Psychotherapie hilft!

Tag der seelischen Gesundheit

Wien (OTS) - Der Welttag der seelischen Gesundheit wurde 1992 von der WHO ausgerufen, um in der Öffentlichkeit auf die Anliegen seelisch kranker Menschen aufmerksam zu machen. Genauso lang besteht der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP). Die dringlichen Forderungen nach flächendeckender psychotherapeutischer Behandlung auf Krankenschein und Erleichterung des Zugangs durch Erhöhung des Krankenkassenzuschusses stehen auch am Tag der seelischen Gesundheit an erster Stelle.

Seelische Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit

Jeder vierte Österreicher hat das Risiko, zumindest einmal in seinem Leben an einer psychischen Störung zu erkranken oder an einem massiven psychischen Problem zu leiden. Österreich erreicht einen Versorgungsgrad von gerade 0,5 Prozent der Bevölkerung. Bei Kindern und Jugendlichen liegen wir etwa bei 0,3 Prozent. Im Vergleich dazu erreicht Deutschland 2,6 Prozent. Der Bedarf liegt laut internationaler Studien aber bei 2,1 bis 5 Prozent.

Psychische Erkrankungen nehmen deutlich zu und sind die Hauptgründe für längeren Krankenstand bzw. Invaliditätspension. Der volkswirtschaftliche Schaden dieser Entwicklung ist enorm und übertrifft die Kosten für die erforderliche Psychotherapie um ein Vielfaches. Seit den 1990er Jahren hat sich die Zahl der Krankenstände wegen psychischer Probleme verdoppelt. Psychische Erkrankungen sind mittlerweile - laut WIFO Report - bei den österreichischen Männern die zweithäufigste und bei Frauen die häufigste Ursache für Invaliditätspension. Die diesbezüglich geschätzten Kosten belaufen sich auf 2,8 Mrd. Euro.

"Depression, Angst, Burn-Out und andere seelische Erkrankungen dürfen kein Tabu mehr darstellen. Verstecken oder Unterdrücken ist keine Lösung, denn je früher man diese Erkrankungen erkennt und behandeln lässt, desto größer ist die Heilungschance", betont Frau Dr. Eva Mückstein, Präsidentin des ÖBVP.

Alarmierende Zustände bei Kindern und Jugendlichen

Besonders bedenkliche Zustände herrschen laut der OECD-Studie (Quelle: OECD, September 2009, Doing Better for Children) bei Österreichs Kindern und Jugendlichen. Einige Zahlen in der Studie geben Anlass zur Besorgnis um den seelischen Zustand unserer Jugend. Die Sterblichkeit bei den 15- bis 19-jährigen Jungen liegt deutlich über dem OECD-Schnitt und um fast 40 Prozent höher als in Deutschland bzw. mehr als doppelt so hoch wie in Japan. Auch nehmen österreichische Jugendliche relativ häufig Risiken in Kauf und sind vergleichsweise stark selbstmordgefährdet. Der Anteil der regelmäßigen Raucher der 15-Jährigen liegt mit 27 Prozent um mehr als ein Drittel über dem OECD-Schnitt.

Alkoholkonsum unter unseren 13- bis 15-Jährigen ist weiter verbreitet als im OECD-Mittel. So berichten 22,7 Prozent in Österreich, dass sie schon mindestens zwei Mal betrunken waren, wobei das OECD-Mittel knapp 20 Prozent beträgt. Österreich hat zudem weltweit die sechsthöchste Selbstmordrate unter den 15- bis 19-Jährigen. Auch Mobbing scheint an österreichischen Schulen stärker verbreitet zu sein als im OECD-Schnitt. 16 Prozent der SchülerInnen geben an kürzlich gemobbt worden zu sein (elf Prozent im OECD-Schnitt).

All diese aktuellen Daten geben Anlass zur Sorge um die seelische Gesundheit unserer Jugend und erfordern somit dringenden Handlungsbedarf, was die psychotherapeutische Versorgung in Österreich betrifft.

Gravierende Versorgungsprobleme in Österreich:

  • Nur rund 46.000 Personen sind in Österreich aktuell in psychotherapeutischer Behandlung. Etwa die Hälfte der PatientInnen, die derzeit Psychotherapie in Anspruch nehmen, erbringen hohe Eigenleistungen, weil die Kassen den nicht valorisierten Zuschuss zur psychotherapeutischen Behandlung seit 1992 bei Euro 21,80 eingefroren halten. Die reine Indexanpassung würde heute bereits 31,40 Euro betragen (Quelle: Statistik Austria).
  • Die Kostenerstattung (Erstattung von 80 % des Kassentarifs), wie sie im ASVG für die Psychotherapie vorgesehen ist, wird mit der Refundierungsregelung umgangen. Viele Psychotherapiebedürftige können sich Psychotherapie deshalb nicht leisten.
  • Die Kontingente für "Psychotherapie auf Krankenschein" sind oft schon in der ersten Jahreshälfte ausgeschöpft. Wer im Herbst Psychotherapie braucht, hat oft das Nachsehen! PatientInnen warten - laut Studie des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen (ÖBIG) 2009 - zwischen vier und 30 Wochen auf einen Kassenplatz.

Der ÖBVP fordert daher:

  • Kassenfinanzierte Psychotherapie für alle, die Behandlung brauchen.
  • Sofortige Erleichterung des Zugangs zur Psychotherapie durch Erhöhung des Krankenkassenzuschusses auf 40,- Euro.

Psychotherapie hilft! Unterschriftenaktion für leistbare psychotherapeutische Behandlung

Darauf zielt auch die bundesweite Unterschriftenaktion für das Recht auf leistbare psychotherapeutische Behandlung auf www.psychotherapie.at ab. Der ÖBVP sammelt die Unterstützungserklärungen und leitet sie an den Gesundheitsminister, die politischen Parteien und die Krankenkassen weiter.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP)
www.psychotherapie.at
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F +43 1 512 70 90 44
E oebvp@psychotherapie.at

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