Kardinal Schönborn und Caritasdirektor Landau besuchten die "Gruft"

Beteiligung an der Aktion des Papstes, der Caritas-Europa und der europäischen Bischöfe für das "Europäische Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung"

Wien (OTS) - Ein gemeinsames Zeichen gegen Armut und soziale Ausgrenzung haben am Sonntag Papst Benedikt XVI. und viele Bischöfe in ganz Europa gesetzt. Sie besuchten Caritas-Einrichtungen und machten darauf aufmerksam, dass auch im vergleichsweise reichen Europa Armut tägliche Realität für viele Menschen ist. In Wien war Kardinal Christoph Schönborn gemeinsam mit Caritasdirektor Msgr. Michael Landau im Caritas-Obdachlosenzentrum "Gruft" im 6. Bezirk zu Gast.

Kardinal Schönborn betonte anlässlich seines Besuchs in dem Caritas-Zentrum: "Die Wirtschaftskrise hat arme Menschen am stärksten getroffen. Bei den Budgetverhandlungen der kommenden Monate darf ein Sparpaket nicht auf Kosten der Schwächsten ausverhandelt werden. Im Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung müssen Armutsvermeidung und Armutsbekämpfung auch in unserem Land Prioritäten sein."
Msgr. Landau sagte seinerseits, er sehe das Jahr 2010 als große Chance des Umdenkens: "Wir dürfen Armut weder in Österreich noch in Europa als Tatsache hinnehmen. Die wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben klar gezeigt, dass der Sozialstaat wichtig und unverzichtbar ist. Im Blick auf die anstehenden Aufgaben geht es jetzt um Fairness und Gerechtigkeit."

Anlass für die Besuche des Papstes und der Bischöfe in Caritas-Einrichtungen ist die Kampagne "Zero Poverty" (http://www.zeropoverty.org/), mit der sich die Caritas-Europa am "Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung" beteiligt. Es brauche eine gemeinsame Kraftanstrengung von Politikern, Vertretern der Zivilgesellschaft und vieler Menschen guten Willens, um die Kluft zwischen Arm und Reich zu überwinden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Caritas-Europa und der "Kommission der Bischofskonferenzen des EU-Raumes" (ComECE). Der Vorsitzende der ComECE, Diözesanbischof Adrianus van Luyn (Rotterdam), und der Präsident von Caritas-Europa, P. Erny Gillen, hatten in ihrer Erklärung alle europäischen Bischöfe eingeladen, dem Beispiel des Papstes zu folgen und den 14. Februar zu einem symbolischen Tag des "Dienstes an den Armen" zu machen.

Das "Europäische Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung" wird auch das Zentralthema der bevorstehenden ComECE-Vollversammlung von 12. bis 14. April in Brüssel sein. Nach Angaben von "Eurostat" sind in der Europäischen Union 85 Millionen Menschen von Armut betroffen. Im Hinblick auf den Besuch in der "Gruft" sagte Msgr. Landau, dass Obdachlosigkeit nur die sichtbare Spitze des Eisbergs ist. Armut könne auch in Österreich jeden treffen. Besonders armutsgefährdet seien Alleinerzieherinnen, kinderreiche Familien, kranke und ältere Menschen, Langzeitarbeitslose sowie Zuwanderer. Rund eine Million Menschen würden in Österreich laut "Statistik Austria" trotz des vergleichsweise gut ausgebauten Sozialstaates unter der Armutsgrenze leben, allein in Wien seien das 280.000 Menschen.

Seit mehr als 20 Jahren bietet die "Gruft" Menschen, die auf der Straße stehen, einen sicheren Zufluchtsort und vor allem menschliche Wärme - 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Unter den Räumen der Mariahilfer Kirche können sich Hilfsbedürftige rund um die Uhr aufhalten, essen, duschen, schlafen, ihre Wäsche waschen; sie werden medizinisch und sozial versorgt. Die Nachfrage nach Hilfe steigt enorm: 2009 wurden insgesamt 82.690 Mahlzeiten an Bedürftige ausgegeben, 2001 waren es erst 58.500 gewesen. Auch bei den Nächtigungszahlen gab es einen Anstieg: Suchten vor zwei Jahren 24.038 Obdachlose einen schützenden Schlafplatz, waren es im Vorjahr bereits 25.978.

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