Erholung der Industriekonjunktur, Arbeitslosigkeit steigt weiter

Wien (OTS/WIFO) - Unterstützt durch die expansive Wirtschaftspolitik hat sich die Konjunktur weltweit stabilisiert, der Welthandel expandiert seit dem Sommer dynamisch. In Österreich wuchs das BIP im III. Quartal nach vorläufiger Berechnung gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt real um 0,9%. Vor allem die Industriekonjunktur hat sich erholt. Die Bauproduktion hatte erst zuletzt leicht steigende Tendenz. Der Einzelhandel entwickelte sich dank kräftiger Lohnzuwächse und niedriger Inflation stabil. Die Arbeitslosigkeit erhöht sich weiter, wenn auch langsamer als zuletzt.

Die Wertschöpfung der heimischen Sachgütererzeuger brach zwischen dem III. Quartal 2008 und dem II. Quartal 2009 laut vorläufiger Rechnung saisonbereinigt um 15% ein. Seit dem Frühjahr 2009 und verstärkt seit Herbst 2009 deuten die Ergebnisse des WIFO-Konjunkturtests eine Trendwende an. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Produktionserwartungen war im November ausgeglichen, nachdem er im Februar 2009 mit -13 Prozentpunkten seinen Tiefstand erreicht hatte. Besonders deutlich belebte sich die Kfz-Industrie, allerdings von sehr niedrigem Niveau ausgehend.

Vor allem in dieser Branche, aber auch generell dürfte die Stabilisierung der Industriekonjunktur primär eine Folge der weltweit expansiven Geld- und Budgetpolitik sein. Die Stabilisierung von Finanzsystem und Banken, die Ausweitung der Staatsausgaben und die Steuersenkungen verbesserten die wirtschaftliche Lage und die Erwartungen von Unternehmen und privaten Haushalten. International werden die Lager nach dem kräftigen Abbau der Vorquartale nun wieder aufgestockt. Der Welthandel expandiert seit Juni 2009 real merklich:
Laut Centraal Planbureau lag er saisonbereinigt im September um 8% über dem Tiefstand, jedoch um 11% unter dem Vorjahresniveau. Die anhaltende Abhängigkeit der Konjunktur von staatlichen Stimulierungsprogrammen lässt den Übergang zu einem dauerhaften Aufschwung als unsicher erscheinen. Darauf deutet auch die Beurteilung der Auftragsbestände in der heimischen Industrie hin. Sie liegt nach wie vor markant unter dem langfristigen Durchschnitt und hat sich nur zögerlich verbessert.

Auch in der heimischen Bauwirtschaft hellte sich die Unternehmerstimmung jüngst etwas auf, die Wertschöpfung wuchs im III. Quartal saisonbereinigt gegenüber der Vorperiode. Allerdings blieb die Produktion merklich unter dem Vorjahresniveau. Die staatlichen Konjunkturprogramme dürften im Hochbau bislang stärker greifen, während sich vor allem der freifinanzierte Wohnbau ungünstig entwickelt. Die Tiefbauunternehmen meldeten im WIFO-Konjunkturtest vom November keine Aufwärtstendenz der schwachen Bautätigkeit.

Recht unterschiedlich verläuft die Konjunktur in den verschiedenen Sparten des Handels. In den Umsätzen des Großhandels spiegelt sich das niedrige Niveau des Exports. Der Kfz-Handel meldet anhaltende Rückgänge, obwohl die Pkw-Neuzulassungen stiegen (November +29% gegenüber dem Vorjahr). Der Einzelhandel setzte von Jänner bis August real um 0,8% mehr um als im Vorjahr. Er profitiert von der Ausweitung der verfügbaren Einkommen durch kräftiges Reallohnwachstum, Steigerung der Sozialtransfers und Verringerung der Steuerbelastung. Im Oktober waren die Tariflöhne um 3,4% höher als im Vorjahr, die Inflationsrate betrug nur 0,3%. Preisdämpfend wirken neben der Schwäche der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage nach wie vor der Rückgang der Treibstoffpreise und die Abschaffung der Studiengebühren, während die Wohnungsmieten und die Kosten der Wohnungsinstandhaltung steigen.

Der heimische Tourismus ist von der Wirtschaftskrise bislang noch wenig betroffen. Umsätze und Zahl der Nächtigungen blieben in der Sommersaison um etwas mehr als 1% unter dem Vorjahresniveau.

Im November waren beim AMS 258.000 Arbeitslose gemeldet, die saisonbereinigte Arbeitslosenquote gemäß traditioneller österreichischer Definition betrug 7,4% der unselbständigen Erwerbspersonen. Seit dem Tiefpunkt im Frühjahr 2008 erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt um 61.000. Zuletzt flachte die Verschlechterung der Arbeitsmarktlage ab. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit verlangsamt sich, die Zahl der Beschäftigten erhöht sich saisonbereinigt leicht.

Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im Text wird von "saison- und arbeitstägig bereinigten Veränderungen" gesprochen.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ." beschreibt hingegen eine relative Veränderung gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen Methoden beruht.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens angeführt.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Konsumentenpreise gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone (http://www.statistik.at/).

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund 1.100 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer Investitionstätigkeit (http://www.itkt.at/). Die Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen. Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und unselbständig Beschäftigten (gemessen in Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen, die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig Beschäftigten" zählen Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, sowie Präsenz- und Zivildiener mit aufrechtem Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 12/2009!

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Stefan Ederer oder Dr. Markus Marterbauer
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-464 bzw. 303 * Fax. +43 1 798 93 86
Stefan.Ederer@wifo.ac.at, Markus.Marterbauer@wifo.ac.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | WFO0001