• 13.01.2010, 17:53:04
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"DER STANDARD"-Kommentar: "Klimaschutz in der Sackgasse" von Johanna Ruzicka

Die magere Treibhausgasbilanz 2008 demonstriert Österreichs Vogel-Strauß-Politik - Ausgabe vom 14.1.2010

Wien (OTS) - Was Wunder. Die schon immer wenig ambitionierte
Klimapolitik Österreichs hat nun in eine Treibhausgasbilanz für das
Jahr 2008 gemündet, die weit von den Zielen entfernt ist, zu denen
sich Österreich im Rahmen von internationalen und EU-Vorgaben
verpflichtet hat. Gegenüber dem Vorjahr wurden kaum Einsparungen
erzielt, gegenüber dem Stichjahr 1990 gar keine.
Nimmt man die ganze Erderwärmungdebatte ernst, wäre dies genug Stoff
für eine grundlegende Diskussion. Wetten, dass es dazu nicht kommen
wird. Auch nicht zu einer Klimadebatte, bei der eine "grüne",
ressourcenschonendere Wirtschaft von Politikern aller Couleur gerne
als Chance für viele neue Jobs bezeichnet wird.
Von der vielfach beschworenen Win-win-Situation, die neue
Technologien brächte und die Abhängigkeiten von fossilen,
CO2-emittierenden Energien abbaute - davon sind wir weiter entfernt
denn je. Daran ist die UN-Klimakonferenz von Kopenhagen schuld, die
mit ihrem Minimalergebnis zu einer internationalen Lähmung in
Klimaschutzfragen geführt hat und zu einer Ratlosigkeit, wie das
Problem der Erderwärmung international bewältigbar ist.
Nikolaus Berlakovich (VP) trommelt als Umweltminister in dieser
Situation trotzdem die Parole, dass ein Zurückschrauben von
Klimaschutz-Aktivitäten nach Kopenhagen der "völlig falsche Weg" für
Österreich wäre. (Zyniker fragen da: Welche Aktivitäten?) - Aber
natürlich hat er die Versäumnisse der letzten Jahre, ja, Jahrzehnte,
auszubaden, die im Nichtstun seiner Vorgänger, allesamt
Parteifreunde, resultieren.
Seit 1990 (!) ist klar, dass es Handlungsbedarf gibt, damit die
Treibhausgase in den Jahren 2008 bis 2012 das vorgegebene
Kioto-Niveau von 68,8 Millionen Tonnen pro Jahr erreichen können.
Faktum ist, dass wir in diesem ersten Kioto-Jahr 2008 um fast 20
Millionen Tonnen über Plan sind. Nur durch kräftige Finanzierung von
Klimaschutz-Maßnahmen in Entwicklungsländern können wir dieses Loch
etwas stopfen. Eine Lücke von 6,9 Millionen Tonnen bleibt trotzdem.
Für diese wird Österreich Vorkehrungen treffen müssen, wahrscheinlich
über weitere Zertifikatszukäufe, was einer Strafzahlung gleichkommt.
Es ist das Versäumnis der österreichischen Umwelt- und
Klimaschutzpolitik, dass sie die nötigen langfristigen
Weichenstellungen für ein CO2-ärmeres Leben und Wirtschaften nicht
gestellt hat oder viel zu spät in die Wege geleitet hat.
Beispiel thermische Sanierung: In diesem Bereich liegt ein riesiges
Einsparpotenzial, da die in den 1960er- und 1970er-Jahren erbauten,
häufig städtischen Mehrfamilienhäuser stark renovierungsbedürftig
sind. Eine erste, nicht ausreichende Sanierungsoffensive wurde erst
im Vorjahr gestartet; die daraus resultierenden
Treibhausgaseinsparungen werden aber erst ein, zwei Jahre später
wirksam.
Anstatt sich auf die Wirtschaftskrise zu verlassen und darauf, dass
mit einer geringeren Industrieproduktion automatisch auch die
Treibhausgas-Emissionen zurückgehen - eine solche Situation dürften
die noch nicht veröffentlichten Zahlen für 2009 widerspiegeln -,
sollte diese Regierung endlich das Heft in die Hand nehmen. Eine
wirklich breit angelegte Sanierungsoffensive würde auch zu
Entlastungen auf dem Arbeitsmarkt führen.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449

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