Ärztekammer und Erste Bank prämieren wissenschaftliche Arbeiten

Sechs Forscherteams in Wien mit dem Billroth-Preis der Ärztekammer sowie dem Erste-Forschungsförderungspreis ausgezeichnet

Wien (OTS/OTS) - Heute, Donnerstag, wurden sechs medizinische Forschergruppen aus Wien mit der Verleihung des Theodor-Billroth-Preises der Ärztekammer für Wien 2009 sowie des Forschungsförderungspreises der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG 2009 für ihre wissenschaftlichen Anstrengungen der letzten Jahre belohnt. Alle sechs prämierten Arbeiten kommen aus dem Bereich der Medizinischen Universität Wien. ****

Mit dem ersten Preis des Theodor-Billroth-Preises wurde Renate Kain vom Klinischen Institut für Pathologie der Medizinischen Universität Wien ausgezeichnet.

Durchbruch bei Erforschung von entzündlichen Gefäßerkrankungen

In der prämierten Arbeit beschäftigten sich Kain und ihre Mitarbeiter mit entzündlichen Gefäßerkrankungen (Vaskulitis). Diese sind eine Gruppe relativ seltener Gefäßerkrankungen, die verschiedene Organe, zum Beispiel Niere und Lunge, schwer schädigen können und nicht selten fatal verlaufen, da das Immunsystem Bestandteile der Blutgefäßwand oder körpereigene Entzündungszellen als fremd erkennt und dagegen Antikörper bildet. Für diese Erkrankungen gab es bislang keine pathogenetischen Konzepte, womit auch keine kausale Therapie verfügbar ist.

Der Arbeitsgruppe um Kain ist mit ihren Forschungsergebnissen der in der renommierten internationalen Fachzeitschrift "Nature Medicine" publizierten Arbeit nun ein wichtiger, international als Sensation geltender, Durchbruch gelungen: Die Forscher konnten erstmalig einen Zusammenhang zwischen bakteriellen Infektionen und der Entstehung der Vaskulitis aufzeigen. Die Arbeiten belegen, dass das Immunsystem von Patienten Antikörper gegen ein Molekül von bestimmten Bakterien (FimH) produziert. Diese reagieren allerdings auch mit dem körpereigenen Membranglykoprotein 2 (hLAMP-2), das vor allem an Endothelzellen und bestimmten weißen Blutkörperchen, den Granulozyten, dem primären Angriffspunkt der Autoimmunreaktion bei Vaskulitis, vorkommt. Durch diese "Kreuzreaktivität" zwischen Bakterien und hLAMP-2 kommt es zu einer "Verwechslung" durch das Immunsystem. In der Folge werden nicht nur Bakterien durch die Antikörper abgewehrt, sondern auch die Blutgefäße schwer beschädigt und durch eine heftige Entzündungsreaktion teilweise zerstört.

Durch diesen eindeutig belegten Zusammenhang zwischen bakteriellen Infektionen und der Entstehung der entzündlichen Gefäßerkrankungen ist erstmals der Weg zur Erforschung neuer Behandlungsansätze geöffnet.

Die beiden weiteren Billroth-Preisträger sind Eva Zebedin-Brandl vom Zentrum für Biomolekulare Medizin der Medizinischen Universität Wien und G. Paul Amminger von der Wiener Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters.

Übertragungswege bei Blutkrebs - Fischöl zur Psychoseprävention

Zebedin-Brandl beschäftigte sich in ihrer Arbeit mit den Übertragungswegen bei Blutkrebs. In Blutkrebszellen sind bestimmte Signalübertragungswege stark angeschaltet und führen dazu, dass sich die Blutkrebszellen ungehindert teilen und wachsen. Die Entwicklung neuer Substanzen, die gezielt bestimmte Signalwege abschalten, ermöglicht einen ganz neuen Zugang in der Krebstherapie.

In ihrer Arbeit untersuchte Zebedin-Brandl die Hemmung eines ganz bestimmten Signalwegs, des so genannten PI3 (Phosphoinositol-3)-Kinase-delta-Signalwegs. Sie konnte dabei zeigen, dass in diesem Fall die blockierende Wirkung auf die Blutkrebszellen durch einen hemmenden Effekt auf das Immunsystem (vor allem auf die natürlichen Killerzellen) aufgehoben wird. Diese Befunde sind von hoher klinischer Bedeutung und müssen bei einem zukünftigen Einsatz von PI3K-delta-Inhibitoren am Patienten bedacht werden.

Um eine psychiatrische Fragestellung im Zusammenhang mit Prävention schizophrener Psychosen ging es in der dritten von der Ärztekammer prämierten Arbeit. Schizophrenie betrifft zumindest 1 Prozent der Bevölkerung und nimmt oft einen chronischen Verlauf mit schwerwiegenden Auswirkungen auf alle Lebensbereiche der Betroffenen. Preisträger G. Paul Amminger konnte in seiner Studie zeigen, dass eine zwölfwöchige Behandlung mit Fischöl für Jugendliche im Vorstadium einer Psychose das Risiko, tatsächlich an einer Psychose zu erkranken, innerhalb eines Jahres um etwa 25 Prozent senken kann, ohne dabei Nebenwirkungen zu verursachen. In der Gruppe, die täglich Fischölkapseln einnahm, erkrankten 5 Prozent an einer Psychose, in der Plazebogruppe waren es 28 Prozent.

Die an der Wiener Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters durchgeführte Studie ist bereits als "Meilenstein" der indizierten Präventions- und Frühinterventionsforschung bezeichnet worden. Eine große internationale Studie zur Bestätigung der Ergebnisse wird zurzeit durchgeführt. Die Wiener Ergebnisse werden Anfang 2010 in "Archives of General Psychiatry", der bedeutendsten psychiatrischen Fachzeitschrift, publiziert werden. (hpp)

(Forts.)

Rückfragen & Kontakt:

Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289
hpp@aekwien.at
http://www.aekwien.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAW0001