• 11.02.2010, 08:42:56
  • /
  • OTS0017 OTW0017

"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Vorschläge statt politischer Kleinkriege" (Von MARIO ZENHÄUSERN)

Ausgabe vom 11. Februar 2010

Innsbruck (OTS) - Gegenseitige Schuldzuweisungen helfen in
Krisenzeiten nicht, sondern gefährden bloß den sozialen Frieden.

In Kitzbühel wurde Anfang dieser Woche ein Sozialmarkt eröffnet.
Dieser offensichtliche Gegensatz am Fuße des Hahnenkamms - hier die
mondäne Jetset-Gesellschaft, in der Geld die unwichtigste Nebensache
der Welt ist, da der tägliche Kampf, um die Familie oder sich selbst
mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen - steht stellvertretend für
die Situation in Tirol. Ja, es gibt in Tirol sehr viele Menschen,
denen es gut geht. Aber es gibt eben auch welche, denen es nicht so
gut geht. Die Not leiden.

Diese Menschen sind im doppelten Sinne arm. Weil sie zu wenig
besitzen, um (über-)leben zu können, und weil sie das Pech haben, mit
ihrem Schicksal hier bei uns leben zu müssen: im schönen, aber eben
auch teuren Tirol.

Ob Arbeiter, dessen Job die Krise gefressen hat, Bauer, der die
Kreditraten für den Stallumbau nicht bezahlen kann, oder
Angestellter, dessen Arbeitsplatz wegrationalisiert wurde - alle
teilen sie dasselbe Schicksal. Und alle sind sie auf Hilfe
angewiesen. Bund und Land haben bis jetzt viel getan, um das Los der
Betroffenen zu lindern. Konjunkturpakete sorgen für Arbeit, die
Steuerreform wirkt sich in barer Münze aus, Arbeitsstiftungen
verkürzen die Zeit der Arbeitslosigkeit.

Aber das allein reicht nicht aus. Die Finanzkrise hat das soziale
Gefüge im Land nachhaltig beschädigt. Den Ball jetzt allein der
Politik zuzuschieben, ist jedoch der falsche Ansatz. Die Notleidenden
brauchen jetzt keine Schuldzuweisungen, sondern Lösungsvorschläge. Wo
bleiben die runden Tische, an denen sich alle einschlägigen
Einrichtungen - Politik, Interessenvertretungen, Kammern,
Hilfsorganisationen etc. - auf eine gemeinsame Vorgangsweise einigen?
Wer jetzt auf politische Kleinkriege setzt statt auf Zusammenarbeit,
der riskiert den sozialen Frieden im Land. Und der sollte es
eigentlich wert sein, dass der eine oder andere über seinen Schatten
springt.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion Tel.: 05 04 03 DW 610

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/213

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel