- 05.03.2010, 18:33:11
- /
- OTS0324 OTW0324
DER STANDARD - Kommentar: "Es fehlen die Kandidaten" von Michael Völker
Grüne und ÖVP haben mit Rosenkranz ein Problem: Sie haben kein Gegenangebot - Ausgabe vom 6./7. März 2010
Wien (OTS) - Da werden sich ein paar Leute grün und schwarz ärgern
- vielleicht auch jene Strategen bei den Grünen und der ÖVP, die
leichtfertig darauf verzichtet hatten, eigene Kandidaten für die
Präsidentschaftswahl Ende April aufzustellen. Die Grünen - sie haben
Barbara Rosenkranz nichts entgegenzusetzen. Ebenso wenig wie die
Volkspartei.
Schlau ist das nicht.
Grünen-Chefin Eva Glawischnig hat sich bis dato nicht zur Kandidatur
von Rosenkranz geäußert. Vielleicht ist ihr das Thema nicht wichtig
genug. Eine Fehleinschätzung: Es ist wichtig. Hier dagegenzuhalten
ist mehr als eine gutmenschliche Fleißaufgabe - erst recht für die
Klientel der Grünen. Und es ist auch eine Frage der Hygiene.
Zum Wochenende hin rückte immerhin Vorgänger Alexander Van der Bellen
aus, um eine klare Empfehlung gegen Frau Rosenkranz und für Heinz
Fischer abzugeben. Eine Privatinitiative, wie er betont. Dabei
brodelt es bei den Grünen vor Empörung. Das Engagement gegen
Rechtsaußen ist dort ein ganz wesentliches Thema, ein
Identifikationsfaktor für die überwiegende Zahl der Sympathisanten.
Viele Wähler und Funktionäre sind wegen ihres Engagements gegen
rechts überhaupt erst bei den Grünen gelandet.
Und jetzt? Wo es wirklich um etwas geht, wo es einen Grund gibt, sich
zu Wort zu melden und ein Zeichen zu setzen? Werden sie an Heinz
Fischer verwiesen.
Das ist unbefriedigend.
Vor allem, weil die Grünen sonst ja auch nicht viel mitzureden haben,
sondern in der Oppositionrolle ständig an der Wahrnehmungsschwelle
entlangschrammen.
Bei der ÖVP ist es ähnlich und doch anders gelagert. Viele
Funktionäre und Sympathisanten hätten gerne einen eigenen Kandidaten
gehabt, den sie leichten Herzens wählen hätten können - auch wenn er
letztendlich unterlegen wäre. Manche können wohl auch mit Heinz
Fischer, viele aber nicht, weil ihnen der einfach zu rot ist.
Dass Rosenkranz ein Angebot an die bürgerlichen Wähler sein soll, wie
FP-Chef Heinz-Christian Strache das behauptet und wie es von
Krone-Chef Hans Dichand transportiert wird, ist eine Verhöhnung
dieses bürgerlichen Lagers. Frau Rosenkranz ist keine Bürgerliche.
Wer sich nicht klar vom Nationalsozialismus abgrenzt, wer es nicht
über die Lippen bringt, dass es unter den Nazis Gaskammern gab, ist
nicht bürgerlich - und für Bürgerliche auch nicht wählbar. Das haben
etliche Proponenten der ÖVP bereits festgestellt _ - im Übrigen aber
nicht Parteichef Josef Pröll.
Für die Sozialdemokraten ist das eine kommode Situation. Sie haben
ein Angebot - und nicht das Schlechteste, sie haben sich klar
positioniert, und um die Mobilisierung brauchen sie sich keine Sorgen
mehr zu machen.
Und vielleicht hat auch noch Hans Dichand ein Einsehen, dass mit dem
Ewiggestrigen kein Staat und keine Zeitung zu machen sind. Selbst
wenn die mancherorts prognostizierten 30 Prozent für Rosenkranz
unwahrscheinlich sind: Auch ein Ergebnis um 15 oder nur zehn Prozent
wäre fatal, wenn man daraus ableiten kann, dass dieser Prozentsatz
über das Kokettieren mit nationalsozialistischem Gedankengut
hinwegsieht oder es gutheißt. Das wäre für Österreich extrem
schmerzhaft - im Eingeständnis nach innen wie auch im Bild nach
außen.
Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PST






