Faymann brachte Gusenbauer um EU-Top-Job: Führende Sozialdemokraten bestätigen: Altkanzler war ein Kandidat

Schulz, Chef der Sozialdemokraten im EU-Parlament, SPD-Chef Gabriel und Außenminister Spindelegger versichern, dass Gusenbauer im Gespräch für EU-Posten war - Faymann streitet ab

Wien (OTS) - Österreich hatte realistische Chancen, den ersten Außenminister der Europäischen Union zu stellen. Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer war, anders wie von seinem Vorgänger Werner Faymann behauptet, bis zuletzt ein ernsthafter Kandidat für den neu geschaffenen EU-Topjob. Das bestätigte Martin Schulz, der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europaparlament, nun im Gespräch mit der "Presse am Sonntag". Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte zur "Presse am Sonntag", dass Gusenbauer innerhalb der Sozialdemokratischen Partei Europas ein Kandidat gewesen sei.

Werner Faymann hatte gesagt, dass Gusenbauers Name in der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE) "kein einziges Mal" für den Posten des EU-Außenministers genannt worden sei. Auf Anfrage der "Presse am Sonntag" blieb der Bundeskanzler auch nun bei dieser Version. Gusenbauer sei nicht im Gespräch gewesen, erklärte Faymanns Pressesprecherin.

Recherchen der "Presse am Sonntag" haben jedoch ergeben, dass SPE-Chef Poul Nyrup Rasmussen ein österreichischen Ex-Bundeskanzler schon im Februar 2009 als neuen EU-Außenminister ins Spiel gebracht hat. "Er hat ins Konzept gepasst. Er war Regierungschef, hatte ausreichende internationale Erfahrung. Und er war in der SPE anerkannt", sagte Schulz. Der Deutsche war in dem Quartett der SPE, das schließlich am 19.November 2009 die Britin Catherine Ashton als neue EU-Außenministerin vorgeschlagen hat. "Faymann hat in unseren Gesprächen klar gemacht, dass er Gusenbauer nicht nennen kann, weil er durch eine Übereinkunft mit dem Koalitionspartner gebunden sei", sagt Schulz. Es habe aber dennoch weiterhin Rufe aus der SPE nach einer Nominierung Gusenbauers gegeben, sogar noch bei einem Treffen der sozialdemokratischen Regierungs- und Parteichefs nach dem EU-Gipfel am 29.Oktober 2009. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Große Koalition in Wien bereits auf Johannes Hahn (ÖVP) als Kandidaten für die EU-Kommission geeinigt.

Außenminister Michael Spindelegger erklärt jedoch in der "Presse am Sonntag", dass die ÖVP bereit gewesen wäre, Gusenbauer den Weg zu einem europäischen Spitzenjob zu ebnen. "Gusenbauer war ein Kandidat für den Job des EU-Außenministers. Die ÖVP hätte aus Staatsräson auf den Kommissarsposten für Hahn verzichtet und Gusenbauer unterstützt", sagt er der "Presse am Sonntag". (Ende)

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