DER STANDARD - Kommentar " Negativsymbol Arigona" von Irene Brickner

Ausgabe vom 13.11.2009

Wien (OTS) - Sympathisch sind sie den meisten Österreichern schon lange nicht mehr. Und unterstützenswert kommen sie ihnen erst recht nicht vor: Arigona Zogaj und ihre Restfamilie - der Vater hat sich verabschiedet, die großen Brüder sind in den Kosovo zurückgekehrt -werden inzwischen überwiegend als zwielichtige und ungebetene Gestalten gesehen. Als Ausländer, die den Wohlstand gesucht, aber "Asyl" gesagt haben. Die sich in den Wohlfahrtsstaat Österreich eingeschlichen haben - und jetzt mit allen rechtlichen Mitteln zur Ausreise gezwungen werden müssen.
Damit wird an den Zogajs - an dem 17-jährigen Mädchen, ihrer Mutter und ihren kleinen Geschwistern - der heimische Antiausländerdiskurs in all seinen Facetten abgewickelt. Asylmissbrauch, Scheinasylanträge, trotzige Verfahrensverlängerung: Die kosovarische Familie ist zu einem fremdenrechtlichen Negativsymbol geworden, das die immer härteren Regelungen, die immer martialischere Wortwahl zu rechtfertigen scheint. Schonung verdient sie in dieser "Logik" nicht. Und sie wird ja auch immer wieder vorgeführt, sei es, indem man erfundene Vorstrafen bei Pressekonferenzen zitiert. Oder indem die jetzige Asylablehnung vorab und offenbar ebenso illegal der Kronen Zeitung zugespielt wurde, was akuten Amtsmissbrauchsverdacht hochkommen lässt.
Was die große Mehrheit überhaupt nicht mehr interessiert, ist, wie es den Zogajs mit all dem geht. Wer das zum Thema macht, wird sentimentaler Schwäche geziehen. Die Frage ist, wo derlei Härteaufrufe im Endeffekt hinführen.

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