• 16.09.2009, 09:23:49
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  • OTS0037 OTW0037

Naturschutzbund: Grazer Trinkwasser in Gefahr!

Graz (OTS) - Graz, am 16. 9. 2009 - Wasserkraftwerke an der Mur
gefährden Trinkwasserressourcen von Graz. Interne Papiere decken die
möglichen Auswirkungen der geplanten Wasserkraftwerke Gössendorf und
Stübing auf. In einer Stellungnahme warnt jetzt sogar die Graz AG vor
chemischer Verunreinigung, bakteriologischer Verseuchung bis hin zu
einem Totalausfall der Wasserwerke Feldkirchen und Friesach. "Ein
gänzlicher Ausfall des als Reserve dienenden Wasserwerks Feldkirchen
durch den Bau des KW Gössendorf reduziert die Versorgungssicherheit
bei einem großen Störfall, wie dem Ausfall der Transportleitung
Friesach-Graz, derart, dass eine Versorgung kaum mehr aufrecht zu
erhalten ist", so die Graz AG. Jetzt liegt der Ball bei der Politik -
der Grazer Gemeinderat stellt am 24. September 2009 die Weichen für
den Bau des Kraftwerks Gössendorf und entscheidet somit über das
Experiment mit unserem Trinkwasser und unserer Zukunft.

Bis jetzt können die Grazerinnen und Grazer ihr Trinkwasser noch
unbehandelt in seiner reinsten Form genießen. Wie jetzt an die
Öffentlichkeit geratene Papiere beweisen, ist unser Trinkwasser
jedoch massiv bedroht. Zwei der Kraftwerkspläne der Energiekonzerne
Steweag-Steg & Verbund bedrohen aktuell die Trinkwasserversorgung der
Stadt Graz. Das Kraftwerk Stübing sowie das Kraftwerk Gössendorf
sollen in unmittelbarer Nähe der Wasseranlagen Friesach und
Feldkirchen der Graz AG errichtet werden. In einem Positionspapier
der Graz AG Wasser zeigen DI Helmut Nickl, Direktor des Bereichs
Wasser in der Graz AG und DI Dr. Harald Schmölzer, Leiter der Prüf-
und Überwachungsstelle des Wasserlabors der Graz AG, nun die
gravierenden Gefahren für das Grazer Trinkwasser durch die beiden
geplanten Wasserkraftwerke an der Mur auf.

Sowohl während der Bauphase als auch während des Betriebs der
Wasserkraftwerke kann es zu folgenden gefährlichen Auswirkungen auf
die Wasseranlagen, aus denen das Grazer Trinkwasser gewonnen wird,
kommen:
- Bakteriologische Verseuchung
- Chemische Verunreinigung durch Schwermetalle wie z.B. Mangan
oder Eisen
- Sauerstoffzehrung
- Reduktion der Versorgungssicherheit der Grazer Wasserversorgung
- Auswirkungen auf die Quantität der Trinkwasserversorgung der
Stadt Graz
- Veränderung des Grundwassers im Bereich der Wasserwerke der Graz
AG
- Versickerung von Rohwasser im Bereich der Wasserwerke der Graz AG
Diese möglichen Auswirkungen sind laut Stellungnahme der Graz AG, nur
schwer kalkulierbar und stellen eine direkte Bedrohung für das
Trinkwassersystem der Stadt Graz dar. Zwar bezeichnet die Graz AG das
Risiko als gering, im Schadensfall wären die Auswirkungen für die
Stadt Graz hingegen immens. Bedrohliche Auswirkungen auf die
Gesundheit der Grazer Bevölkerung bzw. ein Ausfall der
Trinkwasserversorgung der Stadt Graz durch die Graz AG wären mögliche
Folgen. Kleinkinder und ältere Menschen reagieren dabei besonders
sensibel auf Verunreinigungen des Trinkwassers.
Vergiftungserscheinungen durch chemische Verunreinigungen oder
Infektionen durch bakteriologische Verseuchung können zu
lebensbedrohlichen Situationen führen.

Stadt Graz muss handeln!
Bereits am 24. September 2009 will die Stadt Graz unter Führung von
Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl, Vorsitzender des Aufsichtsrates
der Graz AG und Lisa Rücker, Vizebürgermeisterin und stellvertretende
Vorsitzende des Aufsichtsrates der Graz AG, auf gewisse Rechte der
Stadt Graz an Grundstücken der Grazer Bau- und
Grünlandsicherungs-ges.m.b.H. (kurz GBG) verzichten. Diese umfassen
unter anderem das Vorkaufsrecht und Wiederkaufsrecht der Stadt Graz.
Diese Grundstücke der GBG sind für die Steweag-Steg und den Verbund
für den Bau der Kraftwerke unverzichtbar.

Durch diesen Verzicht nimmt die Stadt Graz billigend in Kauf, dass
unser wertvolles Grazer Trinkwasser in Zukunft möglicherweise nicht
mehr in gewohnter Form genießbar sein wird.
Die Versorgungssicherheit der Grazer Bevölkerung durch die Graz AG
ist unter Umständen nicht mehr zu 100% gewährleistet. Zudem besteht
die Gefahr, dass unser Trinkwasser auf chemischen oder anderen Wegen
aufbereitet werden muss.

Die Politik der Stadt Graz, allen voran Bürgermeister Mag. Siegfried
Nagl, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Graz AG, und Lisa Rücker,
Vizebürgermeisterin und Vizevorsitzende des Aufsichtsrates der Graz
AG auf, ist daher gefordert alles zu tun um eine etwaige
Verschlechterung der Trinkwasserversorgung der Grazer Bevölkerung zu
verhindern.

Rückfragehinweis:
Kontakt: Markus Ehrenpaar, Geschäftsführer des Naturschutzbundes Steiermark, Tel. 0316/32 23 77 oder 0664/40 77 133

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