Cercospora: Eine Blattkrankheit bedroht Rübenproduktion in Österreich

Die Rübenbauern starten Cercospora-Offensive - Karpfinger: Tragweite reicht weit über Ertragsausfälle hinaus

Altlengbach/Wien (OTS/aiz) - Die weltweit am meisten verbreitete Blattkrankheit von Zuckerrüben, Cercospora beticola, bedroht die Rübenproduktion in Österreich. Das massive Auftreten dieser Pilzinfektion hinterließ im österreichischen Zuckerrübenanbau 2009 durch Ertragsminderung und Mehraufwand zur Bekämpfung einen wirtschaftlichen Schaden von mehr als EUR 5 Mio. Der Berufsverband "Die Rübenbauern" startet nun rechtzeitig vor dem Frühjahrsanbau 2010 eine breitflächige Informations- und Beratungskampagne für seine rund 8.000 Mitglieder. "Das Ziel dieser Offensive ist es, unseren Mitgliedern das nötige Rüstzeug in die Hand zu geben, das Infektionsrisiko der auch als Blattfleckenkrankheit bekannten Infektion durch geeignete Vorbeugungsmaßnahmen zu verringern und die Beobachtung der Bestände so zu verschärfen, dass sie bei einem Befall rechtzeitig und gezielt ökologisch vertretbare und wirtschaftlich tragbare Bekämpfungsmaßnahmen ergreifen können", so Rübenbauern-Präsident Ernst Karpfinger.

Die Cercospora-Offensive der Rübenbauern startet am 08.01.2010 mit einer Fachtagung für die wichtigsten Multiplikatoren in der Rübenbauern-Organisation in Altlengbach/Niederösterreich. Fachleute aus Wissenschaft, Bildung, der Agentur für Ernährungssicherheit AGES sowie der Beratungsdienste der Zuckerwirtschaft und des Pflanzenschutzes werden dort gemeinsam mit den Rübenbauern-Funktionären das Thema aufarbeiten und einen Maßnahmenkatalog mit entsprechenden Empfehlungen für die Landwirte aufstellen. Im Anschluss geben "Die Rübenbauern" in Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftskammern auf den zahlreichen Winterversammlungen der Kammern das Wissen an die Landwirte weiter. Die Rübenbauern werden ihre Mitglieder auch in diversen Publikationen informieren. Karpfinger: "Unsere Cercospora-Offensive fußt auf einem Dreistufenplan: Infektionsrisiko vorbeugend minimieren, Bestände genau kontrollieren und im Infektionsfall gezielt bekämpfen."

Karpfinger-Appell an Rübenbauern: Informationsangebot nutzen und Empfehlungen befolgen

"Ich rufe alle Rübenbauern in ihrem eigenen Interesse und in ihrer Verantwortlichkeit für ihre Gemeinschaft auf, dieses Informationsangebot anzunehmen und die Empfehlungen unserer Experten zu befolgen", appelliert Karpfinger an seine Berufskollegen. Gleichzeitig ersucht er die Medien um Unterstützung für die Cercospora-Informationskampagne, indem sie diese wichtige Botschaft mit an die Rübenbauern herantragen. Die Cercospora-Epidemie habe nämlich eine weitaus größere Tragweite als nur den betriebswirtschaftlichen Schaden für die betroffenen Landwirte. "Eine flächenhafte Cercospora-Epidemie hat sowohl ökologische als auch volkswirtschaftliche Folgen. Ein Rückgang des Rübenbaus wegen epidemischer Verbreitung von Cercospora würde eine Verarmung der Fruchtfolge im Ackerbau und einen ökologisch unerwünschten Rückgang des Hackfruchtbaus auf Kosten einer engeren Getreidefruchtfolge nach sich ziehen."

"Der Zuckerrübenanbau in Österreich ist durch die neu gestalteten EU-Rahmenbedingungen massiv unter wirtschaftlichen Druck geraten. Das darf aber nicht dazu führen, dass bei der Kulturführung am falschen Platz gespart wird und Krankheiten nicht bekämpft werden. Um den bestmöglichen Erlös auch unter den schwierigen Bedingungen zu erzielen, müssen wir weiterhin unsere Rübenkulturen mit höchster Sorgfalt führen", erklärt Karpfinger.

Cercospora: Infektion, Risikoquellen, Schadbild und Schadensverlauf

Cercospora beticola ist der bedeutendste Erreger von Blattflecken in Zuckerrüben. Der Pilz reduziert durch eine Verringerung der photosynthetisch aktiven Blattfläche die Assimilation der Pflanze und Zuckereinlagerung, woraus letztlich Verluste an Ertrag und Qualität resultieren. Die Übertragung der Krankheit erfolgt im Frühstadium entweder durch Sporen, die von Rübenfeldern des Vorjahres oder von Geräten in den Bestand eingebracht werden, oder im späteren Vegetationsverlauf von Rübenbestand zu Rübenbestand. An diesen Tatsachen setzt eine Reihe von Maßnahmen zur vorsorglichen Eindämmung der weiteren Verbreitung der Blattkrankheit beziehungsweise zu deren Bekämpfung an.

Feucht-heißes Wetter begünstigt die Infektion. Der Krankheitsbefall wird nach dem sogenannten Blattschluss evident, wenn im Sommer die Blätter der Rübenpflanzen so weit gewachsen sind, dass sie in benachbarten Reihen einander überlappen. Dabei ist für das Monitoring von Vorteil, dass der langsam verlaufende Epidemiebeginn es erlaubt, mit einer wöchentlichen Bestandskontrolle den idealen Bekämpfungstermin zu bestimmen.

Das Schadbild der Cercospora-Infektion äußert sich in zwei bis drei Millimeter großen, runden Flecken mit rot-braunem Rand auf den Zuckerrübenblättern, die bei stärkerem Befall zusammenfließen. Schon im Spätsommer und Frühherbst bieten die befallenen Rübenbestände einen Eindruck von herbstlichem Braunton. Treten 5 bis 60% Blattflächenverlust ein, kann man zur Ernte von einem Ertragsverlust in der halben Höhe dieses Prozentsatzes ausgehen.
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