TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" 17. Februar 2010, von Wolfgang Sablatnig: "Darabos steht unter Zugzwang"

Der Verteidigungsminister hat ein schweres Erbe angetreten. Auswege aus der Krise ist er bisher schuldig.

Innsbruck (OTS) - Es ist Zufall, aber es ist bezeichnend. Beinahe täglich tauchen Berichte über Missstände beim Bundesheer auf - und das zuständige Regierungsmitglied Norbert Darabos ist weit weg. Als Sportminister drückt er den österreichischen Athleten in Vancouver die Daumen - mit mäßigem Erfolg, aber dafür kann er nun wirklich nichts. Seine Gegner können sich aber in ihrem Lieblingsvorwurf gegen den Verteidigungsminister bestätigt sehen. Er kümmere sich viel lieber um den Sport, das Bundesheer lasse er links liegen. Tatsächlich macht Darabos als Verteidigungsminister keine glückliche Figur. Zugegeben, viele Probleme, unter denen das österreichische Bundesheer akut leidet, hat er von seinen Vorgängern geerbt. Desolate Kasernen sind kein neuer Missstand, die Unterkünfte waren schon vor zehn oder 20 Jahren nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Chronische Finanznot. Darunter leidet das Heer ebenfalls seit Jahrzehnten, mit der Folge eines Rückstaus an Investitionen, Sanierungen und Beschaffungen. Und die Eurofighter - Darabos hätte sie nicht gekauft, musste sie aber trotz allem Widerstand schlucken. Eine Antwort auf die Frage, wie er mit diesem schweren Erbe umgehen will, ist Darabos bisher aber schuldig geblieben. Der Evaluierungsbeirat für die Bundesheerreform ist dabei ein weiterer Mosaikstein. Dass der für die Umsetzung der Reform verantwortliche Minister selbst der Kommission zur Bewertung der Reform vorgesessen ist, birgt eine schiefe Optik. Dennoch ist herausgekommen, dass sich das Heer nicht nach der Decke strecken kann, sondern seine Ziele dem vorhandenen Geld und Personal anpassen muss.
Noch kann das Heer seine Aufgaben erfüllen. Darabos muss aber die Karten auf den Tisch legen, wie er das auch für die Zukunft sicherstellen will. Dafür ist nur er verantwortlich, bei allen Versäumnissen der Vergangenheit.

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