- 15.12.2009, 12:29:02
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Eine zukunftsfähige Gesellschaft braucht die Ökosoziale Marktwirtschaft
Franz Fischler und Josef Riegler fordern eine rasche ökosoziale Wende als einzigen zukunftsfähigen Weg aus den Krisen.

Wien (OTS) - Vor 20 Jahren hat Josef Riegler mit der Formulierung
der Ökosozialen Marktwirtschaft einen zukunftsweisenden Weg
beschritten. Heute präsentierte das Ökosoziale Forum sein neues
weiter entwickeltes Programm mit Handlungsempfehlungen für 10 aktuell
herausfordernde Bereiche wie z. B. die Energie- und
Ressourcenpolitik, die Innovation, das Abgabensystem und die soziale
Gerechtigkeit. Prominenter Gast des Pressegespräches war der
Vordenker Ernst Ulrich von Weizsäcker.
"Wir müssen endlich damit anfangen, Verantwortung für uns und die
kommenden Generationen zu übernehmen. Das geht nicht ohne eine
ökosoziale Wende in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen. Sonst
laufen wir Gefahr, die Chancen des 21. Jahrhunderts zu verpassen",
betont Franz Fischler, Präsident des Ökosozialen Forums anlässlich
der Präsentation des weiter entwickelten Programms der Ökosozialen
Marktwirtschaft in Wien. Schon vor 20 Jahren hat Josef Riegler,
damals Vizekanzler, heute Ehrenpräsident des Ökosozialen Forums, mit
der Ökosozialen Marktwirtschaft einen zukunftsweisenden Weg
aufgezeigt. "Grundidee war, die Soziale Marktwirtschaft um die
Komponente der Umweltverantwortung zu ergänzen, um so Kostenwahrheit
herzustellen und die richtigen Signale an den Markt zu senden.
Umweltschutz sollte sich rechnen", so Josef Riegler bei dem
Pressegespräch in Wien. Vor dem Hintergrund der aktuellen
Herausforderungen insbesondere der Finanz - und Klimakrise wurde das
Programm weiterentwickelt.
Ökosoziale Marktwirtschaft heißt Lebensqualität für alle - heute und
morgen
"'Wohlstand für alle' war das Credo der Sozialen Marktwirtschaft
des Ludwig Erhard. 'Mehr Lebensqualität für alle - heute und morgen'
ist das Ziel der Ökosozialen Marktwirtschaft heute", beschreibt
Fischler den ökosozialen Weg in die Zukunft. "Dass nur ein
'Immer-noch-mehr'nicht zukunftsfähig ist, leuchtet angesichts der
aktuellen Probleme wohl jedermann ein. Die Ökosoziale Marktwirtschaft
zielt daher auf das 'Besser' - also auf mehr Lebensqualität, die
durch ein qualitatives Wachstum entsteht."
Die Marktwirtschaft könne viel, sei aber zumindest auf einem Auge
blind. "Der Markt hat den Blick zuwenig auf die Zukunft gerichtet und
überdies kein Gewissen," so Fischler weiter "Ressourcenintensives
Wachstum als einzigen Weg für künftigen Wohlstand zu sehen, sei
deshalb zu kurzsichtig", kritisiert der Präsident des Ökosozialen
Forums. "Wir müssen langfristigen Wohlstand in Österreich und
weltweit anders als bisher sichern. Das Programm der Ökosozialen
Marktwirtschaft kann wie ein Kompass die Richtung weisen. Ökosoziale
Wirtschaftspolitik ist dreifach zukunftsfähig: ökologisch, sozial und
ökonomisch im jeweiligen kulturellen Kontext. Die schwierige
Herausforderung besteht darin, das Gleichgewicht dieser Eckpfeiler zu
erreichen und zu halten", betont Franz Fischler.
Faktum ist: Wir verbrauchen weltweit zurzeit 60 Mrd. Tonnen
Ressourcen pro Jahr, das ist um 50 Prozent mehr als im Jahr 1980. Die
damit zusammenhängenden Umweltprobleme wie der Klimawandel wachsen
überproportional. Das jährliche Wirtschaftswachstum in Österreich ist
hingegen seit den 1950iger Jahren von durchschnittlich 6 % auf rund 2
% gesunken. Ein stetiges quantitatives Wirtschaftswachstum für bald
neun Mrd. Menschen weltweit wird in Hinblick auf Umwelt und
Ressourcen auf keinen Fall möglich sein. In dem neuen Programm stellt
das Ökosoziale Forum 10 Handlungsempfehlungen zur Diskussion. Die
drei dringlichsten und zugleich schwierigsten sind folgende:
Ressourcen und Energie: Weniger kann mehr sein
"Wir müssen den Ressourcen- und Energieverbrauch drastisch
reduzieren und um dieses Ziel zu erreichen, sind quantitative
Vorgaben, ähnlich den Klimazielen, und eine dritte industrielle
Revolution notwendig. Dafür müssten viele Bereiche neu ausgerichtet
werden. Dies kann nur gelingen, wenn wir massiv in Forschung &
Entwicklung und in Bildung inklusive Bewusstseinsbildung der
Bevölkerung investieren. Wer hier die Nase vorne hat, wird gewinnen,
wer zögert wird als Verlierer übrig bleiben."
Weitere Forderungen: Best-Practice-Standards für Geräte, d. h. das
beste Gerät einer Klasse hinsichtlich Effizienz sollte der Maßstab
für alle anderen sein. Umsetzung des "Total Cost of
Ownership"-Ansatzes in der öffentlichen Beschaffung, d. h. der
gesamte Lebenszyklus wird berücksichtigt und nicht ausschließlich der
Preis. Dadurch wären langlebige Produkte im Vorteil. Anreize für neue
Business-Modelle wie "reparieren" statt "neu produzieren" und für
Modelle des "Verwendens" statt des selbst "Besitzens" (Warum
Maschinen, die man nur wenige Male im Jahr braucht, kaufen statt
mieten?)
Ökosoziales Abgabensystem: mit Steuern steuern!
"Das Abgabensystem sollte gerade in Österreich künftig viel mehr
dazu genutzt werden, um in eine ökosoziale zukunftsfähige Richtung zu
steuern. Das heißt aber nicht Steuererhöhung, sondern ganz im
Gegenteil. Erfahrungen aus anderen EU-Ländern zeigen, dass ökosoziale
Steuerreformen aufkommensneutral umgesetzt werden sollen. Dann
bringen sie neue Arbeitsplätze und stärken die Wirtschaft." Das
Prinzip: Entlastung des Faktors Arbeit, im Gegenzug eine höhere
Besteuerung vor allem des Energieverbrauchs und gesundheitlich
schädlichen Konsums von Tabak- und Alkohol.
Globale Gerechtigkeit: Ein würdevolles Leben für alle
"Wir stehen vor der Herausforderung, wie wir ein würdevolles Leben
für alle Bewohner der Erde ermöglichen", sagt Ehrenpräsiden Josef
Riegler. Derzeit leben 1,4 Mrd. Menschen von weniger als einem Dollar
pro Tag, über eine Mrd. Menschen leidet an Hunger und die Schere
zwischen Arm und Reich wächst weltweit. "Wir brauchen daher einen
Global Marshall Plan für faire Spielregeln am globalen Markt, damit
auch Menschen im Süden Entwicklungschancen haben und wir müssen die
Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit aufstocken, damit wir
zumindest unsere längst zugesagten Verpflichtungen einhalten."
Weiters müssten Steueroasen, durch die den Entwicklungsländern ca.
900 Mrd. Dollar pro Jahr verloren gehen, konsequent geschlossen
werden.
Ernst Ulrich von Weizsäcker: Ein grüner Kondratieff-Zyklus als Vision
"Solange sich der verschwenderische Umgang mit Energie, Böden und
Mineralien finanziell lohnt, fehlt die Motivation für eine technische
Revolution", kritisierte der Naturwissenschafter und Vordenker Ernst
Ulrich von Weizsäcker beim Pressegespräch des Ökosozialen Forums in
Wien. Der Wunsch der gesamten Weltbevölkerung nach einem akzeptablen
Wohlstand sei natürlich begreiflich, führe beim derzeitigen Stand der
Technik allerdings zum Ende der ökologisch gesunden Erde und des
passablen Klimas. "Notwendig ist eine Technologie, die mit den
knappen natürlichen Ressourcen einschließlich Energie mindestens
fünfmal so effizient umgeht wie heute. Die technische Revolution des
'Faktors 5' ist möglich und wäre als 'grüner' Kondratieff-Zyklus
ebenso tief greifend für die Menschen wie die bisherigen 5 Zyklen."
Weitere Bilder unter:
http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=43&dir=200912&e=20091215_o&a=event
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at
Rückfragehinweis:
Ökosoziales Forum, Martina Baumeister, MSc
Tel.: 01/253 63 50-22 u. 0676/64480 41,
mailto:[email protected], www.oekosozial.at
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