Bambus, Blech und Kalebassen - Leopold Museum zeigt Kinderspielzeug aus der Dritten Welt

Wien (OTS) - Eine Ausstellung der besonderen Art zeigt das Leopold Museum zur Weihnachtszeit. Die Schau "Bambus, Blech und Kalebassen. Das andere Spielzeug" präsentiert mehr als 200 Exponate aus der Sammlung des Ethnologen Dr. Fritz Trupp. Kleine Meisterwerke von KünstlerInnen aus der "Dritten Welt", aus Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas geben Einblick in eine Welt der Entbehrung aber auch der Kreativität. Fritz Trupp hat beharrlich über Jahre faszinierende Objekte zusammen getragen. Hergestellt aus Alltagsmaterialen wie Blech, Plastik, Draht oder Holz.

Trupp widmet die Schau all "den Kindern, die diese Kunstwerke geschaffen und damit die Ausstellung möglich gemacht haben".

UNICEF; Entwicklungshilfeklub - Unterstützer der Ausstellung

Im Vordergrund der Ausstellung, für die UNICEF Österreich dankenswerterweise die Schirmherrschaft übernommen hat, steht nicht Not und Elend der "Dritten Welt" sondern vielmehr Fantasie, Geschicklichkeit und die positive schöpferische Kraft der Kinder, deren bestes Zeugnis die großartigen Kunstwerke der kleinen Erdenbewohner sind. Die Pressekonferenz zur Ausstellung findet am Do, 19.11.2009, um 11 Uhr im Leopold Museum statt. Der bekannte Schauspieler Otto Tausig, der sich seit Jahren im "Entwicklungshilfeklub" für Entwicklungsprojekte aus aller Welt engagiert, trägt anlässlich der Ausstellungseröffnung am 19.11. um 19 Uhr Gedichte vor. "Nicht jammern, sondern einfach etwas tun" heißt sein Motto, mit dem er für die Unterstützung seiner Projekte zu Wiederaufbau, Existenzsicherung und Gesundheit wirbt.

Vielfalt der Sammlung Leopold - weit gefasster Kunstbegriff
Die Sammlung des Leopold Museum umfasst neben Gemälden, Skulpturen und Kunsthandwerk österreichischer Kunstproduktion auch außereuropäische Kunst- bzw. Ritualgegenstände, vieles davon aus Afrika. Aber auch interessante historische Kuchenformen sind Bestandteil der Sammlung. Dieser weit gefasste Kunstbegriff der Sammlung Leopold macht das Leopold Museum zum idealen Ort für die aktuelle Präsentation.

Das Recht des "Kindseins"

Die Idee des Kindseins verweist auf ein vermeintliches Recht, das nicht jedem Kind in gleichem Maße vergönnt ist, werden Kinder doch immer wieder früh mit den Schattenseiten des Lebens konfrontiert. Die UN-Kinderrechtskonvention schreibt die Rechte der Kinder fest, aber allzu oft besteht der Schutz lediglich auf dem Papier.

Kleine Erwachsene

Obwohl wir mit dem Begriff "Kindheit" eine unbeschwerte Zeit, weitgehend frei von gesellschaftlichen Verpflichtungen verbinden, sind in anderen Kulturen Kinder nichts anderes als kleine Erwachsene, die sobald es irgendwie geht ihren Beitrag zur Erhaltung der Familie leisten müssen.

Kommerzielle Produktion - Kinderarbeit

Oft entwickeln Erwachsene mit Hilfe der Kreativität der Kinder kommerzielle Produktionen, so in Madagaskar und Thailand. Kinder stellen unter Anleitung der Erwachsenen massenhaft "Spielzeug" her. So wird das Spielzeug zum Produkt eines Arbeitsvorganges, jenseits des Eigenbedarfs.

Recycling-Kunst

Die ausgestellten Kunstwerke kann man gewissermaßen als "Recycling-Kunst" bezeichnen. Oftmals werden neben Holz, Bambus und Gemüse - z.B. Kürbisse - auch Getränkedosen, Metalldrähte, Kronkorken, Kanister etc. als Bastelmaterial benutzt.

Alle in der Ausstellung gezeigten Spielzeuge wurden von Kindern aus Alltagsmaterialien für den eigenen Bedarf hergestellt. In zahlreichen Kulturen ist es nicht üblich, speziell angefertigtes Spielzeug zu kaufen. In vielen Sprachen gibt es auch das Wort Spielzeug nicht als eigenständigen Begriff. Der Gegenstand wird einfach als Abbild des Originals gesehen. Die Kinder eifern den Erwachsenen nach. Auf allen Kontinenten basteln sich gerade Kinder aus den armen Regionen unserer Welt ihr Spielzeug selbst.

Globalisierung

Die Globalisierung macht auch vor den entlegensten Gebieten nicht halt, so etwa durch den Bau neuer Straßen, wie etwas des Karakorum Highway zwischen China und Pakistan. Oft sind die Marken der "Global Player" wichtiger Bestandteil der Spielzeuge. Schriftzüge und Logos von Getränkeherstellern geben den Fahrzeugen etwa eine besondere Note. So entsteht zum Beispiel aus einer 7up Dose der Tank eines Öltransporters.

Träume und Ängste

Die Kreativität der Kinder scheint grenzenlos und ihr technisches Verständnis und handwerkliches Geschick bewundernswert. Jedes Fahrzeug aus Draht, Blech oder Plastik, jede Puppe, der selbst gebastelte Piloten-Kopfhörer oder das Maschinengewehr aus Holz erzählen eine Geschichte aus der Welt seines kleinen Erbauers. Das Spielzeug berichtet von seinen Träumen, seinen Wünschen, aber auch seinen Ängsten. So originell und spaßig die Spielgeräte aussehen, so ernst sind mitunter die Hintergründe, vor denen die Objekte entstanden; die Spielsachen lassen nicht selten traumatische Erlebnisse erahnen: Bürgerkrieg, Umweltzerstörung oder auch das oft als Gewaltakt empfundene Eindringen des Massentourismus und die damit verbundene abrupte Anbindung an eine fremde Außenwelt.

Sammeln und Dokumentieren

Der Ethnologe Dr. Fritz Trupp hat die Spielobjekte während vieler Jahre auf seinen Reisen in Länder der "Dritten Welt" gesammelt. Er hat sie ausführlich dokumentiert und im persönlichen Kontakt mit den Kindern erworben. Fritz Trupp reiste oft mit der gesamten Familie. Seine Kinder, die ihn auch tatkräftig bei der Vorbereitung der Ausstellung unterstützten, erlebten die Spielkulturen der Kinder fremder Länder schon ab dem Kleinkindalter hautnah mit.

"Wir kennen bei vielen Objekten die Namen und die Gesichter ihrer kleinen ErbauerInnen und sind über die Lebensumstände unterrichtet", sagt Fritz Trupp. Die Lebensnähe der Ausstellung wird unterstützt durch eine Vielfalt an großformatigen Fotos, die den Lebensalltag der Kinder zeigen. Die Fotos wurden größtenteils von Fritz Trupp aufgenommen und zeigen die ErbauerInnen beim Spiel mit den Objekten der Ausstellung.

"Recycling kreativ! - Kinderprogramme und Führungen

Das LEO Kinderatelier greift u.a. mit dem Programm "Recycling kreativ!" die Inhalte der Ausstellung in auf. Spezialführungen für Kinder und Erwachsene bieten spannende Einblicke und Geschichten rund um die Kunst aus Kinderhänden der "Dritten Welt" Welt. Die Kinder können durch die Schau unzählige Spiele aus fernen Ländern entdecken und selbst kreativ sein.

Der Katalog zur Ausstellung

Zur Ausstellung ist ein reich bebildertes 112 Seiten starkes Katalogbuch erschienen, erhältlich zum Preis von nur Euro 14,90 im Leopold Museum

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Mag. Klaus Pokorny
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