DER STANDARD-Kommentar: "Zu leicht gemacht" von Gerald John

Ausgabe vom 8.9.2009

Wien (OTS) - Eine Sozialdemokratin als Spekulantin: Peinlicher
gehts in Zeiten der Finanzkrise kaum. Kein Wunder, dass die Opposition versucht, Unterrichtsministerin Claudia Schmied diesen Ruf umzuhängen, weil sie einst im Vorstand der später kriselnden Kommunalkredit-Bank saß. Die SPÖ-Politikerin wehrt sich: Sowohl die Beinahe-Pleite als auch alle juristisch relevanten Vorwürfe fielen in die Jahre nach ihrer Amtszeit. Damit hat Schmied nach derzeitigem Wissensstand recht - und macht es sich trotzdem allzu einfach. Weil sie ein Rädchen in einem System war, das gerade Sozialdemokraten mit moralischem Unterton anprangern.
Es lief in der Kommunalkredit wohl ab, wie in vielen anderen Banken:
Während sich jeder vernünftige Bauer bewusst ist, dass eine Ernte auch einmal schlechter ausfallen kann als im Vorjahr, ist diese Erkenntnis in der boomenden Finanzwelt weitgehend abhanden gekommen. Im Glauben an ewig wachsende Rendite floss immer mehr Geld in immer kompliziertere Spekulationsgeschäfte, deren Risiken die Banker selbst nur mehr begrenzt abschätzen konnten. Bis die ersten Pleiten eine Kettenreaktion auslösten.
Schon unter Schmied hat die Kommunalkredit laut einem Gutachten von Wirtschaftsprüfern in überdurchschnittlichem Ausmaß auf jenen Typus von Geldgeschäften gesetzt, der die Bank später ins Trudeln gebracht hat. Die Bewertungen durch die Ratingagenturen mögen sichere Deals versprochen haben, doch ein hochbezahltes Vorstandsmitglied sollte Risiken auch hinterfragen. Denn Warnungen vor der Labilität des Finanzmarkts gab es nicht erst seit der Krise.

Rückfragen & Kontakt:

DER STANDARD
Newsroom 01 531 70-445

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PST0001