ÖBB - 6.000 Züge mehr für Österreich

Bahnstromgewinnung ist dringend notwendig für umweltfreundliche Mobilität der Zukunft - Projekt nutzt bestehende Anlagen um zusätzlichen Bahnstrom zu erzeugen

Innsbruck (OTS) - Beim geplanten ÖBB-Kraftwerksprojekt "Beileitung Ost" kann, durch die dynamische Ableitung von geringen Wassermengen aus den Lechzuflüssen (Pazuelbach und Zürsbach) in den Spullersee, mit bestehenden Kraftwerksanlagen mehr Bahnstrom aus heimischer Wasserkraft erzeugt werden. Die Energieproduktion der beiden ÖBB Kraftwerke Spullersee und Braz in Vorarlberg - wo das Wasser abgearbeitet wird - kann mit diesem Projektvorhaben von 150 auf 200 Gigawattstunden erhöht werden. Diese Leistungssteigerung entspricht dem Strombedarf von 6.000 Zügen auf der Strecke Innsbruck - Wien oder fast 17 Prozent des jährlichen Bahnstrombedarfs in Tirol und Vorarlberg. Der Lechfluss bleibt beim ÖBB-Projekt in seiner Flussform nahezu unberührt, da keine neuen Infrastrukturanlagen gebaut werden müssen. Im aktuellen Vorhaben sorgen die ÖBB für klare Transparenz und planen eine jahreszeitabhängige Wasserentnahme. Durch die geringen Entnahmemengen ändert sich die Wassertiefe höchstens um wenige Millimeter. Vogelarten wie z.B. der Gänsesäger werden dadurch in ihrer Lebensweise und ihrem Lebensraum nicht beeinflusst. Am Oberlauf des Lechs wird zudem eine neue transparente Pegelmessstelle eingerichtet, um Fließwassermenge und chemische Zusammensetzung für jeden Bürger einfach ersichtlich zu machen. Bevor die Grenzwerte erreicht werden, stoppen die ÖBB die Wasserentnahme zur Stromerzeugung. Beim Projekt, in das die ÖBB über 30 Millionen Euro investieren, wird kein neues Kraftwerk errichtet, sondern die bestehende Infrastruktur optimiert. Der vorhandene Speicher Spullersee kann somit die Bahnstromerzeugung aus der übergeleiteten Wassermenge bedarfsgerecht produzieren.

Steigerung der Eigenversorgung mit Bahnstrom auf 50% als Ziel

Insgesamt geht es den ÖBB, die mit 456 Mio. Fahrgästen und über 98 Mio. Tonnen beförderten Gütern im Jahr 2008 der größte Mobilitätsanbieter im Land sind, um den Ausbau der Eigenversorgung durch Bahnstrom. Der Bahnstrombedarf beträgt aktuell rund 2 Mio. Megawattstunden pro Jahr, rund 1/3 davon wird in eigenen ÖBB-Kraftwerken erzeugt. Um europäische Klimaschutzziele zu erreichen, muss mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert werden. Der Treibstoff für die umweltfreundliche Mobilität der täglich rund 7.500 Züge im ÖBB-Netz ist der Strom aus heimischer Wasserkraft. Bis 2016 werden insgesamt 700 Mio. Euro in den Ausbau und die Effizienzsteigerung der ÖBB Kraftwerke investiert. Mit der zusätzlichen Produktion soll in den nächsten Jahren die Hälfte des zukünftigen Bahnstrombedarfs aus eigener Kraft abgedeckt werden. Ein Nebeneffekt der Investitionen: Laut Berechnungen des IHS (Institut für Höhere Studien) entstehen mit den gesamten Investitionen bis 2016 zusätzlich 570 neue Arbeitsplätze.

Naturschutz bleibt im Fokus - "Allianz für das Lechtal" geschlossen

Im Lechtal sind zudem umfangreiche ökologische Begleitmaßnahmen am Lech im Projekt bereits vorgesehen. Basis ist das Gewässerentwicklungskonzept, das im Rahmen des von der Europäischen Union mitfinanzierten Life-Projekts "Wildflusslandschaft Tiroler Lech" konzipiert wurde. Im Mittelpunkt steht dabei die Lechaufweitung und Strukturierung bei Vorderhornbach. Neun weitere Maßnahmen zielen zudem auf die Verbesserung der Fischpassierbarkeit bei den Seitengewässern ab. Im gesamten Projekt arbeiten die ÖBB mit anerkannten Gewässerökologen zusammen. Die Bemessung der Restwassermengen an den direkt betroffenen Bächen im Vorarlberger Teil des Lecheinzugsgebietes erfolgt so, dass bereits in diesen Bächen keine Änderung des ökologischen Zustandes zu erwarten ist. Dies gilt entsprechend den wesentlich höheren Abflüssen umso mehr für den nachfolgenden Lech im Tiroler Gebiet. Dynamik der Flusslandschaft und die davon abhängigen Lebensräume und Arten bleiben erhalten. Das Investitionsvolumen allein für das ökologische Maßnahmenpaket liegt bei mehr als zwei Millionen Euro. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die positive Zusammenarbeit mit der Region. So wurde mit allen vierzehn Gemeinden des Planungsverbandes "Oberes Lechtal" eine "Allianz für das Lechtal" geschlossen. Zweckgebundene Interessentenbeiträge werden in umwelt-, tourismus- und verkehrsrelevante Vorhaben im Bereich des Verbandes fließen.

ÖBB setzen weiterhin auf Information und Gespräche

Die ÖBB als Projektbetreiber setzen weiterhin auf aktive und direkte Information. So wurde die Bevölkerung bei einer Bürgerveranstaltung im Tiroler Lechtal bereits im Herbst 2009 umfassend und direkt informiert. Auf der eigenen Homepage unter www.oebb.at/kraftwerke wird der jeweilige Projektfortschritt aktiv an die Öffentlichkeit kommuniziert. Auch gegenüber den Interessenvertretern der Agrargemeinschaften Alpe Pazüel-Tritt und Alpe Zürs aus Vorarlberg setzt die Projektleitung weiter auf intensive Gespräche. Unser Ziel ist eine positive Einigung mit den verschiedenen Interessenvertretern. Eine breite Akzeptanz ist für eine gute zukünftige Zusammenarbeit unerlässlich. Als nächster Schritt wird es weitere Gespräche geben, zudem werden die noch ausstehenden Behördenverfahren vorangetrieben. Im Frühjahr ist eine Pressefahrt für Journalisten in die Projektregion am Spullersee geplant. "Es geht uns darum, das konkrete Projektvorhaben in der Natur zu zeigen, denn Bilder sagen mehr als tausend Worte", so Federspiel. Der aktuelle Zeitplan sieht für Mitte 2011 den Beginn der Projektumsetzung vor.

Die Beileitung Ost im Detail - Energieeffizienz im Vordergrund

Der Überleitungsstollen wird rund 5,4 Kilometer lang sein. Das Wasser wird durch die Beileitung, die unterirdisch verläuft, in den bestehenden Speicher Spullersee geleitet und mit einer Fallhöhe von insgesamt 1.100 Meter über Druckrohrleitungen dem Kraftwerk Spullersee zur Bahnstromproduktion zugeführt. Damit wird in punkto Umwandlungseffizienz einer der besten Werte aller aktuellen Kraftwerksprojekte in Österreich erzielt. Das durch die Beileitung Ost in den Spullersee zugeleitete Wasser stammt aus dem Pazuelbach und dem Zürsbach.

ÖBB: Österreichs größter Mobilitätsdienstleister

Als umfassender Mobilitätsdienstleister sorgt der ÖBB-Konzern österreichweit für die umweltfreundliche Beförderung von Personen und Gütern. Mit rund 42.000 MitarbeiterInnen, rund 3.500 davon in Tirol und Gesamterträgen von 5,8 Mrd. EUR ist der ÖBB-Konzern ein wirtschaftlicher Impulsgeber des Landes. Im Jahr 2008 wurden von den ÖBB 456 Mio. Fahrgäste und 98,5 Mio. Tonnen Güter transportiert. Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG.

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/140

Rückfragen & Kontakt:

Rene' Zumtobel
ÖBB-Holding AG
Pressesprecher Tirol/Vorarlberg
Tel.: +43 512 93000 2110
e-mail: rene.zumtobel@oebb.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NBB0001