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"Die Presse am Sonntag"-Leitartikel: Wo ist Österreichs Angela Merkel? von Rainer Nowak
Ausgabe vom 20.09.2009
Wien (OTS) - Das deutsche politische Personal wirkt dieser Tage
besser als unsere Laurel-&-Hardy-Truppe. Das war nicht immer so. Doch
auch Schüssel, der ganz Große, will an seiner Angela Merkel
gescheitert sein.
Er zierte deutsche Magazine. Er brillierte in TV-Talkshows. Er
posierte mit einem Hinkelstein. Aus Stoff. Es war auch schon so ein
harter Tag.
Wolfgang Schüssel war vor wenigen Jahren ein gefragter Mann beim
nördlichen Nachbarn. Was er nicht selbst abdecken konnte, füllte
Karl-Heinz Grasser mit seiner Frau und deren Glamour in der
"Bild"-Zeitung aus. Heute ist das Interesse an Werner Faymann und
Josef Pröll in deutschen Medien überschaubar. Die "Süddeutsche"
verglich den Kanzlercharme mit jenem eines Autoverkäufers, den
Finanzminister kann man bei all den Onkeln in Österreich leicht
verwechseln.
Hier ist angesichts dieser Laurel-&-Hardy-Koalition aus Verwaltern
und Moderatoren hingegen eine Sehnsucht nach deutschen Verhältnissen
ausgebrochen: Wieso haben wir keine besonnene und - ja! - seriöse
Angela Merkel, die keinen Populismus fürchtet, sondern klar sagt, was
sie will? Die liebe kleine schwarz-gelbe Tiger-Enten-Koalition
nämlich.
Gibt es nur bei uns kein geeignetes politisches weibliches Personal?
Besteht die ÖVP nur aus Männerbünden, die eine solche Frau mit Zug
zur Macht nie so weit kommen lassen würden? Vermutlich beides ein
bisschen. Laut der unterhaltsamen Schüssel-Hagiografie hätte der
damalige ÖVP-Herkules die schwarz-blaue Wende mit einer Kanzlerin
Maria Schaumayer oder Waltraud Klasnic durchziehen wollen. Die
Ex-Nationalbank-Präsidentin sagte jedoch ebenso ab wie die später
gestrauchelte steirische Landeschefin. Beide lehnten ab, für die
Führung einer Regierung mit Jörg Haiders FPÖ brauchte man tatsächlich
eine dicke Haut und einen guten Magen. Wie Schüssel, der ganz Große,
eben.
Womit wir beim nächsten Manko wären: Wieso haben wir keine FDP, die
ein klares liberales wirtschaftspolitisches Modell will? In der FPÖ
ist der (Wirtschafts-)Liberalismus in Spurenelementen messbar, das
BZÖ ist eigentlich keine politische Partei, sondern ein Kulturverein.
Nach der spezifischen Kärntner Definition von Kultur. Wenn der Wirt,
der den Verein führt, Anleihen bei Guido Westerwelle nehmen will, ist
dies putzig und infam zugleich. Natürlich könnte man an dieser Stelle
die alte Klage anstimmen, dass das Land zu konservativ und
obrigkeitshörig für echte Liberale sei. Die einen interpretieren es
deutsch-national wie Ewald Stadler, die anderen kuschelweich wie
Heide Schmidt - übrigens eine Politikerin mit persönlichem Format,
nur ohne politischen Plan.
In der linksliberalen Wiener Blase, der zum Platzen die kritische
Masse fehlt, meinen manche, dass Österreich eine "Linke" mit einem
Alpen-Lafontaine brauche. Denn dann, so die Sandkastenstrategie im
romantischen Rosa-Luxemburg-Licht, würden nicht mehr so viele
Proteststimmen an Heinz-Christian Strache gehen. Schön, warum geben
wir den Wählern nicht gleich Geld, damit sie nicht Strache wählen?
Warum manipulieren wir nicht einfach das Ergebnis? Ist doch für einen
guten Zweck! Nein, in diesem einen Fall erfreuen wir uns an einem
kleinen politischen Standortvorteil, dass uns zumindest das erspart
bleibt. Dafür schätzt Deutschland sicher die Nichtexistenz
beziehungsweise den fehlenden Erfolg eines Herrn Strache.
Geht uns wer ab? Die Grünen haben dort Ecken und Kanten, haben in der
Regierungsverantwortung schon bewiesen, dass sie ihr Parteiprogramm
zumindest kennen. Eva Glawischnig arbeitet noch daran. Laut einer
Umfrage meinen 45 Prozent der Österreicher, dass Glawischnig ihre
Sache schlechter als Alexander Van der Bellen mache. Bemerkenswert:
15 Prozent meinen, sie sei besser. Angesichts der Berichterstattung
nicht so wenig.
Dann wäre da noch der deutsche CDU-Senkrechtstarter
Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der mit seinen
TV-Auftritten Glanz und Eigenverantwortung in deutsche Wohnzimmer
bringt. KTG eben.
Österreichs Benita Ferrero-Waldner unterlag am Samstag Ägyptens
Kulturminister, einen militanten Antisemiten, im Match um die
Unesco-Spitze. Die Ex-Außenministerin hat noch Chancen,
EU-Kommissarin zu werden. Falls es Willi Molterer nicht schafft. Also
nur, wenn zwecks Optik eine Frau gebraucht wird.
Rückfragehinweis:
Die Presse am Sonntag
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