• 30.09.2009, 18:19:15
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"DER STANRDAR"-Kommentar: "Stronachs gefährlichster Deal" von Walter Müller

Die Opel-Übernahme kann den Magna-Konzern in erhebliche Schwierigkeiten bringen - Ausgabe vom 1.10.2009

Wien (OTS) - Es soll ein Schritt in eine neue Dimension, in ein
neues goldenes Zeitalter von Magna werden. Magna, der
austrokanadische Global Player der Autozulieferbranche, will in
Hinkunft über den Zukauf der Traditionsmarkt Opel eigene Autos bauen.
Aber alles in der Autowelt läuft halt nicht so, wie es sich
Magna-Gründer und Erfinder der Goldenen Regel ("Wer das Gold hat,
macht die Regel, und das bin ich") vorstellt. Die Welt außerhalb des
hermetisch abgeschirmten Magna-Imperiums mit seinen 250
Produktionsstätten verhält sich eben doch nicht immer nach Stronachs
Geboten.
Frank Stronach wurde von den eigenen Großkunden mehrmals dringend vor
der Opel-Übernahme gewarnt. Stronach solle nicht den Schritt zum
eigenen Magna-Auto machen - und somit in Summe zum Konkurrenten zu
werden. Auch sei in Zukunft nicht gesichert, dass Technologien und
geschützte Informationen an Opel weitergegeben werden. Kein Problem,
wischte das Magna-Management die Bedenken stets vom Tisch. Die
Magna-Struktur sei dermaßen sensibel aufgebaut, dass es innerhalb der
Produktionen zu keinerlei Verrat von Technologiegeheimnissen kommen
könne. Zudem würden im Falle Opel eigene Aufsichts- und
Führungsgremien installiert, die unabhängig vom Zuliefergeschäft
agierten. Trotzdem: Man vertraut Magna ganz offensichtlich nicht
mehr.
Als Erstes zeigte VW/Porsche Nerven. Der deutsche Autokonzern drohte
dezidiert an, wichtige Aufträge zu kündigen. Auch BMW äußerte sich
daraufhin sehr kritisch. Jetzt will zudem Chrysler mit einem
Paukenschlag aussteigen und die Produktionen zu Fiat, dem neuen
Chrysler-Eigentümer - der italienische Konzern hatte erfolglos um
Opel mitgepokert -, auslagern. Viel schlimmer als Fiat oder Chrysler
sind natürlich die Abwanderungsabsichten von Porsche/VW zu bewerten.
Denn VW ist der wirklich ganz große Brocken, ein Fundament von Magna.
Die Heimatstadt von Frank Stronach, das steirische Werk in Weiz, ist
zum Beispiel fast zur Gänze von VW abhängig.
Der alte Stronach hat die Lage mehrfach falsch eingeschätzt und läuft
jetzt Gefahr, den ganzen Konzern in Schwierigkeiten zu bringen. Gut
möglich, dass sich der Selfmade-Milliardär mit dieser vermeintlichen
Krönung seines Lebenswerkes mit einem eigenen "Frankie-Car" überhoben
hat. Er hat die Heftigkeit der Reaktionen seiner treuen Großkunden
unterschätzt, aber auch die gewerkschaftliche Gegenwehr und die
Proteste der EU. Magna sieht sich jetzt relativ hilflos - weil
offensichtlich nicht vorbereitet - harten Auseinandersetzungen mit
europäischen Opel-Belegschaftsvertretern konfrontiert. Etwas völlig
Neues für den mit sanften österreichischen Gewerkschaftern verwöhnten
Stronach.
Magna wird kaum in der Lage sein, auch nur ein Werk zuzusperren. Wie
aber die vorhandenen enormen Überkapazitäten in der Autoproduktion
abgebaut werden sollen, darüber rätselt man noch im Magna-Konzern.
Die EU-Kommission hat vor allem auch die Magna-Partnerin beim
Opel-Deal, die russische Sberbank, im Visier. Russland bekomme
taxfrei hochwertige Technologie geliefert, und Europa helfe mit beim
Aufbau eines Konkurrenten direkt vor der Haustüre. Bestärkt werden
derartige Befürchtungen der EU von der Sberbank selbst. Ohne einen
Transfer des technologischen Wissens nach Russland sei das
Opel-Geschäft wertlos, sagte Sberbank-Chef German Gref. Wie sich
Magna hier noch durchlavieren kann, ist völlig offen. Der Konzern hat
wenig Spielraum.
Für Stronach gäbe es übrigens noch eine zweite Goldene Regel, die man
sich in seiner Ex-Heimat Steiermark in solchen Fällen erzählt:
"Schuster, bleib bei deinen Leisten."

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

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