- 08.10.2009, 15:28:21
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Honduras schließt Schulen / Massiver Eingriff in Kinderrechte / Kindernothilfe beschließt Nothilfe-Programm
Tegucigalpa/Wien/Duisburg (OTS) - Nachdem der Ausnahmezustand in
Honduras vor zwei Tagen aufgehoben wurde und sich die Situation für
die Straßenkinder leicht verbessert hat, zeichnet sich in dem
krisengeschüttelten lateinamerikanischen Land ein neuer Skandal ab:
Die Regierung unter Interims-Präsident Roberto Micheletti hat
beschlossen, das Schuljahr elf Wochen vor seinem regulären Ende zu
beenden und damit die Kinder und Lehrer für fast fünf Monate in die
Zwangsferien zu schicken.
Für die Kindernothilfe und deren Partner vor Ort ist diese
Entscheidung ein Skandal, weil die Regierung ein politisches Problem
auf dem Rücken der Kinder austrägt. "Die Regierung will sich der
Lehrer - einer wichtigen Oppositionsgruppe - entledigen. Aber die
Leidtragenden sind dabei wieder einmal die Kinder", erklärt Jürgen
Schübelin, Referatsleiter für Lateinamerika und die Karibik bei der
Kindernothilfe. Für die Kinder bedeute die Entscheidung eine massive
Einschränkung ihrer Bildungschancen. "Wenn man den ausgefallenen
Unterricht im Zusammenhang mit den Ausgangssperren und dem verhängten
Ausnahmezustand während der vergangenen Wochen hinzurechnet, wurden
die Mädchen und Buben in einem der ärmsten Länder Lateinamerikas
damit praktisch um ein ganzes Schuljahr betrogen", so Schübelin. "Man
weiß heute, dass Kinder, die ein halbes Jahr nicht zur Schule gehen,
das bis dahin Erlernte fast vollständig wieder vergessen."
Viele der von Kindernothilfe unterstützten Projekte in Honduras
bilden schon jetzt Anlaufstellen für Hunderte zusätzlicher Kinder und
Jugendliche. So muss das Straßenkinder-Schutzhausprojekt "Casa
Alianza" in Tegucigalpa muss das seit dem Staatsstreich vom 28. Juni
sehr viel mehr Kinder unterbringen. Kritisch stellt sich die
Situation vor allem auch in den ländlichen Gebieten dar: "Schon jetzt
schicken viele zusätzliche Familien ihre Kinder in die Projekte, weil
sie einfach nicht mehr wissen, was zu tun ist, um die Kinder zu
schützen und ernähren zu können", sagt Jürgen Schübelin.
Derzeit bereitet die Kindernothilfe den Einstieg in ein
überregionales Nothilfe-Programm vor, das den mit Kindernothilfe in
Honduras kooperierenden Nichtregierungsorganisationen und
Kirchengemeinden die Möglichkeit geben soll, während der dekretierten
Zwangsferien mit Stadtteil- und Dorfprogrammen mehrere tausend Kinder
zusätzlich zu erreichen: "Wir wollen versuchen, ein Zeichen zu setzen
und auf das Loch, das die Regierung durch ihre infame Entscheidung im
Blick auf die Bildungschancen der Kinder gerissen hat, aufmerksam
machen und gleichzeitig wirksam etwas unternehmen: Neben
pädagogischer Begleitung werde es unter anderem Essen, Sport- und
Freizeitmöglichkeiten für die Kinder geben."
Rückfragehinweis:
Gottfried Mernyi
Kindernothilfe Österreich - Kommunikation
T: +43 1 5139330-20 DW
M: +43 650 4088073
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