DER STANDARD - Kommentar: "Scheinheilig" von Nina Weißensteiner

Wien (OTS) - "Das sind doch nur Menschen, die hier kommen!" Diese sanften Worte entstammen keineswegs einem Krippenspiel modernen Zuschnitts, in dem die heilige Maria an das Volk eines Landes appelliert, doch etwas mehr Barmherzigkeit angesichts der Aufnahme von Flüchtlingen walten zu lassen.
Hier spricht Innenministerin Maria Fekter. Ihr vorweihnachtlicher Ton soll potenzielle Anrainer und Kommunalpolitiker im Burgenland beschwichtigen, die wegen des neuen Asylzentrums lautstark nach Bürgerbefragungen rufen. Auch der schwarze Vizekanzler wirbt, "jetzt, wo es um die Herbergssuche für 300 unschuldige, politisch oder religiös Verfolgte geht", um mehr Verständnis für ein Flüchtlingsauffanglager. Im gleichen Atemzug beschwert sich Josef Pröll, dass jene Stimmen, die sich einst für den Verbleib von Arigona Zogaj starkgemacht haben, in diesen Tagen stumm bleiben. Ausgerechnet jene Ministerin, die sich damals von "Rehlein-Augen unbeeindruckt" gab, greift nun zum Argument der Menschlichkeit. Ausgerechnet jener Obmann, dessen Partei seit Jahr und Tag darauf pocht, dass es unter Asylwerbern nicht nur anständige Leut, sondern auch jede Menge kriminelle Elemente gibt, glaubt jetzt, dass sich eine Tausend-Seelen-Gemeinde bei 300 zu erwartenden Antragstellern nicht fürchtet? Mit Verlaub, aber solche Appelle an das christliche Gewissen sind leicht zu durchschauen: Fekters und Prölls Sprüche sind nicht fromm, sondern scheinheilig.

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