• 04.09.2009, 10:43:27
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Maier: Kriegsverbrechen deutscher Gebirgsjäger - Versäumnisse der Justiz endlich korrigieren

Parlamentarische Anfrage zum Massenmord auf Kefalonia/September 1943

Wien (SK) - "Gebirgsjäger, insbesondere die 1. Gebirgsdivision der
deutschen Wehrmacht, haben sich als 'Hitlers Elitesoldaten' in den
Angriffs- und Vernichtungskriegen Nazideutschlands schwerster
Verbrechen an unschuldigen Zivilisten und wehrlosen Kriegsgefangenen
schuldig gemacht. Bis heute wurde noch nie ein Gebirgsjäger der 1.
Division, trotz zahlreich dokumentierter grausamster
Kriegsverbrechen, vor einem Gericht angeklagt und verurteilt",
erklärte SPÖ-Abgeordneter Johann Maier am Donnerstag gegenüber dem
SPÖ-Pressedienst. Maier hat an die Bundesministerin für Justiz,
Claudia Bandion-Ortner, eine parlamentarische Anfrage mit 37
Detailfragen eingebracht, die aufklären soll, wieso die Justiz eine
Verfolgung der Täter bis heute verabsäumt hat, obwohl viele
namentlich bekannt sind und Protokolle und Zeugenaussagen vorhanden
sind. ****

Unfassbare Massaker an unschuldigen Zivilisten, Frauen und Kindern
in griechischen, montenegrinischen, serbischen und albanischen
Ortschaften sowie Massentötungen von entwaffneten italienischen
Kriegsgefangenen auf der griechischen Insel Kefalonia wurden von
Angehörigen der 1. Gebirgsdivision verbrochen. Kein ehemaliger
Gebirgsjäger aus Deutschland oder Österreich wurde dafür zur
Verantwortung gezogen, kein Opfer - oder deren Angehörige - haben je
eine Entschädigung erhalten.

"Die ionische Insel Kefalonia war im September 1943 Tatort des
wohl größten 'Einzelkriegsverbrechens' der deutschen Wehrmacht im 2.
Weltkrieg. Tausende italienische Soldaten der Division Aqui, die sich
ergeben und ihre Waffen niedergelegt hatten, wurden auf
ausdrücklichen Führerbefehl niedergemetzelt, erschossen und dabei
sogar noch ihrer Wertsachen beraubt. Ein Massenmord an unbewaffneten
und wehrlosen Soldaten, der seinesgleichen sucht", so Maier.

"Zahlreiche Österreicher (1943: 3.401) waren Angehörige der 1.
Gebirgsdivision. Die Rolle dieser Gebirgsjäger sowie deren weitere
berufliche Entwicklung und Karrieren in der Nachkriegszeit wurden
bisher weder historisch noch juristisch aufgearbeitet", betonte
Maier. 2008 veröffentlichte Hermann Frank Mayer die erste umfassende
Darstellung der Kriegsverbrechen der 1. Gebirgs-Division im 2.
Weltkrieg. "Im Buch 'Blutiges Edelweiß' sind akribisch genau Quellen
und Dokumente der Gräueltaten belegt, die von den Gebirgsjägern in
Griechenland, Südalbanien sowie Serbien begangen wurden.
Verantwortliche Offiziere und Soldaten werden namentlich genannt", so
Maier.

"Es sind durch das Buch von Hermann Frank Mayer nicht nur
Einzelheiten der Verbrechen bekannt, sondern auch die Namen der
beteiligten Gebirgsjäger. Es liegt daher allein an der
österreichischen Justiz gegen die noch lebenden Gebirgsjäger, die an
diesen Verbrechen beteiligt waren, wegen nicht verjährter Straftaten
vorzugehen. Die Justizversäumnisse der letzten Jahrzehnte müssen
endlich korrigiert werden", forderte der SPÖ-Abgeordnete
abschließend. (Schluss) bg/mp

Die parlamentarische Anfrage kann im SPÖ-Parlamentsklub unter Tel.
40110/3570 angefordert werden.

Rückfragehinweis:
SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Tel.: 01/53427-275,
Löwelstraße 18, 1014 Wien, http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493

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