Naturschutzbund: Grazer Trinkwasser in Gefahr!

Graz (OTS) - Graz, am 16. 9. 2009 - Wasserkraftwerke an der Mur gefährden Trinkwasserressourcen von Graz. Interne Papiere decken die möglichen Auswirkungen der geplanten Wasserkraftwerke Gössendorf und Stübing auf. In einer Stellungnahme warnt jetzt sogar die Graz AG vor chemischer Verunreinigung, bakteriologischer Verseuchung bis hin zu einem Totalausfall der Wasserwerke Feldkirchen und Friesach. "Ein gänzlicher Ausfall des als Reserve dienenden Wasserwerks Feldkirchen durch den Bau des KW Gössendorf reduziert die Versorgungssicherheit bei einem großen Störfall, wie dem Ausfall der Transportleitung Friesach-Graz, derart, dass eine Versorgung kaum mehr aufrecht zu erhalten ist", so die Graz AG. Jetzt liegt der Ball bei der Politik -der Grazer Gemeinderat stellt am 24. September 2009 die Weichen für den Bau des Kraftwerks Gössendorf und entscheidet somit über das Experiment mit unserem Trinkwasser und unserer Zukunft.

Bis jetzt können die Grazerinnen und Grazer ihr Trinkwasser noch unbehandelt in seiner reinsten Form genießen. Wie jetzt an die Öffentlichkeit geratene Papiere beweisen, ist unser Trinkwasser jedoch massiv bedroht. Zwei der Kraftwerkspläne der Energiekonzerne Steweag-Steg & Verbund bedrohen aktuell die Trinkwasserversorgung der Stadt Graz. Das Kraftwerk Stübing sowie das Kraftwerk Gössendorf sollen in unmittelbarer Nähe der Wasseranlagen Friesach und Feldkirchen der Graz AG errichtet werden. In einem Positionspapier der Graz AG Wasser zeigen DI Helmut Nickl, Direktor des Bereichs Wasser in der Graz AG und DI Dr. Harald Schmölzer, Leiter der Prüf-und Überwachungsstelle des Wasserlabors der Graz AG, nun die gravierenden Gefahren für das Grazer Trinkwasser durch die beiden geplanten Wasserkraftwerke an der Mur auf.

Sowohl während der Bauphase als auch während des Betriebs der Wasserkraftwerke kann es zu folgenden gefährlichen Auswirkungen auf die Wasseranlagen, aus denen das Grazer Trinkwasser gewonnen wird, kommen:
- Bakteriologische Verseuchung
- Chemische Verunreinigung durch Schwermetalle wie z.B. Mangan oder Eisen
- Sauerstoffzehrung
- Reduktion der Versorgungssicherheit der Grazer Wasserversorgung - Auswirkungen auf die Quantität der Trinkwasserversorgung der Stadt Graz
- Veränderung des Grundwassers im Bereich der Wasserwerke der Graz AG
- Versickerung von Rohwasser im Bereich der Wasserwerke der Graz AG Diese möglichen Auswirkungen sind laut Stellungnahme der Graz AG, nur schwer kalkulierbar und stellen eine direkte Bedrohung für das Trinkwassersystem der Stadt Graz dar. Zwar bezeichnet die Graz AG das Risiko als gering, im Schadensfall wären die Auswirkungen für die Stadt Graz hingegen immens. Bedrohliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Grazer Bevölkerung bzw. ein Ausfall der Trinkwasserversorgung der Stadt Graz durch die Graz AG wären mögliche Folgen. Kleinkinder und ältere Menschen reagieren dabei besonders sensibel auf Verunreinigungen des Trinkwassers. Vergiftungserscheinungen durch chemische Verunreinigungen oder Infektionen durch bakteriologische Verseuchung können zu lebensbedrohlichen Situationen führen.

Stadt Graz muss handeln!
Bereits am 24. September 2009 will die Stadt Graz unter Führung von Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Graz AG und Lisa Rücker, Vizebürgermeisterin und stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates der Graz AG, auf gewisse Rechte der Stadt Graz an Grundstücken der Grazer Bau- und Grünlandsicherungs-ges.m.b.H. (kurz GBG) verzichten. Diese umfassen unter anderem das Vorkaufsrecht und Wiederkaufsrecht der Stadt Graz. Diese Grundstücke der GBG sind für die Steweag-Steg und den Verbund für den Bau der Kraftwerke unverzichtbar.

Durch diesen Verzicht nimmt die Stadt Graz billigend in Kauf, dass unser wertvolles Grazer Trinkwasser in Zukunft möglicherweise nicht mehr in gewohnter Form genießbar sein wird.
Die Versorgungssicherheit der Grazer Bevölkerung durch die Graz AG ist unter Umständen nicht mehr zu 100% gewährleistet. Zudem besteht die Gefahr, dass unser Trinkwasser auf chemischen oder anderen Wegen aufbereitet werden muss.

Die Politik der Stadt Graz, allen voran Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Graz AG, und Lisa Rücker, Vizebürgermeisterin und Vizevorsitzende des Aufsichtsrates der Graz AG auf, ist daher gefordert alles zu tun um eine etwaige Verschlechterung der Trinkwasserversorgung der Grazer Bevölkerung zu verhindern.

Rückfragen & Kontakt:

Kontakt: Markus Ehrenpaar, Geschäftsführer des Naturschutzbundes Steiermark, Tel. 0316/32 23 77 oder 0664/40 77 133

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