• 03.12.2009, 10:19:46
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BP Heinz Fischer empfängt WWF-Sherpa-Delegation

1,3 Milliarden Menschen in Asien durch Klimawandel bedroht

Wien (OTS) - Bundespräsident Heinz Fischer bekommt heute Besuch
von Zeugen des Klimawandels vom Dach der Welt. Die beiden
nepalesischen Sherpas Apa und Dawa waren bereits auf dem Gipfel des
Mount Everest, Apa Sherpa sogar 19-mal - am öftesten von allen
Menschen der Welt. Von dort stammt der Stein, den die Delegation
heute zusammen mit einem Brief des nepalesischen Premierministers
Madhav Kumar dem Bundespräsidenten in der Hofburg übergibt. Der Stein
ist eine eindrückliche Mahnung an reiche Industrienationen wie
Österreich, dass diese ihren CO2-Ausstoß dringend senken müssen. "Die
Industrienationen sind die Hauptverantwortlichen des Klimawandels",
so Andreas Wurzer, stellvertretender Geschäftsführer des WWF
Österreich. "Es ist daher höchste Zeit, dass auch Österreich
Verantwortung gegenüber den Entwicklungsländern übernimmt, die am
meisten unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben. Zu dieser
Hilfe zählen CO2-Senkungen im eigenen Land und Finanzhilfen für
Anpassungsmaßnahmen." Auch Christian Baumgartner, Geschäftsführer der
Naturfreunde Internationale, warnt: "Der durch die Industrieländer
verursachte Klimawandel gefährdet den Bergtourismus in Nepal und
damit eine wichtige Einkommensquelle der Bevölkerung. Gemeinsam mit
ihrer Partnerorganisation machen die Naturfreunde Internationale auf
die Probleme des Klimawandels in Nepal aufmerksam."

Die Sherpas touren gerade durch zehn Länder Europas und berichten
heute dem Bundespräsidenten vom Abschmelzen der Himalaja-Gletscher.
Die Folgen des Verlusts der drittgrößten Eismasse der Erde bedroht
die Existenz von 1,3 Milliarden Menschen in Asien. Flutkatastrophen
und Wassermangel könnten in den nächsten Jahrzehnten Asien
destabilisieren. Am Nachmittag wird die Sherpa-Delegation von
Generalsekretär Reinhard Mang im Umweltministerium empfangen. Nach
dem Besuch in Österreich fährt die Delegation weiter nach Brüssel und
zur Klimakonferenz von Kopenhagen. "Der Klimawandel in Nepal ist
bereits Wirklichkeit. Wir sahen erstmals Moskitos in Namche Bazaar in
fast 3.500 Metern und sogar Fliegen am Base Camp des Mount Everest in
5.360 Metern Höhe", schildert Apa Sherpa die Zeichen des
Klimawandels.

Die beiden Bergsteiger Apa und Dawa Sherpa sind wichtige Klimazeugen
und berichten in den EU-Ländern zahlreichen Regierungsvertretern,
Bürgermeistern, Parlamentariern und Prominenten - darunter auch
Reinhold Messner - vom Abschmelzen der Gletscher im Himalaja. Der
heute 49-jährige Apa Sherpa hat durch das Bersten des Dig
Tsho-Gletschersees 1985 fast sein Leben und das seiner Familie
verloren. Sein Land wurde fortgespült. Durch den Klimawandel füllen
sich die Gletscherseen mit gigantischen Mengen an zusätzlichem
Schmelzwasser. In Nepal allein gibt es 2.300 dieser Gletscherseen. 44
von ihnen in Nepal und Bhutan gelten als tickende Zeitbomben, die das
Leben und die Landwirtschaftsflächen der Himalaja-Bewohner bedrohen,
weil die Wassermassen plötzlich zu Tal stürzen. "Zuerst kommen die
Flutkatastrophen und dann werden die Flüsse nicht mehr genug Wasser
führen um zwei Milliarden Menschen zu versorgen", warnt Prashant
Singh, Entwicklungsdirektor von WWF Nepal.

3.252 Gletscher mit einer Gesamtfläche von 5.323 Kilometern gibt es
in Nepal. Auf den Gletschern des Himalaja befinden sich die Quellen
der größten Flüsse Asiens - Ganges, Indus, Brahmaputra, Mekong und
Yangtse. Vom Wasser dieser Flüsse hängt fast ein Drittel der
Weltbevölkerung ab. Derzeit sind zwei Drittel aller Gletscher auf dem
Rückzug. Die Durchschnittstemperatur hat sich bereits jetzt um knapp
zwei Grad erhöht. Pro Jahrzehnt nimmt die Temperatur in Nepal um fast
ein halbes Grad zu. In den kommenden Jahrzehnten erwarten die
Klimaexperten eine weitere Erwärmung um zwei bis vier Grad.

"Wenn die Temperatur weiter so ansteigt, verlieren wir
Gletscherflächen von bis zu 70 Prozent", so Singh. Allein für den
Ganges werden bis zu zwei Drittel weniger Wasser prognostiziert. "Das
Leben von Hunderten Millionen Indern ist dadurch in Gefahr", so Dawa
Sherpa. Der 24-jährige Dawa hat bereits vier Gipfel über 8.000 Meter
bestiegen, darunter zweimal den Mount Everest. Der mehrfach
international ausgezeichnete Bergsteiger spricht auch Deutsch und ist
ein wichtiger WWF-Klimabotschafter. Er berichtet von schmelzenden
Gletschern, erodierten Berghängen, Winterdürren und Fluten im Sommer.

Der Besuch der Delegation ist Teil der Vote Earth Kampagne, der
ersten weltweiten Volksabstimmung über das Weltklima. Die Ergebnisse
werden auf einem "Orb", einer Festplatte in Globusform, auf der
Klimakonferenz in Kopenhagen übergeben.

Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Leiter Medien WWF Österreich, Tel. 01-48817-231 oder 0676-83488-231, Email: [email protected], Website: www.voteearth.at.
Factsheets, Biografien und Fotos: www.wwf.at/presse.

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