• 21.01.2010, 18:24:49
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DER STANDARD-Kommentar: "Politik als Super-Show" von Alexandra Föderl-Schmid

"Mit Glamour und Klamauk wird über die Inhaltslosigkeit hinweggetäuscht"; Ausgabe vom 22.01.2010

Wien (OTS) - Österreichs Politikern ist wirklich nichts zu blöd.
In diesen Tagen lieferten gleich zwei Minister den Beweis dafür: Der
Vizekanzler, Finanzminister und VP-Parteichef dieser Republik, Josef
Pröll, kürte am Donnerstagabend seinen Superpraktikanten nach einer
zehnwöchigen Castingshow. Schon der Aufruf, sich für das einwöchige
Praktikum zu bewerben, war an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Nicht
zufällig sollten die Aktion und der Titel an die aus dem Fernsehen
bekannten Shows zur Ermittlung eines "Supermodels" erinnern.
Im Stil einer Waschmittelwerbung wurde wochenlang in Spots
getrommelt: "Bist Du Österreichs Superpraktikant? Du willst das
begehrteste Praktikum des Landes? Du willst in die faszinierende Welt
der Politik eintauchen?" Versprochen wurde "eine der aufregendsten
Wochen des Lebens" - an der Seite von Josef Pröll "wo Politik
passiert". Dank dieser Mitteilung bei der Praktikantensuche wissen
jetzt alle, die nicht regelmäßig die ORF-Sendungen Seitenblicke oder
Chili konsumieren, was "Super-Sepp" Pröll so treibt, wenn er nicht im
Ministerium oder im Ministerrat sitzt: "Beim Wiener Jägerball und
beim Nachtslalom in Schladming bist du als V.I.P. an der Seite von
Josef Pröll live dabei."
Das Praktikum ist unbezahlt - allein das ist eigentlich ein Hohn für
all jene, die der sogenannten Generation Praktikum angehören: Junge
Menschen sind in der Arbeitswelt von heute häufig gezwungen,
unbezahlte Beschäftigungen anzunehmen, um zumindest Joberfahrung zu
sammeln. Das ist die Lebensrealität vieler, die die ÖVP mit diesem
neuen Politikstil ansprechen will. So gesehen, erübrigt sich dann
jede ernsthafte Diskussion um ein Transferkonto.
Unterrichtsministerin Claudia Schmied holte sich ein Pop-sternchen an
ihre Seite, um ihre Vorstellungen im Bildungsbereich zu promoten. Es
war dann aber nicht die Bildungsreform der SPÖ-Politikerin, die für
Aufsehen sorgte, sondern vielmehr die Bundeshymne, die Christl
Stürmer in eine Rockversion mit dem Text "Heimat bist Du großer Söhne
und Töchter" brachte. Schmied wählt auch vorzugsweise
Boulevardmedien, um Neuigkeiten in ihrem Ressort oder Ultimaten zu
verkünden.
Die Superpraktikantensuche ist "eine Aktion von Josef Pröll powered
by ATV, Heute und Kronehit". Wer sich als Politiker auf dieses Niveau
begibt, sucht sich konsequenterweise die richtigen Partner -
Privatsender und eine Gratiszeitung.
Wobei die Grenzen inzwischen verschwimmen: Auch der ORF setzt auf
Boulevard als Rettung aus der Quotenkrise. Die ZiB 1 dauerte am
Mittwoch 17 Minuten, die Konkurrenzsendung Chili 19 Minuten, wobei
allein Baumeister Richard Lugner vier Minuten und 29 Sekunden für die
Vorstellung seines Opernballgastes eingeräumt bekam. Die Seitenblicke
widmeten ihm noch einmal fast zwei Minuten. Kein Politiker erhält so
viel Sendezeit.
Die Konsequenz: Politiker verkaufen sich in den Seitenblicken und
praktizieren den Proll-und-Promi-Faktor, um überhaupt vorzukommen. So
kommen sie in die Schlagzeilen: Mit Glamour und Klamauk statt
Glaubwürdigkeit und Kärrnerarbeit. Damit soll über Inhalts- und
Konzeptlosigkeit der Politik von heute hinweggetäuscht werden. So
wird für alle sichtbar, dass Politik nur noch Show ist.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449

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