• 25.03.2010, 09:53:37
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Beschäftigte fordern am AUGE/UG und KIV/UG Sozialgipfel: "Sozialmilliarde statt Kaputtsparen des Sozialbereichs!"

Über 100 BetriebsrätInnen, PersonalvertreterInnen und Beschäftigte aus dem privaten und kommunalen Sozial- und Gesundheitsbereich formulieren Forderungen an Bundesregierung.

Wien (OTS) - AUGE/UG (Alternative und Grüne
GewerkschafterInnen) und KIV/UG (Konsequente Interessensvertretung)
hatten am 18. März zum Sozialgipfel unter dem Motto "Wir stürmen den
Gipfel zur Sozialmilliarde" ins Wiener Rathaus geladen. Weit über 100
BetriebsrätInnen, PersonalvertreterInnen und Beschäftigte aus dem
Sozial- und Gesundheitsbereich - vor allem aus Wien und
Niederösterreich - waren dem Aufruf gefolgt um einmal mehr
nachdrücklich eine Sozialmilliarde für Investitionen in
flächendeckende, bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Sozial-
und Gesundheitsdienste und eine Verbesserung der Arbeits- und
Einkommensverhältnisse für die Beschäftigten einzufordern.

Sozialwirtschaft hat enorme Beschäftigungspotentiale!

Mit 6.000 Unternehmen, 140.000 Beschäftigten und einem Umsatz von
4 Mrd. Euro ist die Sozialwirtschaft ein wesentlicher, nicht nur
sozialer, sondern auch wirtschaftlicher Faktor in Österreich.
"Beschäftigungswirkungen von Investitionen im Sozialbereich sind etwa
doppelt so hoch wie im Bauwesen", führte etwa Nikolaus Dimmel, a.o.
Univ.-Prof. an der Universität Salzburg und Experte für
Sozialwirtschaft, aus. Massive Versorgungsdefizite mit entsprechenden
Beschäftigungspotentialen bestünden vor allem im Bereich der
Kinderbetreuung, der Pflege und des betreuten Wohnens.
Beschäftigungszuwächse in der Sozialwirtschaft seien allerdings vor
allem auf eine Atypisierung der Beschäftigung - vor allem
Teilzeitarbeit - zurückzuführen, da die öffentliche Hand sich
zusehends aus der Finanzierung sozialer Dienste zurückzieht und die
Kosten immer mehr auf die KlientInnen abwälzt. Kurzfristige
Förderverträge ließen keine Planungssicherheit im Sozialbereich zu.
"Das erhöhe den Druck auf Vereine und Beschäftigte, befördere
Dequalifizierungsprozesse und Lohndruck", betonte Elisabeth Hammer,
von der FH Campus Wien, Studiengang Soziale Arbeit und Mitbegründerin
des Vereins Kritische Sozial Arbeit. Der Sozialbereich ist von
niedrigen Löhnen, Arbeitsverdichtung und hohen Arbeitsdruck geprägt,
es fehle überhaupt an einer umfassenden und integrierten
'Sozialplanung', auf Bundes- wie auf Länder- und Gemeindeebene.

Soziale Arbeit braucht finanzielle Planungssicherheit und
gesellschaftliche Aufwertung

"Eine zentrale Forderung an die Regierenden auf Bundes-, Länder-
und Gemeindeebene muss daher sein, dass Finanzierungsvereinbarungen
mittelfristig, über mehrere Jahre angelegt sind, um eine Planungs-
und Bestandssicherheit im personellen, strukturellen und inhaltlichen
Bereich zu gewährleisten und es braucht entsprechend eine deutliche
Aufstockung finanzieller Mittel. Die Einkommen der Beschäftigten im
Sozialbereich liegen 20 % unter dem Durchschnitt, die Zahl der
'Working Poor' ist in der sozialen Arbeit, vor allem im Bereich der
Pflege, die ohnehin von hoher psychischer und physischer Belastung
geprägt ist, dramatisch am Steigen. Neben Planungssicherheit,
braucht es auch eine deutliche finanzielle und gesellschaftliche
Aufwertung von sozialen und Gesundheits-Berufen, die ja
nachgewiesener Maßen einen hohen sozialen und gesellschaftlichen
Mehrwert erwirtschaften," fasst Markus Koza, Bundessekretär der
AUGE/UG, einen Teil des von den TeilnehmerInnen am Sozialgipfel
formulierten Forderungspakets zusammen.

Qualität statt Dequalifizierung

"Soziale Arbeit ist Arbeit mit und für Menschen mit
unterschiedlichsten Bedürfnissen und muss daher anders bewertet
werden als industrielle Fertigungsprozesse. Diese Arbeit ist
besonders intensiv und belastend, Beschäftigte in der sozialen Arbeit
sind allerdings immer mehr von einer Ausdehnung ihrer
Tätigkeitsfelder - vor allem mit organisatorischen und bürokratischen
Tätigkeiten - betroffen, was zu Dequalifizierungsprozessen führt, im
privaten wie im kommunalen Sozial- und Gesundheitsbereich. Steigender
Arbeitsdruck, eine Verschlechterung der Relation zwischen
Qualifikationsanforderungen und uneinheitliche Qualitätsvorgaben
machen eine stark an den Problemlagen und Bedürfnissen der
KlientInnen orientierte soziale Arbeit und Versorgung mit
Gesundheits-Dienstleistungen zunehmend unmöglich. Soziale Arbeit
braucht daher mehr Geld, damit die entsprechenden qualitativen
Versorgungsangebote orientiert an den Interessenslagen der
KlientInnen, und nicht orientiert an vorgegebene Kennzahlen á la New
Public Management-Konzepten, wieder ermöglicht werden. Der Kampf für
bessere Arbeitsbedingungen in der sozialen Arbeit ist ein Kampf für
einen anderen Wohlfahrtstaat, der allen Gesellschaftsschichten nutzt,
über Einkommensgrenzen hinweg", fasst Christine Rudolf, politische
Sekretärin der KIV/UG und Arbeiterkammerrätin der AUGE/UG weitere
Forderungen der Beschäftigten zusammen.

Heftige Kritik an Sparmaßnahmen im Bereich Soziales - Her mit der
Sozialmilliarde!

Die geplanten Sparmaßnahmen im Rahmen der Budgetkonsolidierung -
im Bereich Soziales alleine 2011 beinahe 86 Mio. Euro, im Bereich
Arbeitsmarkt fast 125 Mio. Euro - stoßen jedenfalls auf heftige
Kritik: "Gerade aus Mitteln der Arbeitsmarktpolitik sowie aus dem
Kapitel Soziales werden soziale Vereine und Projekte gefördert.
Kürzungen in diesen Bereich drohen unmittelbar zulasten
sozialwirtschaftlicher Betriebe, deren Beschäftigten und deren
KlientInnen und Angehörigen zu gehen.", betont Markus Koza.

Gerade jetzt braucht es hier keine Sparpakete, sondern im
Gegenteil, massive Investitionen. Investitionen in den privaten wie
kommunalen Sozial- und Gesundheitsbereich rechnen sich gleich: sie
führen zu Beschäftigung und Einkommen, schließen Versorgungslücken,
erhöhen die Versorgungsqualität und produzieren einen hohen sozialen
Mehrwert. Sie ermöglichen überhaupt erst, dass Angehörige von
KlientInnen einer Erwerbsarbeit nachgehen können - v.a. Frauen.

"Wir fordern daher das Parlament auf, endlich die versprochene
Enquete zur Sozialmilliarde zu veranstalten und sich der Diskussion
mit den Anliegen der Beschäftigten und ihrer KlientInnen aus dem
Sozial- und Gesundheitsbereich zu stellen! Dass die Beschäftigten im
Sozial- und Gesundheitsbereich den drohenden sozialen Kahlschlag in
ihren Bereichen nicht einfach hinnehmen, hat der Sozialgipfel auch
gezeigt. Und nicht zuletzt der durchaus erfolgreiche
'Kindergartenaufstand' sowie die Proteste im Rahmen der
BAGS-KV-Verhandlungen haben eindrucksvoll bewiesen, das die
Beschäftigten aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich durchaus in der
Lage sind, für ihre Interessen und für qualitativ hochwertige soziale
Dienste zu kämpfen," schließen AUGE/UG und KIV/UG.

Rückfragehinweis:
Christine Rudolf, KIV/UG, Tel: 0676/340 05 42
Markus Koza, AUGE/UG, Tel: 0676/951 27 82
Internet: www.kiv.at, www.auge.or.at

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