- 15.01.2010, 09:28:58
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Zwischen Frankfurter Küche und Widerstand: 10. Todestag von Schütte-Lihotzky
Wien (OTS) - Als 19jährige dachte sie selbst nicht, dass eine
Architektin je einen Auftrag zum Bau eines Hauses erhalten würde, als
gesellschaftlich spät hoch geachtete Architektin lehnte sie 1988 das
Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst der Republik aus den Händen
des damaligen Bundespräsidenten Kurt Waldheim ab: Kommenden Montag
jährt sich der 10. Todestag von Margarethe Schütte-Lihotzky, Planerin
der berühmten "Frankfurter Küche" (1926) und bekennende Kommunistin
im Widerstand gegen das NS-Regime. Wenige Tage vor ihrem 103.
Geburtstag verstarb Schütte-Lihotzky am 18. Jänner 2000 in Wien. In
Wien hat Schütte-Lihotzky laut Auskunft des Architekturzentrum Wien
(AzW) vor allem einige Siedlungen der Friedensstadt am Lainzer
Tiergarten (1921) und Wohnhausanlagen der Stadt Wien ("Otto Haas-Hof"
und "Wilnarsky-Hof" in der Brigittenau, 1924-1926), das Denkmal der
Widerstandskämpfer am Zentralfriedhof (1948), das Globus-Verlagshaus
am Hochstädtplatz (1953-1956) und einen Kindergarten in der
Rinnböckstrasse (1961-1963) gebaut. Seit September 2001 erinnert auch
ein nach ihr benannter Park in Margareten, wo Margarete Lihotzky 1897
zur Welt kam.****
Zwischen 1915 und 1919 studierte sie als erste und einzige Frau
an der damals europaweit bekannten K.k. Kunstgewerbeschule in Wien
Architektur. Nach Ende des Studiums engagierte sie sich in der
Siedlerbewegung und arbeitete eng mit Adolf Loos zusammen, mit dem
sie eine enge, bis zu dessen Tod im Jahr 1933 andauernde Freundschaft
verband. 1927 heiratete Lihotzky den Architekten Wilhelm Schütte
(1900-1968). Ein Jahr davor wechselte sie vom Wiener Baubüro des
Verbandes des Siedler- und Kleingartenwesens zur Kommune Frankfurt,
wo sie Architektur für soziale Bedürfnisse entwickelte. Kindergärten,
Wäschereien, aber auch jene berühmte, nur 6,5 Quadratmeter große
"Frankfurter Küche" - gemäß dem damals neuen Taylor-Prinzip entwarf
Schütte-Lihotzky "mit der Stoppuhr in der Hand" eine durch und durch
rationell an den Bedürfnissen der Hausfrauen orientierte Küche für
den sozialen Frankfurter Wohnbau - , mit der ihr Name für immer
verbunden blieb. "Wenn ich gewusst hätte, dass alle immer nur davon
reden, hätte ich diese verdammte Küche nie gebaut!", ist ein häufig
zitierter Satz Schütte-Lihotzkys.
Politisch stand Schütte-Lihotzky dem Kommunismus nahe.1930
verließ sie Frankfurt in Richtung damaliger Sowjetunion, Reisen und
Arbeiten führten sie nach Japan und China (1934). Zwischen 1938 und
1940 lebte sie in Istanbul, von wo sie nach Wien zurückkehrte, um
sich dem kommunistischen Widerstand anzuschließen. Zwei Jahre später
wurde sie von der Gestapo inhaftiert, das Kriegsende erlebte sie im
Zuchthaus Aichach in Bayern. Nach zweijähriger Tätigkeit in der
Stadtbaudirektion von Sofia (Bulgarien) kehrte sie 1948 dauerhaft
nach Wien zurück. Viele ihrer Arbeitsaufträge führten sie aber
weiterhin nach Bulgarien, Kuba und die DDR.
1980, mit 83 Jahren, erhielt sie von der Stadt Wien den Preis
für Architektur, 1985 folgte die Prechtl-Medaille der Technischen
Universität Wien, wie auch mehrere Ehrendoktorwürden, etwa jene der
TU Graz (1989), München (1992), Berlin (1993) und Wien (1994). Das
Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst lehnte sie im
ersten Anlauf im Jahr 1988 ab: Erst Jahre später nahm sie unter
Bundespräsident Thomas Klestil die Ehrung entgegen. Weiters ist
Schütte-Lihotzky auch Trägerin des Ehrenrings der Stadt Wien (1996),
vier Jahre zuvor wurde sie noch mit der Wiener Ehrenmedaille in Gold
gewürdigt (1992), die Silberne Ehrenmedaille erhielt sie übrigens
bereits 1923. Im Jahr 1999 entstand die Dokumentation über Margarete
Schütte-Lihotzky "Erinnerungen aus dem Widerstand" von Uwe Bolius und
Robert Angst. Vor drei Jahren erinnerten Absolventen der Universität
für angewandte Kunst in Wien mit der Schau "Ich bin keine Küche!" an
Schütte-Lihotzky.
rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/
(Schluss) hch
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