TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" 12. Februar 2010, von Max Ischia: "Krise? IOC reibt sich lieber die Hände"

Höher, schneller, reicher - das größte Sportfest der Welt ist ein riesiges Geschäft. Aber auch für alle?

Innsbruck (OTS) - Wissen Sie noch, mit wie vielen Medaillen Österreich aus Turin heimgekehrt ist? Es waren 23. Neun in Gold und jeweils sieben in Silber und Bronze. Ungerecht oder nicht: In der öffentlichen Wahrnehmung versickerte der Edelmetallregen in den (Un)Tiefen des Dopingsumpfes. Bis heute wartet man vergeblich auf eine juristische Aufklärung dieser undurchsichtigen Endlosschleife. Gerechtfertigt oder nicht: Österreichs Abschneiden wird bei den in der Nacht auf Samstag entflammten XXI. Olympischen Winterspielen von Vancouver an Turin gemessen. Den Kanadiern ist das egal. Sie wollen nach den goldlosen Heimspielen (Montreal 1976; Calgary 1988) ganz unbescheiden die Nationenwertung gewinnen. Dafür machte man für das ambitionierte Fünfjahresprojekt "Own the podium" stolze 117 Millionen kanadische Dollar (knapp 80 Mio. Euro) locker. Ein Pappenstiel im Vergleich zu den geschätzten Gesamtausgaben der Spiele in der Höhe von zwei Milliarden Euro.
In Vancouver wurde lange Zeit öffentlich darüber gestritten, ob sich diese Investitionen auch rechnen. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, der neue S-Bahn-Terminal, der Ausbau der Verbindungsstrecke zwischen Vancouver und Whistler - das alles spricht für Nachhaltigkeit. Die explodierten Kosten des O-Dorfes im Gleichklang mit den gefallenen Immobilienpreisen lassen zumindest in diesem Segment auf ein Minus schließen.
Der ganz große Gewinner steht mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) aber längst fest, auch wenn das IOC nur knapp zehn Prozent der Einnahmen für sich behält, den Löwenanteil an das Organisationskomitee und den Rest an die nationalen Komitees überweist. Die Spiele in Turin und Peking spülten gemeinsam 3,76 Milliarden Euro in die IOC-Kassen. Vancouver und London 2012 versprechen eine deutliche Steigerung. Und alles im Sinne des olympischen Geistes.

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