• 16.03.2010, 09:00:16
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WIFO-Experte präsentiert beim Internationalen Währungsfonds Analysen zu Finanzmarkt-spekulation und einer Finanztransaktionssteuer

Wien (OTS/WIFO) - Die vom WIFO 2008 publizierte Studie "A General
Financial Transaction Tax" hat die weltweite Debatte mitgeprägt, sie
wurde zum meistzitierten wissenschaftlichen Dokument zum Thema
"Finanztransaktionssteuer". Der WIFO-Ökonom und Mitautor der Studie
Stephan Schulmeister wurde als Experte für ein Meeting beim
Internationalen Währungsfonds im Jänner 2010 nominiert und hielt
dieser Tage beim IWF ein Seminar.

Im September beauftragten die G 20 den Währungsfonds mit einer
Studie, "how the financial sector could make a fair and substantial
contribution toward paying for any burdens associated with government
interventions to repair the banking system". Im Zuge des laufenden
Konsultationsprozesses des IWF wurde der WIFO-Ökonom Stephan
Schulmeister von 70 der größten NGO als Experte für ein Meeting beim
IWF am 28. Jänner 2010 nominiert. Bei dieser Gelegenheit präsentierte
er die wichtigsten Ergebnisse der gemeinsam mit Margit
Schratzenstaller und Oliver Picek erstellten WIFO-Studie "A General
Financial Transaction Tax" (http://www.wifo.ac.at/schulmeister/ftt/).
Diese Studie hat die weltweite Debatte mitgeprägt, sie wurde zu einem
der am meisten zitierten wissenschaftlichen Dokumenten zum Thema
"Finanztransaktionssteuer".

Zusätzlich hat das österreichische Bundesministerium für Finanzen
Stephan Schulmeister für den Konsultationsprozess des IWF nominiert.
Schulmeister wurde daher eingeladen, am 15. März in Washington ein
Seminar zum Thema "Boom-Bust Cycles and Trading Practices in Asset
Markets, the Real Economy and the Effects of a Financial Transactions
Tax" zu halten. Seine Analyse zum Einfluss kurzfristiger Spekulation
auf das "Überschießen" von Aktienkursen, Rohstoffpreisen und
Wechselkursen kommt zu folgenden Ergebnissen (http://www.wifo.ac.at/
schulmeister/boombustcycles/):

- Kurzfristig schwanken Asset Prices überwiegend um zugrundeliegende
Trends. Glättet man die jeweiligen Preisreihen mit gleitenden
Durchschnitten, so lassen sich diese Trends leicht identifizieren
(Abbildungen 1 bis 3). Das Phänomen des "Trending" wiederholt sich
auf unterschiedlichen Zeitskalen, es tritt sowohl auf Basis von
Tages- und Monatsdaten auf als auch auf Basis von Stunden- oder
Minutendaten.

- Spekulation auf Basis der "technischen Analyse" - der am
häufigsten genutzten Handelsstrategie - zielt darauf ab, Trends von
Wechselkursen, Rohstoffpreisen oder Aktienkursen profitabel
auszunützen. Das einfache Modell der gleitenden Durchschnitte
(Moving-average-Modell) liefert ein Kaufsignal ("long position" - L)
bzw. Verkaufsignal ("short position" - S), wenn der Preis den
gleitenden Durchschnitt von unten bzw. von oben schneidet
(Abbildungen 1 und 2). Wenn ein Modell zwei gleitende Durchschnitte
verwendet, dann bedeutet deren Schnittpunkt ein Handelssignal
(Abbildung 3). Technische Spekulationssysteme basieren auf
Preisreihen mit unterschiedlicher Datenfrequenz, von Tagesdaten bis
zu Minutendaten oder sogar "tick data" (diese erfassen den Preis
jeder einzelnen Transaktion).

- Zwischen dem "Trending" auf den Finanzmärkten und der Verwendung
technischer Spekulationssysteme besteht eine Wechselwirkung, da die
Umsetzung der aggregierten Handelssignale unterschiedlicher Modelle
den jeweiligen Kursschub verstärkt. Kurzfristige Kursschübe
akkumulieren sich zu langfristigen Preistrends. Besteht eine
optimistische Marktstimmung ("bullishness"), so dauern Aufwärtsschübe
etwas länger als Gegenbewegungen, ist der Markt "bearish", so ist das
Gegenteil der Fall (Abbildungen 1 bis 3).

- Wechselkurse, Rohstoffpreise und Aktienkurse - die wichtigsten
Preise in der Weltwirtschaft - entwickeln sich langfristig in einer
Abfolge von mehrjährigen Aufwertungs- und Abwertungstrends ("bulls
and bears"), sie schwanken daher in irregulären
("manisch-depressiven") Zyklen um ihr fundamentales Gleichgewicht
ohne eine Tendenz, zu diesem Gleichgewicht zu konvergieren. Das
Ausmaß dieser Schwankungen wird durch immer schnellere Spekulation
systematisch verstärkt.

Die enormen Schwankungen der Asset Prices trugen wesentlich zum
Ausbruch der Finanzmarktkrise bei. Mit dem Boom von Aktienkursen,
Immobilienpreisen und Rohstoffpreisen bis 2007 ("bull markets") wurde
ein Absturzpotential aufgebaut, das sich in den nachfolgenden drei
"bear markets" gewissermaßen entlud. Die damit verbundene
Vermögensentwertung zog einen massiven Rückgang der Investitions- und
Konsumnachfrage nach sich.

Eine geringfügige Transaktionssteuer mit einem Steuersatz zwischen
0,1% und 0,01% würde die kurzfristige Spekulation auf den Aktien-,
Devisen- und Rohstoffmärkten verteuern und damit die Länge und
Häufigkeit von Preisschüben verringern. Dies wiederum würde
gleichzeitig das Ausmaß der langfristigen Schwankungen der
wichtigsten Preise in der Weltwirtschaft verringern.

Abbildung 1: "Bulls" und "Bears" auf dem Aktienmarkt der USA und
technische Handelssignale - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Abbildung 2: Dynamik des Dollar-Euro-Kurses und technische
Handelssignale - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Abbildung 3: Technische Handelssignale für den WTI-Rohöl-Future - auf
der WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Rückfragehinweis:
Dr. Stephan Schulmeister
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-242 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]

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