• 14.01.2010, 14:54:42
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Österreichische Agrarexporte 2009 mengenmäßig auf Rekordhöhe

Exportwert um 10% gesunken - Heimisches Rindfleisch gewinnt auf allen Linien

Berlin (OTS/aiz) - Die Wirtschaftskrise schlägt sich auch in den
Exportzahlen für österreichische Agrarprodukte nieder, wie die
Analyse der Agrarmarkt Austria Marketing zeigt. Zwar hat Österreich
im Vorjahr bisher nie dagewesene Mengen an agrarischen Produkten
exportiert, wertmäßig sei aber erstmals seit dem EU-Beitritt 1995 ein
Rückgang von mehr als 10% bei fast allen Warengruppen zu verzeichnen,
teilte Geschäftsführer Stephan Mikinovic heute bei einer Präsentation
anlässlich der Grünen Woche in Berlin mit. Auch der schlechte
Milchpreis habe sich auf diese Bilanz deutlich ausgewirkt. Dennoch
seien "die Weichen für die Zukunft gut gestellt", gab sich Mikinovic
optimistisch, denn "die Konsumenten in der ganzen Welt haben uns die
Treue gehalten und schätzen Qualität aus Österreich mehr als je
zuvor". Damit sei es gelungen, die Verbraucher auch für die Zeit nach
der Krise "bei der Stange zu halten".

Vor allem Rindfleisch ist 2009 zum Paradeexportartikel geworden,
mit einer Wertsteigerung um 6%, einem Plus von 7,2% in der Menge und
der erstmalig deutlichen Überschreitung der 100.000-Tonnen-Grenze.
Damit hat Österreich seinen weltweiten Rindfleischexport seit dem
EU-Beitritt mehr als verdoppelt. Für den AMA-Geschäftsführer ist dies
ein Beispiel dafür, wie es gelingen kann, "mit Kompetenz und hohem
Know-how zu punkten". Deutschland hat im Vorjahr seine Bedeutung als
wichtigster Agrarhandelspartner Österreichs weiter ausgebaut. Die USA
konnten im Länderranking - hinter Deutschland und Italien - wieder
auf Platz drei vorrücken. Unter den neuen EU-Staaten war Slowenien
wieder bedeutendster Außenhandelspartner, wie eine Hochrechnung der
Statistik Austria für 2009 ergab.

Erstmals seit EU-Beitritt Wertrückgang

Im Vorjahr exportierte Österreich weltweit Waren im Wert von EUR
7,13 Mrd. Das sind um 10,4% weniger als 2008, womit die heimischen
Agrarausfuhren erstmals seit dem EU-Beitritt einen Wertrückgang
verzeichneten. Die Exportmenge konnte hingegen um 7,5% auf rund 7,96
Mio. t gesteigert und damit der Höchststand aller Zeiten erreicht
werden. Die Importe nach Österreich sind im selben Zeitraum
mengenmäßig von rund 7,3 Mio. auf knapp 7 Mio. t gesunken. Auch ihr
Wert ist um 7,6% zurückgegangen, von EUR 8,53 Mrd. auf EUR 7,89 Mrd.

USA kehren auf Platz drei zurück

Unter den neun wichtigsten Agrarhandelspartnern Österreichs sind
zum Teil heftige Rückgänge im Wert ersichtlich. Lediglich die USA
bilden mit einem Plus von 22% eine deutliche Ausnahme, was sie im
Länderranking wieder vom fünften auf den dritten Platz zurückbringt.
Grund dafür sind Veränderungen im Getränkesektor. Im Hinblick auf die
Menge sticht besonders die Slowakei mit einer fast Verdreifachung
hervor. Der Grund dafür: Die Slowaken haben die österreichischen
Zuckerrüben für sich entdeckt. Wertmäßig schlägt sich dieser ernorme
Mengenzuwachs aber kaum nieder.

Deutschland baut Bedeutung als wichtigster Partner weiter aus

Unsere deutschen Nachbarn haben 2009 wertmäßig weniger
Lebensmittel (-7,8%) aus Österreich bezogen als im Jahr davor, die
Menge ist jedoch auf mehr als 2,5 Mio. t (+5,6%) gestiegen. Das ist
eine Vervierfachung seit 1995. "Damit hat Deutschland seine Position
als wichtigster Agrarhandelspartner Österreichs im Verhältnis zu den
anderen Ländern weiter ausgebaut, gingen doch 33,6% des gesamten
heimischen Lebensmittelexports in unser Nachbarland, gefolgt von
Italien mit 15,1%. Umgerechnet hat damit jeder deutsche Bürger 32 kg
österreichische Lebensmittel gegessen", so Mikinovic. Die größten in
die BRD ausgeführten Warengruppen sind wertmäßig Getränke (18%),
Milch und Milchprodukte (16%), Backwaren (11%) sowie Fleisch und
Fleischprodukte (8%).

Die Importe aus Deutschland nach Österreich haben 2009 kleinere
Umfänge verbucht. Der Einfuhrwert sank um 5,5% von EUR 3,34 Mrd. auf
EUR 3,16 Mrd., die Menge von 2,34 Mio. auf 2,21 Mio. t.

Sensationelle Rindfleischentwicklung, Obst holt wieder auf

Von den deutschen Konsumenten wird die hohe Qualität des
österreichischen Rindfleisches über alle Maßen geschätzt, was mit ein
Grund dafür ist, dass dieser Sektor im Vorjahr trotz der Krise eine
sensationelle Entwicklung durchgemacht hat - mit einem Wert- und
Mengenzuwachs von 21% beziehungsweise 28,6%. Damit hat sich der
Rindfleischexport in dieses Land seit 2002 verzehnfacht. Aber auch
Geflügel (+36%) hat sich sehr gut behauptet, ebenso wie
Fleischzubereitungen mit einem Wertanstieg von 1,9% und einem
deutlich erhöhten Kilopreis (von EUR 3,95 im Jahr 2008 auf EUR 4,28
im Jahr 2009).

Eine Erholung nach dem spürbaren Rückgang 2008 wurde auch im
Obstsektor sichtbar. Dieser legte sowohl im Wert (+10%) als auch in
der Menge (+25%) zu. Heimisches Gemüse hingegen war weniger gefragt
(-17%).

Dramatisch gegenläufige Wert-Mengenentwicklung im Milchsektor

Einer überaus zufriedenstellenden Mengenentwicklung im Segment
Milchprodukte - Zuwächse auf höchstem Niveau sind sowohl im gesamten
Milchbereich (+10%) als auch bei Käse alleine (+2%) zu verzeichnen -
stand 2009 aufgrund des bekannt schlechten Milchpreises eine nahezu
dramatische Wertentwicklung gegenüber. Die Menge der exportierten
Milch und Milchprodukte betrug 580.000 t, während der Wert um rund
10% eingebrochen ist. "Dies ist ein deutliches Zeichen, dass die
Akzeptanz dieser österreichischen Palette bei den deutschen
Konsumenten gestiegen ist. Bei der Käsetheke ist Österreich im
deutschen Handel nach Holland, Frankreich und Dänemark Nummer 4, noch
vor Italien", informierte Mikinovic. Somit habe Österreich mit seinem
wichtigsten Agrarhandelspartner eine knapp ausgeglichene
Handelsbilanz.

Positive Handelsbilanz: bei Menge +50%, Wert -7,5%

Noch etwas drastischer stellte sich die Mengen-Preisentwicklung im
Export in die zwölf neuen EU-Länder dar. Zwar wurden 2009 um fast 50%
mehr Agrarprodukte in diese Staaten exportiert, der Erlös dafür sank
allerdings um 7,5%. Die Ausfuhren in die EU-12 betrugen EUR 1,3 Mrd.,
die Importe von dort rund EUR 1 Mrd. Bei sehr unterschiedlicher
Entwicklung in den einzelnen Segmenten geht Gemüse als einer der
Gewinner unter allen Produktgruppen hervor. Obwohl der Kilopreis
etwas zurückgegangen ist, haben sich sowohl Wert (20,7%) als auch
Menge (36,6%) sehr erfreulich entwickelt. Auch das Segment Fleisch
hat sich gut behaupten können und ist mit +4% in der Menge und
lediglich -0,6% im Wert recht stabil geblieben. Immerhin macht diese
Produktgruppe EUR 258 Mio. aus. Käse, der gerade in diesen Ländern in
den vergangenen Jahren hohe zweistellige Zuwachsraten erreicht hat,
ist 2009 im Wert (-12%) und in der Menge (-9%) auf das Niveau von
2007 zurückgefallen. Außerdem verstärkt sich wieder der Warenfluss
aus Polen und Tschechien nach Österreich mit Milchprodukten,
vorzugsweise Functional Food.

Slowenien ist wichtigster Partner unter den neuen EU-Staaten

Slowenien hat 2009 Waren im Wert von rund EUR 290 Mio. aus
Österreich bezogen, vorzugsweise Fleisch, Fleischzubereitungen und
Milchprodukte. Zwar lag der Exportwert damit 5% unter dem von 2008,
das Land wird damit aber wieder zum wichtigsten Agrarhandelspartner
Österreichs im Osten. Ungarn rutscht mit einem Warenwert von EUR 285
Mio. auf den zweiten Platz, obwohl dorthin um 12% mehr Fleisch und
13% mehr zubereitetes Fleisch abgesetzt wurden. Bei Milch hingegen
kam es zu einem Einbruch von 35%. Tschechien auf Rang 3 bezog um 51%
mehr Obst, aber um 28% weniger österreichischen Käse, während davon
um 19% mehr in die Slowakei geliefert wurde. Polen wiederum orderte
im Segment Fleischzubereitung auf sehr niedrigem Niveau um 69% mehr
als 2008, obwohl ansonsten die Warenflüsse eher eingefroren sind.
Rumänien ist mit heimischem Fleisch im Wert von EUR 61 Mio. zum
drittgrößten Abnehmer Österreichs aufgestiegen.

Erlössteigerung für die Produzenten dringend notwendig

"Die Mengensteigerung als Zeichen der Kundentreue ist für die
österreichischen Bauern zwar erfreulich, doch das Preisniveau bewegt
sich auf eine Ebene zu, die für die Produzenten dramatisch ist",
merkte Franz Stefan Hautzinger, Verwaltungsratsvorsitzender der AMA
und bäuerlicher Interessenvertreter des Burgenlandes, abschließend
an. Irgendwann werde die "Schmerzgrenze" erreicht, wo es den
Landwirten nicht mehr möglich sein werde, mit ihren Produkten Erlöse
zu lukrieren. (Schluss) wol

Rückfragehinweis:
aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst,
Tel.: 01/533 18 43 , Fax: 01/535 04 38,
Web: aiz.info, mailto: [email protected]

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