Lebenshilfe zum 3. Dezember: Gleiche Rechte und Chancen für behinderte Menschen

Lebenshilfe wirbt für Inklusion: Selbstbestimmtes Leben für Menschen, die verschieden sind.

Wien (OTS) - Die Forderung der Behindertenorganisationen
anlässlich des internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember ist bekannt: Gleiche Rechte und gleiche Chancen für Menschen mit Behinderungen. Trotzdem stehen die Dinge diesmal deutlich anders. Mit der UN-Behindertenrechtskonvention liegt erstmals eine verbindliche Rechtsgrundlage am Regierungstisch, die nicht mehr wegzuwischen ist. Durch die Ratifikation der Konvention im vorigen Jahr sind die Vorgaben innerstaatliches Recht und müssen sich in den Bundes- und Landesgesetzen wiederfinden. Dass nach wie vor klare Bekenntnisse seitens der Politik fehlen, ist unakzeptabel. Die Lebenshilfe Österreich zielt darauf ab, das Tempo zu beschleunigen und fordert einen nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.

Frischen Wind in die Diskussion um Selbstbestimmung und Gleichstellung hat das Modell der Inklusion gebracht, das sich aus der UN-Konvention ableitet. Inklusion ist ein Fachbegriff und bedeutet gleiche Rechte und selbstbestimmtes Leben für alle Menschen, egal wie unterschiedlich sie sind. Es ist ein Modell zum Zusammenleben in der Gesellschaft, in der alle in ihrer Verschiedenheit ernst genommen und von Anfang an dabei sind. Für Lebenshilfe-Präsident Univ.-Prof. Dr. Germain Weber ist die Inklusion ein Wendepunkt und Aufruf zur Veränderung: "Konkret heißt Inklusion für uns, dass wir in unserer Arbeit umdenken müssen. Menschen mit Beeinträchtigungen sagen uns immer eindringlicher, was ihnen gut tut und was nicht. Genau zuzuhören und die richtigen Angebote daraus abzuleiten ist mehr denn je Herausforderung für die Zukunft."

Wesentliche Impulse brachten die Veranstaltungen der Lebenshilfe in Bregenz vom 16. bis 19. November, bei der sich mehr als 400 TeilnehmerInnen für ein neues Selbstverständnis von Menschen mit Behinderungen aussprachen. Präsident Germain Weber: "Menschen mit Behinderungen haben die Opferrolle satt. Sie wollen wie erwachsene Menschen behandelt und ernst genommen werden. Unsere Aufgabe ist, sie dabei zu unterstützen und weiter zu bestärken."

Die UN-Behindertenrechtskonvention ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Inklusion. Sie schafft eine rechtlich verbindliche Grundlage für gleiche Rechte von Menschen mit und ohne Behinderungen. Rechtsexpertin der Lebenshilfe Österreich, Silvia Weißenberg: "Der UN-Konvention geht es um ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderungen. Selbstbestimmt Leben heißt: Menschen mit Behinderungen müssen ihr Leben nach ihren Wünschen führen können. Sie müssen Kontrolle über ihr eigenes Leben haben."

Viele Gesetze stehen noch zur Anpassung an. Obwohl es sich dabei um Menschenrechte handelt, geht die Umsetzung nur schleppend vor sich. Die jahrzehntelangen Versäumnisse und sozialen Benachteiligungen bekommen behinderte Menschen im Alter besonders heftig zu spüren: Ihnen fehlt der gesetzliche Anspruch auf Alterspension aus eigener Tätigkeit, weil sie jahrelang ohne sozialversicherungsrechtlichen Schutz in Werkstätten oder in der so genannten Beschäftigungstherapie gearbeitet haben. Nur wenige konnten sich im Laufe der Jahre ein stabiles soziales Netzwerk aufbauen, das ihnen in schwierigen Lebensphasen den Rücken stärkt. Alternativen zum Wohnheim gibt es fast keine, die Begleitung in der gewohnten Umgebung in der elterlichen oder eigenen Wohnung steckt noch in den Kinderschuhen. Selbstvertreterin Heide Tomacek kämpft um ihre Rechte:
"Menschen mit Behinderungen sollen in der Gesellschaft keine Außenseiter sein. Wir sind wertvolle Mitglieder der Gesellschaft. Wir haben das Recht über unser eigenes Leben zu entscheiden. Zum Beispiel sollen behinderte Menschen auch im Alter in ihrer vertrauten Umgebung betreut werden bis zum Lebensende."

Bundesgeschäftsführer Mag. Albert Brandstätter: "Der Weg zur Inklusion ist steinig, rissig und noch voller offener Baustellen. Die UN-Konvention ist nun schon über ein Jahr innerstaatliches Recht, und noch immer sind viele der Regelungen auf Bundes- und Länderebene nicht umgesetzt. Als zentrale Maßnahme soll ein Nationaler Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention Rückenwind geben. Er sollte bis Ende 2010 von einer Arbeitsgruppe erstellt werden, in der behinderte Menschen als Expertinnen und Experten in eigener Sache, NGOs sowie die Länder mitarbeiten. Die Lebenshilfe ruft das Sozialministerium sowie die BehindertensprecherInnen der Parlamentsparteien auf, die Erstellung dieses Planes möglichst rasch in die Wege zu leiten."

Rückfragen & Kontakt:

Lebenshilfe Österreich, Eva Schrammel, Tel.: 01 / 812 26 42-79, Mobil: 0664 / 88 43 1996, Email: schrammel@lebenshilfe.at

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