• 08.10.2009, 18:13:36
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"DER STANDARD"-Kommentar: "Charmanter Steuermalus" von Andreas Schnauder

Ausgabe vom 9.10.2009

Wien (OTS) - Mit ein paar weichen Formulierungen versucht der
Arbeitskreis Corporate Governance die Kritik an den Boni-Regelungen
zu parieren. Prämien sollen sich künftig an nachhaltigen Kriterien
orientieren, Abfindungen mit zwei Jahresgehältern limitiert werden.
Und auch sonst gibt es ein paar Korrekturen, die auf einen einfachen
Nenner gebracht werden können: unkonkret - und unverbindlich
obendrein. Ein Feigenblatt, wie Gewerkschafter Wolfgang Katzian
treffend bemerkt.
Der adaptierte Kodex steuert mit der laschen Überarbeitung endgültig
in die Bedeutungslosigkeit, nachdem er schon bisher nicht allzu ernst
genommen worden ist. Nicht gerade förderlich für die Akzeptanz der
Wohlverhaltensregeln ist die Zusammensetzung des für ihn
verantwortlichen Arbeitskreises: Die überrepräsentierten Betriebe
schnapsen sich die Regulierung großteils selbst aus. Unabhängige
Experten sind in der Minderheit, Anlegervertreter fast inexistent,
die Stimme der Arbeitnehmer fehlt gänzlich.
Komposition und Resultat liefern beste Argumente für eine gesetzliche
Regelung - abgesehen von der Notwendigkeit einer demokratischen
Legitimierung und Kontrolle. In einem Aufwaschen könnte dann auch die
steuerliche Berücksichtigung der Bezüge als Betriebsausgabe limitiert
werden. Das hätte im Unterschied zu Gehaltsobergrenzen den Charme,
dass der Aufsichtsrat weiter Spielraum für die Gewährung hoher Bezüge
hätte, freilich ohne Belastung der Steuerzahler. Eine charmante
Version einer Sondersteuer.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

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