• 23.02.2010, 14:43:24
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Armutskonferenz: Die soziale Schere bringt mehr Gewalt, mehr Stress, weniger Leben und weniger Vertrauen

Sozialwissenschafter Richard Wilkinson: Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind

Wien (OTS) - "Noch mehr soziale Ungleichheit heißt noch mehr
Krankheiten und noch geringere Lebenserwartung, mehr
Teenager-Schwangerschaften, mehr Status-Stress, weniger Vertrauen,
mehr Gewalt und mehr soziale Ghettos", so der renommierte
Epidemiologe Richard Wilkinson, Professor an der Universität von
Nottingham und des University College London, auf seinem Referat auf
der achte österreichischen Armutskonferenz. "Eine sozial polarisierte
Gesellschaft bringt Nachteile nicht nur für die Ärmsten, sondern auch
für die Mitte. Es stehen nicht nur die unterprivilegierten Mitglieder
schlechter da, sondern auch die Wohlhabenderen", führte Wilkinson
aus. Die soziale Schere schadet und zwar fast allen.

Im internationalen Vergleich schneiden die skandinavische Länder
sehr gut ab, Großbritannien, Portugal und USA sind abgeschlagen am
Schluss, Österreich ist vorne dabei aber nicht top.

Gesellschaften mit größeren Ungleichheiten in Einkommen, Arbeit
und Wohnen weisen einen schlechteren gesundheitlichen Gesamtzustand
auf als solche mit ausgewogener Verteilung von Einkommen und
Lebenschancen. Sobald ein bestimmter Grad an Wohlstand erreicht ist,
dürfte die relative Höhe des Einkommens ausschlaggebend für die
gesundheitliche Situation sein" erklärte der Wissenschafter. "In den
ärmeren Teilen der Erde ist mit höherer Wirtschaftsleistung pro Kopf
eine höhere Lebenserwartung verbunden. In den reichen Ländern ist ein
derartiger Zusammenhang nicht mehr nachweisbar".

Wilkinson: "Es konnte aber ein erstaunlich hoher Zusammenhang
zwischen Lebenserwartung und dem Anteil am Volkseinkommen, welchen
die ärmeren Haushalte beziehen, nachgewiesen werden. Die
Ausgewogenheit von Einkommensverhältnissen und Statusunterschieden
wurde als jener Faktor identifiziert, der am stärksten die höhere
Erkrankung Ärmerer erklärt. Der Anstieg der Lebenserwartung in einem
Zeitraum fiel umso größer aus, je größer der relative Zuwachs an
Einkommen der ärmeren Haushalte war. Nicht wie reich wir insgesamt
sind, ist hier die Frage, sondern wie die Unterschiede zwischen uns
sind. Unter den modernen Industriegesellschaften sind nicht die
reichsten Gesellschaften die gesündesten, sondern diejenigen mit den
geringsten Unterschieden zwischen Arm und Reich", so Professor
Wilkinson. Die Verschärfung sozialer Unterschiede hat also konkrete
lebensweltliche Auswirkungen.

"Gesellschaften mit größerer Ungleichheit unterscheiden sich von
denen mit weniger Ungleichheit auch in anderen Aspekten. Wir haben
herausgefunden, dass besonders das Vertrauensniveau geringer
ausfällt", zitiert Richard Wilkinson aktuelle Studien. Menschen sind
weniger dazu bereit, anderen zu vertrauen. und es gibt weniger
Beteiligung an der Gemeinschaft. Es liegt etwas im Argen mit den
sozialen Beziehungen in sozial polarisierten Gesellschaften.

Wilkinson wies auf die große Bedeutung von Freundschaften, dem
sozialen Status selbst und der frühkindlichen Entwicklung hin. Lerne
ich den Geschmack vom zukünftigen Leben als Konkurrenz, Misstrauen,
Verlassensein, Gewalt? Oder habe ich die Erfahrung qualitätsvoller
Beziehungen, Vertrauen und Empathie gemacht? Werde ich schlecht
gemacht, beschämt oder geschätzt und erfahre Anerkennung? Ist mein
Leben von großer Unsicherheit, Angst und Stress geprägt, oder von
Vertrauen und Planbarkeit?

Rückfragehinweis:
Die Armutskonferenz
www.armutskonferenz.at
Mobil: 0664/ 544 55 54 oder Tel.: 01/ 409 80 01
Koordinationsbüro: Tel.: 01/ 402 69 44

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/641

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