Plattform Immobilienwirtschaft Österreich präsentiert Vorschläge zu Realisierung von Sanierung

Für Begünstigung von thermisch-energetischer Optimierung sowie von Maßnahmen zur Hebung des Wohnundstandards - Bauwirtschaft: Sonst droht 2010 Auftragsloch

Wien (OTS/PWK992) - Wirtschaftskrise und die daher deutlich reduzierte Nachfrage haben die Investitionen im gewerblichen Bereich auf ein Minimum zurückgehen lassen. Im Wohnungsbereich hingegen wäre die Bereitschaft zu Investitionen, etwa bei thermischer Sanierung, durchaus vorhanden. Zahlreiche Hemmnisse aber machen es Investoren unmöglich, ihre Pläne in die Praxis umzusetzen. Die Plattform Immobilienwirtschaft Österreich hat daher ein umfassendes Maßnahmenpaket geschnürt, das endlich die Rahmenbedingungen für die dringend notwendigen konjunkturbelebenden Aktivitäten schaffen soll.

Derzeit herrscht im gewerblichen Bereich eine regelrechte Bau-Flaute. Abgesehen von bereits in Bau befindlichen Objekten sind kaum neue Projekte in Sicht. Grund dafür ist die durch die Wirtschaftskrise bedingte geringe Nachfrage nach Büro- und Geschäftsräumlichkeiten. Doch auch der langjährige Konjunkturmotor Wohnbau ist aufgrund der schwieriger gewordenen Finanzierung massiv ins Stottern geraten. Das gilt nicht nur für den Neubau, sondern auch die Sanierungen.

"Restriktive Maßnahmen des österreichischen Mietrechts und unattraktive steuerliche Rahmenbedingungen haben zusammen mit der Finanzkrise dazu geführt, dass auch im Bereich des Wohnungsmarktes kaum mehr Investitionen getätigt werden", zieht Thomas Malloth, Obmann des Fachverbandes der Immobilientreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ),Bilanz. Diese Entwicklung würde nach Ansicht der Plattform Immobilienwirtschaft Österreich allerdings massive Auswirkungen auf die Bauwirtschaft und somit den Arbeitsmarkt haben.

Malloth sieht aber ein enormes Potential und stellt folgende Rechnung auf: Davon ausgehend, dass in 30.000 mehrgeschossigen Objekten mit einer durchschnittlichen Fläche von 1.000 Quadratmetern Sanierungsmaßnahmen gesetzt werden, ergibt sich eine Fläche von 30.000.000 Quadratmeter, die verbessert wird. Unterstellt man nun weiter, dass jedenfalls 100 Euro pro Quadratmeter zu investieren sind, dann ergibt dies eine sofort wirksame Direktinvestition von 3 Milliarden Euro. In dieser Summe sind indirekt ausgelöste Effekte im Konsum oder auch im Rahmen der Arbeitsplatzsicherung noch nicht berücksichtigt. "Eine Milliarde Investitionen sichert 12.000 Arbeitsplätze", so Fachverbandsobmann Malloth.

Die Plattform Immobilienwirtschaft Österreich signalisiert vorhandene Investitionsbereitschaft, aber hier muss auch der Staat Verantwortung übernehmen und sinnvolle Maßnahmen setzen.

Die Plattform Immobilienwirtschaft Österreich stellt ihr Maßnahmenpaket vor:

  • Wiedereinführung der beschleunigten Absetzung auf zehn Jahre für Sanierungsaufwand und Herstellungsaufwand, wenn damit Wohnraum geschaffen oder verbessert wird.
  • Befristete Option einer fünfjährigen Abschreibungszeitraumes für energieoptimierende bzw. energiegewinnende Maßnahmen bzw. Maßnahmen die den Wohnstandard erhöhen.
  • Liegenschaften im Betriebsvermögen und jene im Privatvermögen müssen bei der Zehntel-Absetzung für Verbesserungsmaßnahmen gleich gestellt werden.
  • Wiedereinführung der seinerzeitigen Mietzinsrücklage in modifizierter Form.
  • Einführung eines Verlustvortrages für den Haus- und Grundbesitz.
  • Zeitlich befristete Anhebung des Hauptmietzinses bei Sanierungs- und Herstellungsaufwand, wenn damit Wohnraum geschaffen oder verbessert wird.
  • Volle Vorsteuerabzugsberechtigung bei Sanierungen durch Wohnungseigentümer-gemeinschaften, die der energetischen Optimierung dienen.
  • Besondere Notwendigkeiten in Wien Vereinfachung der Förderungsmöglichkeiten bei Sanierungsprojekten Keine Abbruchauflagen bei thermischen Sanierungen Erleichterung der statischen Auflagen in Gründerzeithäusern (Zusätze zum Eurocode 8) Recht auf Dämmung von Feuermauern (auf dem Nachbargrund)

"Gerade im Bereich der thermischen Sanierung gibt es enormes Sanierungspotenzial", betont Oliver Brichard, Obmann der Fachgruppe Wien Immobilien- und Vermögenstreuhänder. Demnach wären rund 40 Prozent aller Gründerzeithäuser sanierungsbedürftig, zehn Prozent rufen gar nach einer Generalsanierung. "Das entspricht einem Bauvolumen von 5,2 Milliarden Euro", rechnet Brichard vor. Laut Brichard können zwischen 50 bis 100 Tonnen pro Haus und Jahr an CO2 eingespart werden. Aber speziell in Wien gibt es Hindernisse wie etwa die Statik beim Dachgeschoßausbau. Und der Richtwertmietzins ist nicht kostendeckend, für 70 Prozent der Eigentümer der Hauptgrund, dass eine Sanierung einfach nicht durchgeführt werden kann.

Gerhard Engelsberger, Vizepräsident des Verbands der Institutionellen Immobilieninvestoren, bedauert dass es keine gesetzliche Möglichkeit gibt, eine thermische Sanierung in die bestehende Miete einzurechnen. Aus Sicht von Engelsberger sollten auch die Mieter ihren Beitrag leisten müssen, da sie diejenigen sind, die 100% von dieser Investition durch wesentlich geringere Energiekosten profitieren. Er schlägt vor, dass zumindest für einen zeitlich befristeten Zeitraum, auf einen angemessenen Hauptmietzins angehoben werden kann. Denn dann würden wesentlich mehr Hauseigentümer eine thermische Sanierung vornehmen, dies würde die Konjunktur im Baubereich zusätzlich beleben.

Thermisch sanierte Häuser helfen aber nicht nur Energiekosten und CO2 zu sparen, sondern würden auch ein enormes Wohnungspotenzial darstellen. Allerdings: nur weniger als 20 Prozent der Wohnbauförderungsmittel in Wien fließen in die Sanierung. "Derzeit wird immer noch der Neubau auf der grünen Wiese forciert", kritisiert Ulreich. Nimmt man die Bevölkerungsprognosen allein für Wien, heißt das, dass der wertvolle Grüngürtel weiter schmilzt. Immerhin steigt die Zahl der in der Bundeshauptstadt Wohnenden von 1,7 Millionen im Jahr 2010 auf 1,9 Millionen im Jahr 2030 und auf mehr als zwei Millionen 2050. "Setzt man auf die viel nachhaltigere Verdichtung der Städte mit ihrer bestehenden Infrastruktur, könnte man österreichweit enorme Beträge einsparen und abgewohnte Stadtteile wiederbeleben", so Ulreich.

Noszek fordert die Einführung eines Verlustvortrages für den Haus-und Grundbesitz, wie für es ihn für Klein- und Mittelbetriebe (KMU) gibt. Ein Verlustvortrag ermöglicht steuerlich einen größeren Beobachtungszeitraum, wie er für alle Unternehmen erforderlich ist, die vorausschauend planen müssen. Damit kann ein Unternehmen innerhalb der nächsten Jahre einen zu erwartenden Verlust mit einem Gewinn steuerlich ausgleichen.

Kallinger sieht vor allem bei den Eigentumswohnungen einen großen Nachholbedarf, hier prallen sehr oft die widerstreitenden Interessen der selbstnutzenden Eigentümer und der vermietende Eigentümer aufeinander. Eine vollständige Vorsteuerabzugsfähigkeit für energieoptimierende Maßnahmen würde einen echten Anreiz bieten.

Die Frage der Erhaltungspflichten treibt die seltsamsten Blüten. Dies sieht auch Udo Weinberger, Präsident des Österreichischen Verbandes der Immobilientreuhänder (ÖVI): "Es geht nicht an, dass drei Jahre nach Auftauchen einer - sehr zu hinterfragenden -Judikatur nur eines gesichert scheint: dass Mieter wie Vermieter völlig verunsichert sind, wenn es um die Regelung dieser Frage geht." Mietenvertreter zeichnen sich in Verhandlungen zur Lösung dieser Frage vor allem durch wenig Beweglichkeit aus. "Mietverträge sind eben keine Beherbergungsverträge, zumindest nicht in der Konzeption des Mietrechts in Österreich. Wenn man will, dass der Vermieter eine vollständig zu erhaltene und zu wartende Wohnung über die gesamte Mietdauer anbietet, dann muss man auch von ganz anderen Miethöhen ausgehen.

Die österreichische Immobilienwirtschaft ist bereit für Investitionen und damit Verantwortung für dieses Land und seine Bewohner zu tragen, so Malloth abschließend. Nur mit vereinten Kräften und der Unterstützung durch begleitende Maßnahmen wird die Wirtschaft gefördert, Arbeitsplätze gesichert und für die Bewohner ein lebenswertes Umfeld in revitalisierten und energieoptimierten Gebäuden geschaffen. (JR)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder
Ursula Pernica
Tel.: 01/522 25 92
Fax: 01/522 25 93
E-Mail: office@wkimmo.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0001