• 22.12.2009, 18:13:04
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DER STANDARD - Kommentar: "Scheinheilig" von Nina Weißensteiner

Wien (OTS) - "Das sind doch nur Menschen, die hier kommen!" Diese
sanften Worte entstammen keineswegs einem Krippenspiel modernen
Zuschnitts, in dem die heilige Maria an das Volk eines Landes
appelliert, doch etwas mehr Barmherzigkeit angesichts der Aufnahme
von Flüchtlingen walten zu lassen.
Hier spricht Innenministerin Maria Fekter. Ihr vorweihnachtlicher Ton
soll potenzielle Anrainer und Kommunalpolitiker im Burgenland
beschwichtigen, die wegen des neuen Asylzentrums lautstark nach
Bürgerbefragungen rufen. Auch der schwarze Vizekanzler wirbt, "jetzt,
wo es um die Herbergssuche für 300 unschuldige, politisch oder
religiös Verfolgte geht", um mehr Verständnis für ein
Flüchtlingsauffanglager. Im gleichen Atemzug beschwert sich Josef
Pröll, dass jene Stimmen, die sich einst für den Verbleib von Arigona
Zogaj starkgemacht haben, in diesen Tagen stumm bleiben.
Ausgerechnet jene Ministerin, die sich damals von "Rehlein-Augen
unbeeindruckt" gab, greift nun zum Argument der Menschlichkeit.
Ausgerechnet jener Obmann, dessen Partei seit Jahr und Tag darauf
pocht, dass es unter Asylwerbern nicht nur anständige Leut, sondern
auch jede Menge kriminelle Elemente gibt, glaubt jetzt, dass sich
eine Tausend-Seelen-Gemeinde bei 300 zu erwartenden Antragstellern
nicht fürchtet? Mit Verlaub, aber solche Appelle an das christliche
Gewissen sind leicht zu durchschauen: Fekters und Prölls Sprüche sind
nicht fromm, sondern scheinheilig.

Rückfragehinweis:
DER STANDARD
Rückfragehinweis: 0043-1-53170-445

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449

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