- 17.12.2009, 10:40:14
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Jugendskihelme und -brillen im "Konsument"-Test: Schlechterer Schutz als für Erwachsene
Die größten Kritikpunkte: Reißfestigkeit der Riemen, Durchdringungsfestigkeit, UV-Schutz und Schadstoffe
Wien (OTS/VKI) - Die Skihelmpflicht für Kinder und Jugendliche bis
zum vollendeten 15. Lebensjahr ist in den meisten Bundesländern
beschlossene Sache. Doch was hilft eine Helmpflicht, wenn der Helm
letztlich nicht schützt? Der Verein für Konsumenteninformation (VKI)
hat zwölf Skihelme und darüber hinaus 16 Skibrillen für Jugendliche
auf ihre Qualität hin getestet - und sieht Anlass zu Kritik.
"Unser Vergleich zeigt, dass Skihelme und -brillen für Jugendliche
leider schlechter abschneiden als jene für Erwachsene. Man sollte
sich vor Augen halten, dass diese kein Kinderspielzeug oder nur ein
Lifestyleprodukt sind, sondern vorrangig zum Schutz dienen",
kritisiert Ing. Franz Floss, VKI-Geschäftsführer und Leiter des
Bereichs Untersuchung. "Die Körperproportionen und die schwächere
Muskulatur machen Kinder und Jugendliche bei Unfällen meist zu
Verlierern. Die Augen wiederum sind für UV-Strahlung besonders
anfällig. Umso besser sollte der Schutz sein - was im Moment
offensichtlich nicht der Fall ist."
Die größten Kritikpunkte im Überblick: Die viel zu hohe
Reißfestigkeit der Riemen bei den Helmen birgt hohe Verletzungsgefahr
im Bereich von Hals und Kehlkopf. Fünf von zwölf Skihelmen gingen
beim Durchdringungstest zu Bruch. Der UV-Schutz der Jugendskibrillen
liegt teils unter dem Industriestandard. Dazu kommen teilweise
inakzeptabel hohe Schadstoffwerte: Bei zwei Skihelmen im Innenfutter
und insbesondere bei den Skibrillen im Schaumstoff.
Jugend- und Erwachsenenmodelle im Vergleich
Zwölf Jugendskihelme im Preisbereich von 60 bis 80 Euro wurden
einer technischen, praktischen und einer Schadstoffprüfung
unterzogen. Im Einzelnen waren unter anderem die Stoßdämpfung und
Durchdringungsfestigkeit, die Festigkeit der Riemen, die Anpassung
des Helms, das Gewicht und die Geräuschwahrnehmung Bestandteil des
Tests. Das Ergebnis: 2 gut, 9 durchschnittlich und 1 weniger
zufriedenstellend. Testsieger ist der Giro Slingshot um 70 Euro. Die
Ausgangsbasis für den Vergleich ist der Test zu 15
Erwachsenenskihelmen aus "Konsument" 12/2009 mit folgendem Ergebnis:
6 gut, 9 durchschnittlich.
Bei den Skibrillen wurden 16 Schlechtwettermodelle für Jugendliche
(Kategorie 1 bis 2) getestet: 4 gut, 8 durchschnittlich, 3 weniger
zufriedenstellend, 1 nicht zufriedenstellend. Testsieger ist Smith
Scope Graphic um 75 Euro. Generell fielen die Ergebnisse des Tests zu
17 Schönwetter-Skibrillen für Erwachsene ("Konsument" 1/2009) etwas
besser aus: 10 gut, 4 durchschnittlich, 2 weniger zufriedenstellend,
1 nicht zufriedenstellend.
Bei der praktischen Prüfung bewerteten Schüler der Skihauptschule
Lilienfeld als geübte Skifahrer die Bedien- und Handhabungsfunktionen
der Skihelme und -brillen.
Zu reißfester Riemen
Die Reißfestigkeit der Riemen bei den Helmen für Jugendliche ist
um ein Vielfaches zu hoch, was in einer Notsituation zu Verletzungen
an Hals und Kehlkopf führen kann. Nur ein Skihelm kann hier punkten:
der Casco Snow Shield. Zumindest durchschnittliche Werte bei der
Reißfestigkeit der Riemen erreichen drei Helme, darunter auch der
Testsieger Giro Slingshot. Dagegen gaben beim SH+ Flash die Riemen
erst bei einer Belastung von 187 Kilogramm nach. Zum Vergleich: Bei
den Erwachsenenskihelmen fielen elf von 15 Helmen durch. Der
Höchstwert lag bei 185 Kilogramm. "In der Regel sollten die Riemen
aber bereits bei einer Belastung von 50 bis 100 Kilogramm reißen",
erklärt Franz Wallner, Leiter der Skihelmtests.
Mangelnde Durchdringungsfestigkeit
Bei der technischen Prüfung ging die Helmschale von fünf
Jugendskihelmen zu Bruch: Carrera Top Fun, Cratoni Chip, R.E.D. Trace
Grom, Alpina Carat und Atomic Punx+. Nahezu die Hälfte erfüllte damit
die Vorgaben der Tester nicht. Bei den Erwachsenenmodellen war das
hingegen nur bei zwei Helmen der Fall: Casco Powder und R.E.D. Avid.
Anders die Lage bei den getesteten Jugendskibrillen: Keine einzige
Brille ging zu Bruch. Dennoch kam keine bei der Prüfung der
Schlagfestigkeit über ein "durchschnittlich" hinaus. In allen Fällen
ergab sich ein - leichter - Kontakt zwischen Brilleninnenscheibe und
Auge. "Um Augenverletzungen möglichst zu vermeiden, sollte man auf
jeden Fall eine Brille mit Doppelscheibe wählen. Eine Wölbung des
Glases erhöht zudem die Festigkeit", rät Konrad Brunnhofer,
Testleiter bei den Skibrillen. Den "Sitztest" überstanden drei der
Brillen nicht.
Unnötige Schadstoffe
Der Atomic Punx+, der im Test insgesamt schlechteste Helm,
erzielte inakzeptabel hohe Schadstoffwerte beim Innenfutter - unter
anderem beim Flammschutzmittel Tris-Dichlorpropylphosphat (TDCPP),
das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Zudem wurde der
Weichmacher Diisobutylphthalat im Helm gefunden. Nicht ganz so hoch,
aber ebenso unnötig, ist der festgestellte Phthalat-Gehalt beim Scott
Shadow III Youth. Bei allen Erwachsenenhelmen wiederum lagen die
Schadstoffwerte im unbedenklichen Bereich.
Auch die Skibrillen für Jugendliche schneiden bei der
Schadstoffbelastung schlechter ab als die Modelle für Erwachsene.
Lediglich eine einzige ist frei von Schadstoffen. Bei den
Erwachsenen-Skibrillen waren es vier von 17. Der größte Giftcocktail
fand sich bei der Casco Powder Jr. Im Schaumstoff wurde ein extrem
hoher Wert des Weichmachers DEHP nachgewiesen, außerdem PVC im
Brillenrahmen. "Die Jugendmodelle enthalten paradoxerweise mehr
Schadstoffe als die Brillen für Erwachsene. Da sie direkt mit der
Haut in Kontakt kommen, sollten aber überhaupt keine schädlichen
Stoffe vorhanden sein", fordert Brunnhofer.
UV-Schutz teils nicht Standard
Bei einigen Skibrillen lässt der UV-Schutz zu wünschen übrig.
Obwohl die Firmen einen 100-prozentigen UV-Schutz bis 400 Nanometer
(nm) zusichern, wurde dieser in fünf Fällen unterschritten. "Meist
nur leicht, aber da ein vollständiger Schutz bis 400 nm heute
Industriestandard - und bei den Erwachsenenmodellen gang und gäbe -
ist, sollte so etwas der Vergangenheit angehören", gibt sich Konrad
Brunnhofer verärgert. Eindeutig zu hoch ist die UV-Durchlässigkeit
bei der SH+ Shadow - sie lässt 50 Prozent der Strahlung durch.
Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist das heikel. Daher sollten
sie als Schutz vor UV-Strahlen bei jedem Wetter eine - zuverlässige -
Skibrille tragen. Die Scheibenfarbe gibt jedoch keinen Aufschluss
darüber, ob eine Brille gut gegen UV-Strahlung schützt.
Tragekomfort mit Lücken
Zwar nicht mit Verletzungsgefahr verbunden, aber unangenehm bei
starkem Schneefall und tiefen Temperaturen ist, dass sich die
Belüftungsöffnungen der Jugendskihelme mit einer Ausnahme - Scott
Shadow III Youth - nicht verschließen lassen. Schieberegler und
Noppenvlies zum Verschließen der Öffnungen sind bei den Erwachsenen -
im "Konsument"-Test - dagegen die Regel.
Die Seh- und Trageeigenschaften der Skibrillen sind im Großen und
Ganzen in Ordnung. Auch bei der Passform der Helme gaben die Schüler
der Skihauptschule Lilienfeld mehrheitlich gute Noten. Weniger
überzeugen konnte aber der Casco Snow Shield, der innerhalb kürzester
Zeit unangenehme Druckstellen an den Schläfen und am Hinterkopf
hervorrief. Leichte Druckstellen verursachte auch der einzige
Vollschalenhelm (SH+ Flash) im Test, der zudem die
Geräuschwahrnehmung unangenehm trübt. Für lange Tage auf der Piste
sind, wie der Test zeigt, daher Halbschalenhelme die bessere Lösung.
Damit der Helm gut sitzt, verfügen die meisten Modelle über eine
Kopfband-Schnellverstellung. Diese ist mit Ausnahme der -
ausgerechnet - beiden "guten" Jugendskihelme auch mit Handschuhen gut
zu bedienen. "Ein Garant für gute Passform ist die
Kopfbandschnellverstellung aber nicht. Sie sollte nicht dazu
verleiten, den Helm eine Nummer größer zu kaufen und darauf zu
warten, dass das Kind hineinwächst. Was andernfalls beim Sparen
hilft, verringert hier die schützende Wirkung. Außerdem ändert sich
die Kopfgröße ohnehin nicht so schnell wie die Körpergröße", erklärt
Franz Wallner, Leiter des Skihelmtests, abschließend.
"Konsument"-Kauftipps für Skihelm und -brille:
+ Gewicht: Auf das Gewicht des Helmes achten, denn 100 Gramm mehr
oder weniger können einen wesentlichen Unterschied machen. Zu den
leichteren Modellen zählen auch die beiden "guten" Jugendskihelme im
Test.
+ Passform: Eine gute Passform ist das Wichtigste. Beim Kauf am
besten eine Umtauschmöglichkeit vereinbaren, für den Fall, dass der
Helm schlecht sitzt oder drückt. Die Skibrille sollte rund um die
Augen nicht drücken und zum Helm hin keinen Spalt für den Fahrtwind
freilassen. Beim Kauf am besten in Kombination - Skihelm und -brille
- probieren.
+ Scheibenwahl für Schlechtwetterbrillen: Um die Skibrille mit der
optimalen Tönung zu finden, sollte man sie aufsetzen und in eine
dunkle Ecke schauen. Sieht man mehr als mit dem bloßen Auge, hat sie
eine aufhellende Wirkung und kann in die engere Auswahl genommen
werden.
+ Pflege: Das Brillenglas - insbesondere auf der Innenseite - nie mit
Handschuh oder Jacke abwischen, um es nicht zu zerkratzen. Der Helm
sollte am besten in einem Stoffsack lichtgeschützt aufbewahrt und
nach drei bis fünf Jahren getauscht werden, da er durch UV-Strahlung
altert.
Rückfragehinweis:
Verein für Konsumenteninformation/Testmagazin "Konsument"
Mag. Andrea Morawetz, Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 01/588 77 - 256
mailto:[email protected]
www.konsument.at
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