- 04.11.2009, 08:00:11
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Preise und Preiselastizitäten im Verkehr
Wien (OTS/WIFO) - Der Staat kann über Abgaben und Subventionen die
Kosten bzw. Preise von Verkehrsleistungen beeinflussen. Die Wirkung
der verkehrspolitischen Markteingriffe und die Höhe der staatlichen
Einnahmen bzw. Ausgaben im Zuge der Eingriffe hängen von der Stärke
der Reaktionen der Marktteilnehmer ab. Abgabenerhöhungen bewirken bei
unelastischer Nachfrage wohl eine Steigerung der Einnahmen für den
Fiskus, die angestrebte Verringerung der belasteten
Verkehrsleistungen wird aber kaum erreicht.
Innovationen in der Transportmitteltechnik, der Logistik und in
der Umschlagstechnik sowie Verbesserungen der Infrastruktur
ermöglichten erhebliche Produktivitätsgewinne im Verkehrswesen. Im
wettbewerbsintensiven Straßengüterverkehr hatten sie nominelle
Preissenkungen zur Folge, auf die auch die Bahn in ihrer
Gütertarifbildung reagieren musste. Die Durchschnittseinnahmen je
Nettotonnenkilometer der ÖBB, aber auch der SBB und der DB, waren ab
Mitte der 1970er-Jahre tendenziell rückläufig. Die Deregulierung des
Luftverkehrs baute Monopolrenten ab, verstärkte die Anstrengungen zu
rascheren Produktivitätsgewinnen und verbilligte die Fracht- und
Passagierluftfahrt. Erst in den Jahren 2005 bis 2007 bewirkten die
Bemautung des hochrangigen Straßennetzes und die
Kraftstoffverteuerung zusammen mit einer kräftigen Nachfragebelebung
einen leichten Anstieg der Transportpreise im Straßengüterverkehr.
Auch die Flugtarife zogen, bedingt durch die Kerosinverteuerung,
wieder spürbar an. Die Tarife für den öffentlichen Personenverkehr
werden hauptsächlich verkehrspolitisch bestimmt. Sie folgen der
allgemeinen Verbraucherpreisentwicklung, Kostenänderungen im
konkurrierenden motorisierten Individualverkehr werden kaum
beobachtet.
Die Ergebnisse internationaler Studien über Preiselastizitäten im
Personenverkehr zeigen eine sehr große Variationsbreite. Relativ
elastisch reagiert die Nachfrage nach Leistungen der Luftfahrt und
der Bahn auf Preisänderungen im Freizeit- und Urlaubsverkehr;
unelastisch ist die Nachfrage im öffentlichen Personennahverkehr. Die
Schwankungsbreite der für den Güterverkehr geschätzten Elastizitäten
ist ebenso groß wie für den Personenverkehr; für die einzelnen
beförderten Waren wurden recht unterschiedliche Werte ermittelt.
Die Schätzungen von Preiselastizitäten für den Verkehr in
Österreich zeigen Folgendes:
- Die Nachfrage nach Personenverkehrsleistungen der Bahn und des
öffentlichen Personennahverkehrs der Wiener Linien ist unelastisch.
- Ebenso unelastisch reagiert kurzfristig der Individualverkehr auf
Änderungen der Kraftstoffpreise.
- Kurzfristig besonders preisreagibel sind die Pkw-Käufe. Hier
spielen steuerlich bedingte Preisänderungen eine wesentliche Rolle.
Angekündigte Steueränderungen lösen steuermindernde Vorziehkäufen
oder Kaufaufschübe aus. Bemerkenswert großen Einfluss hat auch die
Benzinpreisentwicklung auf die Pkw-Neuzulassungen.
- Die Nachfrage nach Güterverkehrsleistungen der ÖBB reagiert
deutlich auf Preisänderungen.
- Die Verteuerung des Straßengüterverkehrs durch die
Lkw-Streckenmaut verlagerte Transporte auf die Bahn.
Im Sinne der angestrebten Verkehrsverlagerung von der Straße auf
die "umweltfreundlichere" Schiene durch Abgaben und Subventionen
hätte eine Verbilligung des Güterverkehrs und des
Personenfernverkehrs auf der Bahn größere Wirkungen als
Preisstützungen im öffentlichen Personennahverkehr. Abgaben auf
Kraftstoffe haben kurzfristig vornehmlich eine günstige fiskalische
Wirkung, längerfristig werden durch sie technologische Innovationen
für Antriebe mit geringerem Kraftstoffverbrauch induziert. Die
Kraftstoffnachfrage wird zudem durch die Preisdifferenzen zum Ausland
beeinflusst.
Abbildung 1: Entwicklung der Preise im Personenverkehr der Bahnen -
auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Abbildung 2: Entwicklung der Preise im Güterverkehr der Bahnen - auf
der WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
10/2009,
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=37126&typeid=8&d
isplay_mode=2
Rückfragehinweis:
Prof. Dr. Wilfried Puwein
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
mailto:[email protected]
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