Zwischen Frankfurter Küche und Widerstand: 10. Todestag von Schütte-Lihotzky

Wien (OTS) - Als 19jährige dachte sie selbst nicht, dass eine Architektin je einen Auftrag zum Bau eines Hauses erhalten würde, als gesellschaftlich spät hoch geachtete Architektin lehnte sie 1988 das Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst der Republik aus den Händen des damaligen Bundespräsidenten Kurt Waldheim ab: Kommenden Montag jährt sich der 10. Todestag von Margarethe Schütte-Lihotzky, Planerin der berühmten "Frankfurter Küche" (1926) und bekennende Kommunistin im Widerstand gegen das NS-Regime. Wenige Tage vor ihrem 103. Geburtstag verstarb Schütte-Lihotzky am 18. Jänner 2000 in Wien. In Wien hat Schütte-Lihotzky laut Auskunft des Architekturzentrum Wien (AzW) vor allem einige Siedlungen der Friedensstadt am Lainzer Tiergarten (1921) und Wohnhausanlagen der Stadt Wien ("Otto Haas-Hof" und "Wilnarsky-Hof" in der Brigittenau, 1924-1926), das Denkmal der Widerstandskämpfer am Zentralfriedhof (1948), das Globus-Verlagshaus am Hochstädtplatz (1953-1956) und einen Kindergarten in der Rinnböckstrasse (1961-1963) gebaut. Seit September 2001 erinnert auch ein nach ihr benannter Park in Margareten, wo Margarete Lihotzky 1897 zur Welt kam.****

Zwischen 1915 und 1919 studierte sie als erste und einzige Frau an der damals europaweit bekannten K.k. Kunstgewerbeschule in Wien Architektur. Nach Ende des Studiums engagierte sie sich in der Siedlerbewegung und arbeitete eng mit Adolf Loos zusammen, mit dem sie eine enge, bis zu dessen Tod im Jahr 1933 andauernde Freundschaft verband. 1927 heiratete Lihotzky den Architekten Wilhelm Schütte (1900-1968). Ein Jahr davor wechselte sie vom Wiener Baubüro des Verbandes des Siedler- und Kleingartenwesens zur Kommune Frankfurt, wo sie Architektur für soziale Bedürfnisse entwickelte. Kindergärten, Wäschereien, aber auch jene berühmte, nur 6,5 Quadratmeter große "Frankfurter Küche" - gemäß dem damals neuen Taylor-Prinzip entwarf Schütte-Lihotzky "mit der Stoppuhr in der Hand" eine durch und durch rationell an den Bedürfnissen der Hausfrauen orientierte Küche für den sozialen Frankfurter Wohnbau - , mit der ihr Name für immer verbunden blieb. "Wenn ich gewusst hätte, dass alle immer nur davon reden, hätte ich diese verdammte Küche nie gebaut!", ist ein häufig zitierter Satz Schütte-Lihotzkys.

Politisch stand Schütte-Lihotzky dem Kommunismus nahe.1930 verließ sie Frankfurt in Richtung damaliger Sowjetunion, Reisen und Arbeiten führten sie nach Japan und China (1934). Zwischen 1938 und 1940 lebte sie in Istanbul, von wo sie nach Wien zurückkehrte, um sich dem kommunistischen Widerstand anzuschließen. Zwei Jahre später wurde sie von der Gestapo inhaftiert, das Kriegsende erlebte sie im Zuchthaus Aichach in Bayern. Nach zweijähriger Tätigkeit in der Stadtbaudirektion von Sofia (Bulgarien) kehrte sie 1948 dauerhaft nach Wien zurück. Viele ihrer Arbeitsaufträge führten sie aber weiterhin nach Bulgarien, Kuba und die DDR.

1980, mit 83 Jahren, erhielt sie von der Stadt Wien den Preis für Architektur, 1985 folgte die Prechtl-Medaille der Technischen Universität Wien, wie auch mehrere Ehrendoktorwürden, etwa jene der TU Graz (1989), München (1992), Berlin (1993) und Wien (1994). Das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst lehnte sie im ersten Anlauf im Jahr 1988 ab: Erst Jahre später nahm sie unter Bundespräsident Thomas Klestil die Ehrung entgegen. Weiters ist Schütte-Lihotzky auch Trägerin des Ehrenrings der Stadt Wien (1996), vier Jahre zuvor wurde sie noch mit der Wiener Ehrenmedaille in Gold gewürdigt (1992), die Silberne Ehrenmedaille erhielt sie übrigens bereits 1923. Im Jahr 1999 entstand die Dokumentation über Margarete Schütte-Lihotzky "Erinnerungen aus dem Widerstand" von Uwe Bolius und Robert Angst. Vor drei Jahren erinnerten Absolventen der Universität für angewandte Kunst in Wien mit der Schau "Ich bin keine Küche!" an Schütte-Lihotzky.

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