• 03.12.2009, 11:11:29
  • /
  • OTS0133 OTW0133

Ärztekammer und Erste Bank prämieren wissenschaftliche Arbeiten

Sechs Forscherteams in Wien mit dem Billroth-Preis der Ärztekammer sowie dem Erste-Forschungsförderungspreis ausgezeichnet

Wien (OTS/OTS) - Heute, Donnerstag, wurden sechs medizinische
Forschergruppen aus Wien mit der Verleihung des
Theodor-Billroth-Preises der Ärztekammer für Wien 2009 sowie des
Forschungsförderungspreises der Erste Bank der oesterreichischen
Sparkassen AG 2009 für ihre wissenschaftlichen Anstrengungen der
letzten Jahre belohnt. Alle sechs prämierten Arbeiten kommen aus dem
Bereich der Medizinischen Universität Wien. ****

Mit dem ersten Preis des Theodor-Billroth-Preises wurde Renate
Kain vom Klinischen Institut für Pathologie der Medizinischen
Universität Wien ausgezeichnet.

Durchbruch bei Erforschung von entzündlichen
Gefäßerkrankungen

In der prämierten Arbeit beschäftigten sich Kain und ihre
Mitarbeiter mit entzündlichen Gefäßerkrankungen (Vaskulitis). Diese
sind eine Gruppe relativ seltener Gefäßerkrankungen, die verschiedene
Organe, zum Beispiel Niere und Lunge, schwer schädigen können und
nicht selten fatal verlaufen, da das Immunsystem Bestandteile der
Blutgefäßwand oder körpereigene Entzündungszellen als fremd erkennt
und dagegen Antikörper bildet. Für diese Erkrankungen gab es bislang
keine pathogenetischen Konzepte, womit auch keine kausale Therapie
verfügbar ist.

Der Arbeitsgruppe um Kain ist mit ihren Forschungsergebnissen der
in der renommierten internationalen Fachzeitschrift "Nature Medicine"
publizierten Arbeit nun ein wichtiger, international als Sensation
geltender, Durchbruch gelungen: Die Forscher konnten erstmalig einen
Zusammenhang zwischen bakteriellen Infektionen und der Entstehung der
Vaskulitis aufzeigen. Die Arbeiten belegen, dass das Immunsystem von
Patienten Antikörper gegen ein Molekül von bestimmten Bakterien
(FimH) produziert. Diese reagieren allerdings auch mit dem
körpereigenen Membranglykoprotein 2 (hLAMP-2), das vor allem an
Endothelzellen und bestimmten weißen Blutkörperchen, den
Granulozyten, dem primären Angriffspunkt der Autoimmunreaktion bei
Vaskulitis, vorkommt. Durch diese "Kreuzreaktivität" zwischen
Bakterien und hLAMP-2 kommt es zu einer "Verwechslung" durch das
Immunsystem. In der Folge werden nicht nur Bakterien durch die
Antikörper abgewehrt, sondern auch die Blutgefäße schwer beschädigt
und durch eine heftige Entzündungsreaktion teilweise zerstört.

Durch diesen eindeutig belegten Zusammenhang zwischen bakteriellen
Infektionen und der Entstehung der entzündlichen Gefäßerkrankungen
ist erstmals der Weg zur Erforschung neuer Behandlungsansätze
geöffnet.

Die beiden weiteren Billroth-Preisträger sind Eva Zebedin-Brandl
vom Zentrum für Biomolekulare Medizin der Medizinischen Universität
Wien und G. Paul Amminger von der Wiener Universitätsklinik für
Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters.

Übertragungswege bei Blutkrebs - Fischöl zur
Psychoseprävention

Zebedin-Brandl beschäftigte sich in ihrer Arbeit mit den
Übertragungswegen bei Blutkrebs. In Blutkrebszellen sind bestimmte
Signalübertragungswege stark angeschaltet und führen dazu, dass sich
die Blutkrebszellen ungehindert teilen und wachsen. Die Entwicklung
neuer Substanzen, die gezielt bestimmte Signalwege abschalten,
ermöglicht einen ganz neuen Zugang in der Krebstherapie.

In ihrer Arbeit untersuchte Zebedin-Brandl die Hemmung eines ganz
bestimmten Signalwegs, des so genannten PI3
(Phosphoinositol-3)-Kinase-delta-Signalwegs. Sie konnte dabei zeigen,
dass in diesem Fall die blockierende Wirkung auf die Blutkrebszellen
durch einen hemmenden Effekt auf das Immunsystem (vor allem auf die
natürlichen Killerzellen) aufgehoben wird. Diese Befunde sind von
hoher klinischer Bedeutung und müssen bei einem zukünftigen Einsatz
von PI3K-delta-Inhibitoren am Patienten bedacht werden.

Um eine psychiatrische Fragestellung im Zusammenhang mit
Prävention schizophrener Psychosen ging es in der dritten von der
Ärztekammer prämierten Arbeit. Schizophrenie betrifft zumindest 1
Prozent der Bevölkerung und nimmt oft einen chronischen Verlauf mit
schwerwiegenden Auswirkungen auf alle Lebensbereiche der Betroffenen.
Preisträger G. Paul Amminger konnte in seiner Studie zeigen, dass
eine zwölfwöchige Behandlung mit Fischöl für Jugendliche im
Vorstadium einer Psychose das Risiko, tatsächlich an einer Psychose
zu erkranken, innerhalb eines Jahres um etwa 25 Prozent senken kann,
ohne dabei Nebenwirkungen zu verursachen. In der Gruppe, die täglich
Fischölkapseln einnahm, erkrankten 5 Prozent an einer Psychose, in
der Plazebogruppe waren es 28 Prozent.

Die an der Wiener Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des
Kindes- und Jugendalters durchgeführte Studie ist bereits als
"Meilenstein" der indizierten Präventions- und
Frühinterventionsforschung bezeichnet worden. Eine große
internationale Studie zur Bestätigung der Ergebnisse wird zurzeit
durchgeführt. Die Wiener Ergebnisse werden Anfang 2010 in "Archives
of General Psychiatry", der bedeutendsten psychiatrischen
Fachzeitschrift, publiziert werden. (hpp)

(Forts.)

Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289
mailto:[email protected]
http://www.aekwien.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NAW

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel