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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Obamas Not" (Von Floo Weissmann)
Ausgabe vom 24.9.2009
Innsbruck (OTS) - Barack Obama hat - wieder einmal - eine
glänzende Rede gehalten, diesmal vor der UNO. Und er ist dabei -
wieder einmal - so vage geblieben, dass die meisten Zuhörer sich mit
dem Gesagten identifizieren können. Es war ein Plädoyer für das
gemeinsame Ringen um eine bessere Zukunft. Schon im Wahlkampf hat
Obama mit ähnlich aufgebauten Reden Begeisterung geweckt, nur waren
mit "wir" damals die Amerikaner angesprochen.
Vor der UNO hat er seinen Appell jetzt auf die gesamte Menschheit
ausgedehnt. Folglich setzt sich auf internationaler Ebene eine aus
dem Wahlkampf bekannte Kritik fort: Damals warfen ihm seine Gegner -
darunter seine jetzige Außenministerin Clinton - vor, er predige zu
viel Poesie und zu wenig Prosa. Und auch jetzt heißt es, die schönen
Reden zerplatzten an der realen Welt. Tatsächlich hat Obama bisher
zwar eine viel bejubelte Kehrtwende in der US-Außenpolitik vollzogen,
aber der Erfolg steht noch aus.
Das Dilemma des amerikanischen Präsidenten bleibt, dass sich die
Hoffnung auf Wandel - in den USA wie in der Welt - zwar mit seiner
Person verbindet. Doch die konkrete Umsetzung des Wandels liegt nicht
allein an ihm, sondern vielmehr an anderen. Ob Klimaschutz,
Abrüstung, Afghanistan oder Iran: Obama braucht das Engagement
anderer Länder ebenso wie die Zustimmung des Kongresses zuhause.
Dafür muss er beharrlich werben, drängen, verhandeln und politische
Kompromisse anbieten.
Letztlich ist es ein Wettlauf gegen die Zeit. Verbraucht Obama sein
politisches Kapital rascher, als er es mit Erfolgen wieder vermehren
kann? Ein Blick zurück in den Wahlkampf zeigt, dass seine wichtigste
Fähigkeit nicht die Rede ist, sondern das schnelle Lernen. Als
Wahlkämpfer hat er zuerst mit Poesie seine Themen platziert und am
Ende die richtige Prosa dazu entwickelt. Als Präsident der Supermacht
steht er noch am Übergang zwischen Poesie und Prosa.
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