- 14.10.2009, 12:30:18
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Spitalsärzte: Verwaltungsbeamte oder Mediziner? (1)
Erste Spartendenzen zum Nachteil der Patienten - Patientenwohl muss zentraler Punkt bleiben - Ausbildungsqualität rückt in den Hintergrund - Manifest der angestellten Ärzte
Wien (OTS) - Jüngst hat die Bundeskurie Angestellte Ärzte ein
programmatisches Manifest zur ärztlichen Tätigkeit im Spital
beschlossen. Besondere Aufmerksamkeit wird der Patientensicherheit
und einer hohen Versorgungsqualität, der entsprechenden medizinischen
Ausbildung und dem Arbeitnehmerschutz geschenkt.
Die Bundeskurie Angestellte Ärzte fordert mehr Zeit für Patientinnen
und Patienten. Denn gegenwärtig scheint Patientenverwaltung statt
Patientenbetreuung das Credo zu sein. "Gut ausgebildete und hoch
spezialisierte Ärztinnen und Ärzte produzieren Papierberge statt sich
intensiv den Patienten zu widmen. Wir sind dazu da, Diagnose und
Therapie nach dem aktuellen Wissensstand am Menschen einzusetzen. Das
können wir nicht mehr in der Weise, wie es notwendig wäre. Dabei ist
unsere eigentliche Aufgabe die Medizin. Wir fordern daher mehr Zeit
für Patientinnen und Patienten, anstatt sie mit arztfremden
Tätigkeiten zu verschwenden", unterstrich der Vizepräsident der
Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Obmann der Bundeskurie
Angestellte Ärzte, Harald Mayer, Mittwoch in einer Pressekonferenz.
Turnusärzte - Sekretäre mit Doktortitel?
Besonders gravierend sei die Zettelwirtschaft für die Turnusärztinnen
und -ärzte. Sie könnten kaum mehr Visiten besuchen und sich nicht dem
Lernen widmen. Im Jahr 2000 hat die ÖÄK ein
Turnusärzte-Tätigkeitsprofil als Leitbild veröffentlicht. Darin ist
verankert, dass Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung primär ein Recht
auf Vermittlung von praktischem und theoretischem Wissen haben. Davon
sei man jedoch leider bis dato weit entfernt.
In einer bundesweiten Umfrage unter 2.000 Spitalsärztinnen und
-ärzten gab bereits 2006 jede(r) zweite Spitalsärztin/-arzt an, die
Ausbildungsbedingungen für Turnusärzte hätten sich verschlechtert; 72
Prozent wollten eine Leistungsverlagerung in den niedergelassenen
Bereich. Nach einer von der Vorarlberger Ärztekammer regelmäßig zur
Ausbildungsqualität durchgeführten Erhebung unter Turnusärztinnen und
-ärzten hat sich an diesem Zustand wenig geändert: Zwar werden nun
häufiger Leitfäden ausgeteilt, Routinetätigkeiten teilweise reduziert
und Patienten bei Visiten von Turnusärzten präsentiert. Dennoch sind
gravierende Mängel nicht beseitigt und die jungen Medizinerinnen und
Mediziner wünschen sich nach wie vor weniger administrative
Tätigkeiten, ein selbständiges Führen von Visiten und mehr praktische
Ausbildung in Form von Bedside-Teaching während der Arbeitszeit.
Lehre und Fortbildung dürften, so Mayer, keinesfalls ein reines
Freizeitvergnügen sein. Es müssten dafür entsprechende Zeit- und
Personalressourcen abgestellt werden - sowohl im Turnus, als auch in
der Weiterbildung für selbstständig berufsberechtigte Ärztinnen und
Ärzte in den Spitälern.
Der Kurienchef kritisierte, dass das Turnusärzte-Tätigkeitsprofil
weiterhin nur sporadisch umgesetzt werde. Pilotprojekte zeigten, dass
bei widmungsgerechtem Einsatz bei Turnusärztinnen und -ärzten die
Zufriedenheit massiv steigt. Mayer: "Gerade das ist für junge
Mediziner von besonderer Bedeutung, denn ihnen ist künftig das Wohl
der Patienten anvertraut. Doch heute sind sie eher Sekretäre mit
Doktortitel und werden als flexible Personalreserve und Lückenbüßer
missbraucht." Die Bundeskurie fordere die konsequente Umsetzung des
Turnusärzte-Tätigkeitsprofils in allen österreichischen
Krankenhäusern.
Ärzte als teure Schreibkraft
Auch die älteren Spitalsärztinnen und -ärzte beklagen in ihrem
Berufsleben ein Zuviel an dokumentarischen Tätigkeiten. Wie eine
Umfrage 2006 ergab, steigen die administrativen Belastungen durch
steigende Patientenzahlen ständig. Der Zeitanteil für direkte Arbeit
mit und am Patienten fiel von 2003 auf 2006 um fast acht Prozent und
nahm nur noch 58 Prozent der ärztlichen Gesamtarbeitszeit in
Anspruch. Gleichzeitig stiegen die administrativen Aufgaben um 13
Prozent. Insgesamt wird nach eigenen Einschätzungen mittlerweile mehr
als ein Drittel der Arbeitszeit für Dokumentation verwendet.
Mayer: "Die Spitalsärzteschaft fordert deshalb schon seit längerem
die Installierung von medizinischen Dokumentationsassistenzen. Diese
sollen die Ärztinnen und Ärzte für die Patienten und die Medizin frei
machen. Im Sinne der Patientinnen und Patienten, die mehr ärztliche
Zuwendung einfordern, erwarte ich mir die obligatorische Einführung
dieser Dokumentationsassistenzen in allen Spitälern." (jg) (Forts.)
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Martin Stickler
Tel.: 01/513 18 33 - 14
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