- 04.10.2009, 11:53:09
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Greenpeace-Beschwerde: 99 Gründe gegen Mochovce
UVP-Bericht wirft mehr Fragen auf als er beantwortet
Wien (OTS) - Die Umweltorganisation Greenpeace wird morgen im
Verfahren rundum die Errichtung der Blöcke drei und vier des
slowakischen Atomkraftwerks Mochovce offiziell Beschwerde einlegen.
Nach Durchforsten der UVP-Erklärung der Kraftwerksbetreiber bleiben
bei 99 Punkten noch offene Fragen oder unbefriedigende Angaben übrig.
"Diese UVP-Erklärung ist die nächste Verhöhnung der Projektgegner",
kritisiert Greenpeace-Sprecher Jurrien Westerhof. "Bei der Anhörung
in Wien haben die Reaktorbetreiber viel geredet aber nichts erzählt
und auch diese Studie ist dick aber inhaltslos. Kein Wunder, denn die
Betreiber wollen ihr eigenes Projekt ja nicht gefährden".
Die Liste der Kritikpunkte von Greenpeace ist lang. Sie reicht von
der zweifelhaften Reaktorsicherheit bis zu der vermeintlich
umweltfreundlichen Farbe die verwendet werden soll. Hauptproblem an
der Umweltverträglichkeitserklärung ist, dass sie mit dem Ziel
geschrieben wurde, den Reaktoren einen Persilschein auszustellen.
Dadurch werden kritische Fragen nicht beantwortet, sondern ihnen
vielmehr aus dem Weg gegangen.
Die wesentlichen inhaltlichen Kritikpunkte von Greenpeace beziehen
sich auf die fehlenden Untersuchungen nach Alternativen für ein
Atomkraftwerk, auf fehlende Angaben zur Umweltauswirkung von
Uranaufbereitung, Atommülllagerung und -entsorgung, auf fehlende
Angaben zur Sicherheit der Reaktoren etwa bei Flugzeugabstürzen bis
hin zu fehlenden Angaben zur Erdbebensicherheit und zur Verfügbarkeit
von genügend Kühlwasser in Trockenzeiten.
"Wenn die slowakischen Behörden die Umweltverträglichkeitsprüfung
ernst nehmen, und wenn sie bei den Nachbarstaaten den Eindruck wecken
wollen, dass das Verfahren fair ist, dann müssen sie den Bericht als
ungenügend zurückweisen und eine neue Prüfung in die Wege leiten",
fordert Westerhof. "So lange noch kein Ergebnis vorliegt, darf auf
der Baustelle nicht gearbeitet werden."
Greenpeace ruft die österreichische Baufirma Strabag und deren
Geschäftsführer Hans-Peter Haselsteiner auf, sich aus dem Projekt
zurückzuziehen. Die Strabag möchte die Anlagen errichten, und ist
derzeit billigster Bieter beim Ausschreibungsverfahren. "Herr
Haselsteiner, sollten Sie es ernst meinen mit der Unterstützung des
Aufbaus einer Zivilgesellschaft, dann dürfen Sie nicht akzeptieren,
dass das wichtige Instrument der Umweltverträglichkeitsprüfung derart
ausgehöhlt wird - gerade bei einem Projekt, in das Sie involviert
sind", stellt Westerhof fest.
Werden in der nächsten Zeit keine signifikanten Nachbesserungen
bei der Umweltverträglichkeitsprüfung umgesetzt, sind für Greenpeace
weitere rechtliche Schritte nicht ausgeschlossen. "Die Studie, die
die Umweltverträglichkeit von Mochovce bescheinigen soll, ist das
Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht", erklärt Jurrien
Westerhof abschließend.
Rückfragehinweis:
Dipl.-Ing. Jurrien Westerhof, Energiesprecher Greenpeace
Tel.: +43 664 612 67 01
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