- 03.11.2009, 11:28:13
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Digitaler Hörfunk in Österreich: RTR-GmbH und KommAustria präsentieren Ergebnisse ihrer Bedarfserhebung
Wien (OTS) - Utl.: Europaweit einheitliche Technologie und
Vorgangsweise erforderlich - DAB/DAB+ wäre die aus heutiger Sicht
beste Verbreitungstechnologie - RTR-GmbH und KommAustria gründen eine
"IG Digitaler Hörfunk" - Anpassung des gesetzlichen Rahmens
erforderlich - Österreichs Hörfunkveranstalter: Ja zum Digitalen
Hörfunk, aber bitte noch warten! - Auch Deutschland und Schweiz sehen
Notwendigkeit von DAB/DAB+
Die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH) hat
gemeinsam mit der Kommunikationsbehörde Austria (KommAustria) im
Dezember 2008 ein Projekt zum Thema "Digitaler Hörfunk in Österreich"
ins Leben gerufen, in dem neben Vertretern von KommAustria und
RTR-GmbH Vertreter des ORF, des Verbandes Österreichischer
Privatsender (VÖP), des Verbandes Freier Radios Österreichs (VFRÖ),
des Bundeskanzleramtes, des Fachverbandes der Elektro- und
Elektronikindustrie, des Fachverbandes der Telekommunikations- und
Rundfunkunternehmungen sowie Vertreter der ASFINAG, des Instituts für
Rundfunktechnik (IRT) und des Verbandes der Automobilindustrie
eingebunden waren. Zudem nahmen Vertreter der Landesmedienanstalt
Saarland und des Bundesamtes für Kommunikation aus der Schweiz teil.
"Ich freue mich, Ihnen heute die Eckpunkte unserer Empfehlung
präsentieren zu können. Wir sind einhellig der Meinung, dass die
Einführung des Digitalen Hörfunks in Zukunft stattfinden muss, um die
Wettbewerbsfähigkeit des Radios in Österreich nachhaltig zu sichern",
gibt Dr. Alfred Grinschgl, Geschäftsführer der RTR-GmbH, das Ende des
Projektes bekannt. "Das Projekt verfolgte drei Zielsetzungen: den
Bedarf hinsichtlich einer möglichen Einführung des Digitalen Hörfunks
in Österreich zu erheben, eine von allen getragene Position für oder
gegen eine Digitalisierung der Hörfunkverbreitung zu erarbeiten und
gegebenenfalls ein Einführungsszenario mit einem konkreten Zeitplan
und den wesentlichen Meilensteinen zu entwickeln", so Grinschgl.
Europaweit einheitliche Technologie und Vorgangsweise erforderlich!
"Erste Schritte zur Realisierung von DAB bzw. DAB+, wobei wir
diese Technologie als die derzeit beste Form betrachten, sind die
Schaffung entsprechender gesetzlicher Rahmenbedingungen und die
Etablierung einer "Interessengemeinschaft Digitaler Hörfunk", die auf
nationaler und internationaler Ebene für eine einheitliche
Vorgangsweise und eine einheitliche Technologie eintritt. Dass wir
derzeit in Österreich den Hörfunk noch nicht digitalisieren, liegt
u.a. daran, dass es gerade in unserem Nachbarland Deutschland derzeit
keinen einheitlichen Willen gibt, DAB bzw. DAB+ großflächig und daher
erfolgreich zu launchen", führt Grinschgl aus.
"Warum Digitaler Hörfunk? - Digitaler Hörfunk erlaubt im Vergleich
zur bisherigen, analogen Übertragungstechnik die Übertragung einer
deutlich höheren Anzahl von Programmen und kann völlig neue oder
deutlich verbesserte Zusatzinformationen (z.B. Verkehrsinformationen)
sowie visuell nutzbare Inhalte transportieren", erklärt Grinschgl die
Vorteile dieser Übertragungstechnologie.
Anpassung des gesetzlichen Rahmens erforderlich
"Derzeit gibt es noch keine ausreichenden gesetzlichen Grundlagen
für einen Regelbetrieb im Digitalen Hörfunk. Diese gesetzlichen
Rahmenbedingungen müssten erst durch Anpassung des Privatradio- und
des ORF-Gesetzes geschaffen werden, wobei regelungstechnisch auf das
System des Multiplexes - wie es aus dem Privatfernsehgesetz bekannt
ist - zurückgegriffen werden kann. Jedoch gilt es auch, die
Besonderheiten des Hörfunks zu berücksichtigen. Insbesondere müssen
Fragen von kleinräumigen Versorgungsgebieten,
Must-carry-Verpflichtungen und Meinungsvielfaltsaspekte bedacht
werden", erläutert Michael Ogris, Behördenleiter der KommAustria die
gesetzlichen Voraussetzungen zur Einführung von Digitalem Hörfunk.
"Seitens des Gesetzgebers müssten auch Möglichkeiten geschaffen
werden, Dienste zu erlauben, die einen Mehrwert für den Konsumenten
darstellen. Der Gesetzgeber wird auch über Ausmaß, Inhalt und
Finanzierung zusätzlicher digitaler Hörfunkprogramme des ORF
nachdenken müssen. Hinsichtlich privater Hörfunkveranstalter gilt es
zu klären, wie viele zusätzliche Hörfunkprogramme unter dem Aspekt
der Meinungsvielfalt dem einzelnen Rundfunkveranstalter erlaubt sein
sollen", führt Ogris weiter aus.
DAB/DAB+ für großflächige Ausstrahlung
"Hinsichtlich des einzuführenden, digitalen Übertragungsstandards
konnte in der Arbeitsgemeinschaft Einigkeit darüber erzielt werden,
dass DAB/DAB+ das bevorzugte System darstellt, insbesondere für eine
bundesweite bzw. bundeslandweite Ausstrahlung von Hörfunkprogrammen",
gibt Franz Prull, stellvertretender Behördenleiter der KommAustria,
Ergebnisse aus den Workshops bekannt.
Da DAB/DAB+ jedoch für eine großflächige Ausstrahlung größerer
Programm-/Sender-Pakete optimiert ist, ist dieser Standard für lokal
ausgerichtete Hörfunkveranstaltungen mit deutlichen Nachteilen
verbunden.
Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, kann für lokale
Veranstalter die Verwendung des DRM+-Systems eine Lösung darstellen,
wobei aber die Nutzung von Frequenzen im Band III erforderlich ist,
da das ohnehin überlastete UKW-Band für eine Einführung von DRM+
nicht in Betracht kommt.
Begleitet wurde das Projekt von Gerlinde Pammer, Geschäftsführerin
der Impuls CONSULTING GROUP GmbH. "Da das
'Gemeinsam-an-einem-Strang-ziehen' und die inhaltliche Aufarbeitung
des Themas eine wesentliche Voraussetzung für eine mögliche
Einführung von Digitalradio in Österreich darstellte, galt es, ein
Projektdesign zu entwerfen, das alle maßgeblichen Player und
relevante Experten in das Projekt einband", teilte Gerlinde Pammer zu
ihrer Rolle in diesem Projekt mit.
ORF begrüßt DAB/DAB+ als Garant für Programmvielfalt
"Der ORF als Marktführer versteht sich als Innovationsführer, hat
die Digitalisierung des Fernsehens vorangetrieben und Jahre vor
unseren Nachbarländern das hochauflösende HD-TV eingeführt. Daher
begrüßt der ORF auch eine Digitalisierung des Radios, weil es mehr
Programmplätze erlauben wird, wie auch neue Spartenradios des ORF,
beispielsweise das 'Ö1-Inforadio' oder 'Ö3-Sport'. Die Einführung von
DAB/DAB+ in Österreich wäre ohne neue zusätzliche Programmangebote
des ORF zum Scheitern verurteilt", meint Peter Moosmann, technischer
Direktor des ORF.
Aus Sicht des ORF ist die Zeit für die Einführung von Digitalradio
aber noch nicht reif. Es gibt keine Anzeichen, dass in Deutschland
flächendeckend DAB/DAB+ eingeführt wird. Einen Alleingang von
Österreich kann der ORF gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht
befürworten.
"Der ORF lehnt auch einen Abschaltzeitpunkt von UKW ab. In jedem
österreichischen Haushalt stehen 4 bis 5 Radioapparate, die mit einem
Schlag ersetzt werden müssten. Wir wollen die Hörer nicht zum
Umschalten zwingen, sondern mit neuen attraktiven Radioformaten das
Digitalradio schmackhaft machen", so Moosmann weiter.
Digitaler Hörfunk sichert Vielfalt und Chancengleichheit
Der Vorsitzende des Verbandes Österreichischer Privatsender,
Christian Stögmüller, hält grundsätzlich die Digitalisierung des
Hörfunks für erforderlich, dies insbesondere aus Gründen der
Chancengleichheit, der Vielfaltsüberlegungen und auch der
Zukunftsorientierung des Hörfunkbereichs. Die Konsumenten sollten
durch neue Programm- bzw. Zusatzangebote überzeugt werden, dass sie
Vorteile durch einen Umstieg von der analogen auf die digitale
Empfangstechnik erhalten würden.
Dabei muss dem privaten Sektor unter Betrachtung der verfügbaren
Kanäle auf den Multiplexern absolute Chancengleichheit zu den
Programmen des ORF eingeräumt werden, bevor über zusätzliche Angebote
des öffentlich-rechtlichen Sektors diskutiert wird. Ein erfolgreicher
Start von Digitalem Hörfunk in Österreich kann überdies erst unter
der kritischen Betrachtung einer europaweit einheitlichen technischen
Regelung, nach Vorhandensein einer entsprechenden Anzahl an digitalen
Endgeräten sowie nach einer Förderzusage aus dem
Digitalisierungsfonds für den Start des digitalen Hörfunks erfolgen.
VFRÖ: keine optimale Versorgung regionaler Räume durch DAB/DAB+
Der Verband Freier Radios Österreich (VFRÖ) steht einer
Digitalisierung des Hörfunks vorerst skeptisch gegenüber, weil sich
die Argumente einer potenziellen Verringerung der Verbreitungskosten
und einer größeren Programmvielfalt nicht auf die Versorgung lokaler
Räume umlegen lassen. DAB/DAB+ ist für großflächige Versorgungsräume
konzipiert, für den lokalen Hörfunk sind alternative, angepasste
Technologien wie DRM+ einzuplanen. Gesetzlich sicherzustellen wäre
dabei, dass die Empfängerindustrie diese Technologie auch bedient.
"Um dem Argument einer größeren Programmvielfalt gerecht zu
werden, müssten mit der Einführung von DAB/DAB+ gemeinsame,
überregionale 'Open-access'-Programme Freier Radios Zugang zu
nationalen und landesweiten Multiplexern bekommen. Dies wäre durch
entsprechende gesetzliche Regelungen abzusichern - sei es durch
Must-carry-Regelungen oder durch eine geeignete Gestaltung der
Auswahlkriterien für die MUX-Belegungen", fordert der Obmann des VFRÖ
Helmut Peissl.
Die bei einer Umstellung entstehenden höheren Verbreitungskosten
müssen über entsprechende Förderungen kompensiert werden.
Auch Deutschland und Schweiz sehen Notwendigkeit von DAB/DAB+
"Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass das Radio auch im
digitalen Bereich einen eigenen Verbreitungsweg benötigt, um als
Gattung in der multimedialen Welt bestehen zu können. Sieht man sich
im europäischen Ausland um, ist zu sehen, dass Frankreich,
Großbritannien, die Schweiz oder skandinavische Länder eindeutig auf
DAB+/DMB setzen. Da werden weder Österreich noch Deutschland auf
Dauer abseits stehen können", meint Gerd Bauer von der
Landesmedienanstalt Saarland.
Marcel Regnotto vom Schweizer Bundesamt für Kommunikation ist
überzeugt, dass sich auch vergleichsweise kleine Länder auf die
Digitalisierung des Hörfunks vorbereiten müssen - auf regulatorischer
Ebene habe die Schweiz ihre Hausaufgaben bereits gemacht.
"Wir maßen uns nicht an zu wissen, welche Technologie für das Radio
die beste ist und sich im Markt durchsetzen wird. Stattdessen
verstehen wir uns eher als Förderer denn als Verhinderer innovativer
Ansätze", so Regnotto.
Wagenhofer hält langen Simulcastbetrieb für erforderlich
Bei der Einführung von DVB-T konnte die ORS weitreichende
Erfahrungen bezüglich Projektmanagement, Planung (Senderbau und
Versorgungs-planung), Marketing (Roll-out-Pläne, Roadshows, Helplines
etc.) sowie Endgerätezertifizierung und -förderung sammeln, die die
ORS auch für die Einführung eines zukünftigen digital-terrestrischen
Radiosystems (unabhängig davon, ob die gewählte Technologie DAB+,
DRM+ oder DVB-T2 heißt) prädestinieren.
"Es gilt bei der Entwicklung einer Strategie zur Einführung von
Digitalem Radio aber jedenfalls zu berücksichtigen, dass das analoge
FM-System (das ja auch von der ORS im Auftrag ihrer Kunden
weiterentwickelt wird - siehe TMC Plus) derzeit die Kundenbedürfnisse
im Hinblick auf Indoor-Versorgung und mobilen Empfang optimal
erfüllt. Daher wird bei der Einführung eines digitalen
Übertragungsstandards ein Simulcastbetrieb über viele Jahre in einer
Größenordnung von ungefähr 15 Jahren - da die Autoindustrie eine
Zykluszeit von bis zu sechs Jahren hat - notwendig sein", äußert sich
Michael Wagenhofer, Geschäftsführer der ORS, zum zeitlichen Horizont
der Einführung von Digitalem Hörfunk.
Rückfragehinweis:
Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH,
MMag. Daniela Andreasch
Tel.: (++43-1) 58 058/106, Fax: (++43-1) 58 058/9106,
mailto:[email protected]
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