Stadt- und Landesarchiv: Napoleons Geburtstagsfeier in Wien 1809

Wien (OTS) - Mit sechzig Kanonenschüssen wurde am 15. August 1809 in Wien der 40. Geburtstag des französischen Kaisers gefeiert. General Bubna, der vor der Einnahme Wiens durch die Franzosen nach Ungarn geflüchtet war, überbrachte aus Ungarn die Glückwünsche von Kaiser Franz I. Gegen 16.00 Uhr fand in dem mit Gobelins geschmückten Stephansdom eine feierliche Messe statt, an der Napoleon allerdings nicht teilnahm. Um 17.00 Uhr lud Gouverneur Andréossy zum Bankett für zweihundert Personen in die Hofburg. Hierzu waren nicht nur die französischen Marschälle und Generäle, sondern auch die österreichischen Friedensunterhändler, österreichische Adelige und die Honoratioren der Stadt geladen. Kanonenschüsse, Feuerwerke, Festbeleuchtungen und Konzerte umrahmten das Ereignis. "Nimmermehr hätte man geglaubt, dass die Stadt, die gestern vor Freuden-Lichtern glänzte, und vor Fröhlichkeit tönte, vor 3 Monaten von Belagerungs-Feuern brannte, und vor Angsttönen widerhallte", berichtete die "Wiener Zeitung" am 16. August. Adolf Bäuerle, der spätere Herausgeber der 'Theaterzeitung', schilderte seine Eindrücke:
"Bei der allgemeinen anbefohlenen Beleuchtung zeigte sich der Witz der Wiener wieder schlagend. Viele Transparente mußten von der Polizei weggenommen werden. Die Satire war hie und da doch zu arg. Ein Transparent auf dem Salzgries, am Gasthof 'Zum Wolfen in der Au' lautete: 'Daß wir gern Dir Fackeln reichten, dürften wir Dir heim noch leuchten.' Eines in der Singerstraße an einem Barbierladen: 'Daß du geboren, freut die Franzosen sehr, doch wenn du stirbst, die Deutschen mehr.' Ein drittes bei einem Schuster in der Filzgasse:
'Vive l'empereur, weils sein muß.' [...] Von diesen Transparenten wurde nur das zweite für straffällig befunden, das übrige vertuschte die Polizei."

Der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig blieben derartige Scherze den französischen Besatzern verborgen. Der Leibapotheker des Kaisers, Charles Louis Cadet de Gassicourt, übrigens ein illegitimer Sohn Ludwigs XV., stellte nur fest: "Die ganze Stadt ist aus Anlaß des Geburtstages Napoleons illuminiert. Niemand hat vergessen, seine Wohnung mit Kerzen zu schmücken und ich habe niemals eine ähnliche Illumination gesehen. Da fast jedes der Häuser Doppelfenster besitzt, hatte man in dem Zwischenraum symmetrisch Kerzen oder Öllämpchen aufgestellt, was wirklich ein reizender Anblick war. Fröhlich gingen die Österreicher mit den Franzosen in den Straßen spazieren und schienen sich, ebenso wie wir, über das schöne Schauspiel zu freuen. - Es lebe die Furcht, welche die Leute zur Freude zwingt."

Ausstellung zu Wien 1809

Vom 4. September 2009 bis 29. Jänner 2010 ist im Wiener Stadt-und Landesarchiv die Ausstellung "Wien 1809" zu besichtigen. Die Ausstellung behandelt die Beziehungen zwischen Wien und den Franzosen zur Zeit der Napoleonischen Kriege.

o Information zur Ausstellung, Anfahrtsweg und Öffnungszeiten: www.wien.gv.at/kultur/archiv/veranstaltungen/wien1809.html

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