- 04.12.2009, 18:34:05
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DER STANDARD - Kommentar "Eine neue Weltordnung" von Alexandra Föderl-Schmid
Beim Klimaschutz geht es um einen fairen Ausgleich und die Glaubwürdigkeit aller - Ausgabe vom 5./6.12.2009
Wien (OTS) - Es geht um viel bei diesem UN-Gipfel in Kopenhagen:
Nicht nur um ein Folgeabkommen für das Kioto-Protokoll, sondern -
pathetisch ausgedrückt - um die Zukunft dieses Planeten und seiner
Bewohner. Alle zur Verfügung stehenden Daten zeigen
Klimaveränderungen mit Folgen, die Inselbewohner stärker als reale
Bedrohung wahrnehmen als Österreicher, die in einem Land ohne
Meereszugang und in einer gemäßigten Klimazone leben. Aber jede
Österreicherin, jeder Österreicher trägt mit seinem Verhalten dazu
bei, ob ein Bewohner der Malediven künftig auch noch auf seinem
Eiland leben kann oder Bangladescher ihre Heimat nicht verlassen
müssen.
In Kopenhagen geht es auch deshalb um mehr, weil es um Gerechtigkeit
geht: Darum, ob alle Menschen auf dieser Welt das gleiche Recht zu
konsumieren, sich zu entwickeln haben. Denn folgerichtig sagen
Schwellenländer wie Indien: Warum sollen wir uns einschränken, wenn
die industrialisierten Staaten Jahrzehnte über ihre Verhältnisse
gelebt und das Problem hauptsächlich verursacht haben? Deshalb müssen
in Kopenhagen Entwicklungsmöglichkeiten berücksichtigt werden. Es ist
gerecht, wenn die Erste Welt finanziell dazu beiträgt, dass
klimaschonende Technologien auch in Dritte-Welt-Ländern zum Einsatz
kommen können. Die Kosten für Umrüstungen weltweit werden auf
insgesamt 1000 Milliarden Euro geschätzt.
Es wird schwierig genug werden, in Kopenhagen überhaupt
Reduktionsziele festzulegen. Immerhin ist Bewegung in die
Verhandlungen gekommen: US-Präsident Barack Obama hat im Gegensatz zu
seinem Vorgänger George W. Bush nicht nur die Daten der
Wissenschafter zur Erderwärmung anerkannt, sondern auch konkrete
Reduktionsziele genannt: Das ist ein Fortschritt. Auch China, der
inzwischen größte Produzent von Treibhausgasen weltweit, hat harte
Zahlen vorgelegt. Dass die kommunistische Führung, die bei einer
Drosselung des wirtschaftlichen Aufholprozesses soziale Spannungen im
Land befürchtet, den Ausstoß von Treibhausgasen verlangsamen will,
ist immerhin etwas. Sowohl Obama als auch Chinas Ministerpräsident
Wen Jiabao wollen in Kopenhagen dabei sein - das ist ein Signal, das
Hoffnung weckt.
Die österreichischen Teilnehmer werden keine entscheidende Rolle
spielen, aber auf den Beitrag Österreichs kommt es in diesem
komplexen System genauso an. Dass Österreich seine Klimaziele als
einziges der alten EU-Länder deutlich - gleich um 24 Prozentpunkte -
verfehlt hat, ist blamabel. Bisher hat sich Österreich als
Umweltmusterland geriert. Schaut man genauer hin, fällt der Vergleich
nicht so gut aus. Bei einer EU-Abfallstudie landete Österreich nur
auf Platz 6, der Anteil der Umweltsteuern beträgt nur 5,6 Prozent.
Überfällig ist ein Plan mit konkreten Vorgaben, wer wie viel in
welchem Bereich einsparen muss. Der größte Klimasünder in Österreich
ist der Individualverkehr. Folgerichtig muss der öffentliche Verkehr
ausgebaut werden - etwa das seit Jahren diskutierte Jahresticket der
Bahn Realität werden.
Nur wenn in Kopenhagen die drei Ziele - konkrete
Reduktionsvereinbarungen, ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen
und Finanzzusagen - erreicht werden, kann man von einem Erfolg
sprechen. Für die Umsetzung muss dann Klimaschutz auf gangbare
kleine, konkrete Schritte heruntergebrochen werden. Diejenigen, die
bisher zu viel emittiert haben, müssen mehr beitragen. Es geht nicht
nur um Gerechtigkeit, es geht auch um eine neue Weltordnung - und um
Glaubwürdigkeit. Und zwar von jedem Einzelnen.
Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445
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