitband: Low Speed im Internet. Bei keiner einzigen Messung erreichten die mobilen Internetzugänge die in Aussicht gestellte Geschwindigkeit beim Download.

Wien (OTS/VKI) - Ob im Zug, Park oder Kaffeehaus - der mobile
Breitbandzugang ermöglicht "Arbeit, Spaß und Spiel" wo immer es
beliebt. Mit einem "wieselflinken", "sagenhaft günstigen"
Surferlebnis lockt so mancher Anbieter. Doch Werbeslogans wie "ohne
Datenbremse", "viel downloaden, wenig zahlen" oder "überall und
übergünstig" halten nicht immer, was sie versprechen. Das zeigt ein
Vergleichstest des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), der zehn
Angebote (Vertrag und Wertkarte) der vier nationalen Netze auf
Geschwindigkeit, Handhabung und Kosten untersucht hat.

Unerwartet niedrige Geschwindigkeit, Verbindungsabbrüche und teils
hohe Kosten bei Überschreitungen: Das ist die andere Seite des
mobilen Breitband - abseits der schönen neuen Werbewelt. "Mobiles
Breitband ist derzeit kein vollwertiger Ersatz für das Internet über
Kabel oder Telefonleitung. Meist heißt es nur Schmalspur statt
Breitband. Denn bei keiner einzigen Messung erreichten die mobilen
Internetzugänge die in Aussicht gestellte Geschwindigkeit bei Down-
und Upload. Statt mit Hochgeschwindigkeit am Datenhighway zu brausen,
bleibt man im Datenstau stecken", kritisiert VKI-Geschäftsführer Ing.
Franz Floss.

Der starke Kontrast zwischen Schein und Sein ist auch Dr. Peter
Kolba, Leiter des Bereichs Recht im VKI, ein Dorn im Auge, "Wenn bis
zu 7,2 Megabit pro Sekunde versprochen werden, aber nicht einmal ein
Drittel dessen erreicht wird - ohne dass in der Werbung deutlich
darauf hingewiesen wird - bewegt man sich bereits hart an der Grenze
zur irreführenden Werbung. Hier prüfen wir Klagen nach dem Gesetz
gegen den unlauteren Wettbewerb."

Trotz der harschen Kritik gibt es auch einen Testsieger: A1
netbook + Premium 5 GB setzte sich im Gesamtranking durch und konnte
besonders bei der Geschwindigkeit punkten - bei der Überschreitung
des 5 GB Transferlimits werden allerdings Kosten von 102,40 Euro pro
GB fällig. Auf den hinteren Rängen finden sich bob breitband 1 GB,
yesss Mobiles Internet Starterpaket und tele.ring free WILLI mit dem
Testurteil "durchschnittlich".

Im Datenstau

Eine enorme Diskrepanz zwischen Werbung und Wirklichkeit stellten
die Tester bei den Downloadgeschwindigkeiten fest. Die Anbieter von
mobilem Breitband versprechen zwar Downloadraten von "bis zu" 7,2
Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Die getesteten Produkte von yesss,
T-Mobile, 3 Hutchison (3Data Laptop 5 GB) und der Telekom Austria
erreichten im gut ausgebauten Stadtgebiet jedoch im Durchschnitt nur
ein Drittel der ausgelobten Geschwindigkeit. Absolut gesehen
lieferten orange (netbook + Mobiles Internet), yesss (Mobiles
Internet Starterpaket) und tele.ring (free WILLI) die schlechtesten
Messergebnisse und erhielten in dieser Kategorie dafür ein "nicht
zufriedenstellend". A1 hängte die Konkurrenz hingegen mit den
höchsten Spitzengeschwindigkeiten und den kürzesten Einbrüchen ab.

Mangelnde Verbindungssicherheit

Wortwörtlich unverbindlich sind "bis zu"-Angaben auch in anderer
Hinsicht. Denn sie enthalten nicht die Garantie, dass an dem Ort, an
dem das Internet benötigt wird, überhaupt eine Verbindung zustande
kommt. Der Testversuch, eine 28 MB große Programmdatei
herunterzuladen, gelang an allen Standorten mit keinem der vier
Provider auf Anhieb. Bei 3 Hutchison waren mitunter gleich drei
Versuche notwendig, da der Download wiederholt zum Stillstand kam.
Aus 28 MB wurden so 50 MB verbrauchtes Datenvolumen.

"Heikel sind Downloads von Dateien mit einer Größe von mehr als
100 MB, weil hier die Wahrscheinlichkeit eines ungewollten Abbruchs
besonders hoch ist. Allein der aktuelle Adobe Reader hat aber mehr
als 200 MB", informiert Testleiter Paul Srna. "Schon eine kleine
örtliche Veränderung, ob nun im Kaffeehaus oder in der Wohnung, kann
aber den Empfang deutlich verbessern. Hilfreich ist auch ein
USB-Verlängerungskabel, mit dem man den Stick in Fensternähe
platzieren kann. Wer vorrangig in den eigenen vier Wänden mobil sein
möchte, sollte aber besser in einen WLAN-Router investieren."

Teure Überschreitungen

Die Frage nach dem günstigsten Anbieter ist heikel, da die
monatlichen Kosten vom gewählten Tarifmodell beziehungsweise vom real
verbrauchten Datendurchsatz abhängen. Bei den Einmalkosten fallen
hier in der Mehrheit zwischen 50 und 60 Euro an. Die Kosten für ein
Gigabyte (GB) reichen bei den Verträgen von rund zwei Euro (3
Hutchison 3Data Laptop 5 GB) bis rund acht Euro (T-Mobile) - wenn man
das inkludierte Datenvolumen auch ausnützt. Bei den Wertkarten (3
Hutchison, yesss und tele.ring) sind die Kosten pro Gigabyte mit 20
Euro zwar höher, böse Überraschungen beim Überschreiten des
Datenvolumens aber ausgeschlossen. Anders bei den Verträgen: 3
Hutchison und A1 verrechnen bei einer Überschreitung von 1 GB einen
Aufschlag von 102,40 Euro, der Rest drosselt auf ein Schneckentempo.

"Die Frage nach dem günstigsten Anbieter ist also auch eine Frage
der Nutzung. Sofern man mobiles Breitband als Ergänzung für unterwegs
verwendet, ist die Wertkarte ohne monatliche Fixkosten oft die
sinnvollere Variante. Wer dieses vorrangig und regelmäßig nutzt,
fährt in der Regel mit einem Vertrag besser", so Srna. "Grundsätzlich
sollte dabei für den durchschnittlichen User eine
Downloadgeschwindigkeit von 1 Mbit/s und eine Datenmenge von 5 GB im
Monat vollkommen ausreichen."

Besonders teuer kann das mobile Surfen im Ausland werden.
Zumindest im EU-Raum soll die EU-Roaming-Verordnung Horrorrechnungen
aber verhindern. Dieser zufolge müssen europäische
Mobilfunknetzbetreiber seit dem 1. März 2010 ihren Kunden die
Möglichkeit einer Rechnungsobergrenze anbieten. Für Kunden, die bis
1. Juli 2010 nicht von sich aus eine Obergrenze festgelegt haben,
gilt pauschal die Obergrenze von 50 Euro (exkl. Ust). Zudem erhalten
die Kunden eine Warnmeldung, wenn ihre Kosten 80 Prozent des jeweils
definierten Betrages erreicht haben. "Das ist an und für sich eine
gute Sache. Warum sich eine solche Warnung bei Erreichen des
Datenlimits aber lediglich auf die Nutzung des Internets auf Reisen
in anderen EU-Ländern beschränken sollte und in Österreich selbst
ausgespart bleibt, ist uns nicht klar. Hier ist eindeutig noch
Handlungsbedarf gegeben", kritisiert Kolba.

Irreführende Werbung

Als Ärgernis empfindet Kolba die im Test festgestellte grobe
Unterschreitung der ausgelobten Downloadgeschwindigkeiten: "Das wird
Gegenstand der Überprüfung von UWG-Klagen sein, sofern dies nicht
deutlich in der Werbung klargestellt wird. Diese Situation mag auch
vergleichbar mit der Judikatur des deutschen Bundesgerichtshofes
sein, derzufolge der reale Kraftstoffverbrauch um nicht mehr als 10
Prozent von den in der Werbung angegebenen Werten abweichen darf. Im
vorliegenden Test wurden dagegen teils nicht einmal Werte von einem
Drittel des Angegebenen erreicht. Man darf sich also nicht wundern,
wenn Kunden Gewährleistung fordern."

Weitere Kritikpunkte ergeben sich bei einem genaueren Blick auf
das Kleingedruckte: Das gilt nicht zuletzt für Verträge mit
"unlimitiertem" Surfen oder "Fair Use". So wird auch hier bei
Erreichen einer bestimmten Grenze die Geschwindigkeit massiv
gedrosselt - im Test bei T-Mobile etwa nach 5 GB/Monat auf maximal
128 kbit/s. "Damit lassen sich zwar Kostenfallen vermeiden, diese
Logik von ,unlimitiert' erschließt sich uns aber nicht", so Kolba.

Über eine weitere freizügige Auslegung des Begriffes "unlimitiert"
durch T-Mobile hat dagegen das OLG Wien vor kurzem entschieden:
Dieses verbot die Werbung für den Tarif Fairclick, welche den
Eindruck erweckte, dass mit Zahlung der Grundgebühr ein unbegrenztes
Datenvolumen zur Verfügung steht. Tatsächlich war das Datenvolumen
auf 10 GB pro Monat begrenzt; für jedes weitere heruntergeladene MB
wurden 10 Cent verrechnet - ein Mehr an 100 Euro pro GB. "Dieses
Beispiel zeigt, dass der VKI immer wieder erfolgreich nach dem Gesetz
gegen unlauteren Wettbewerb vorgeht und auch in Zukunft werden wir
alles unternehmen, um irreführender Werbung einen Riegel
vorzuschieben", so Kolba abschließend.

Details zum Test

Zehn Breitbandzugänge wurden an verschiedenen Standorten im Raum
Wien und Umgebung zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten
hinsichtlich Handhabung, Geschwindigkeit und Kosten beurteilt. Die
Messungen wurden mit Datensticks bzw. Netbooks der vier heimischen
Netzanbieter (A1/b.free/bob, orange/yesss, T-Mobile/tele.ring und 3
Hutchison) mit Wertkarte bzw. Vertrag durchgeführt.

Die Kosten berücksichtigen neben dem inkludierten Datenvolumen die
monatlichen Fixkosten und die Kosten pro GB während der
Vertragsdauer, die Kosten bei Überschreitung des Transfervolumens und
die Abrechnungseinheiten.

Für die Handhabung wurden Installation, täglicher Betrieb,
Übersichtlichkeit des Verbindungsmanagers, Informationen über
Transfervolumen und Verbindungsqualität sowie die Angaben auf der
Website der Anbieter bewertet.

Alle Details zum Test gibt es im April-"Konsument" sowie unter
www.konsument.at.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
Verein für Konsumenteninformation/Testmagazin "Konsument"
Mag. Andrea Morawetz, Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 01/588 77 - 256
mailto:[email protected]
www.konsument.at

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