- 01.09.2009, 17:59:04
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DER STANDARD-Kommentar "Sky Europe 2001-2009" von Claudia Ruff
Das Ende der Billig-Airline erspart AUA & Co nicht das radikale Umdenken //(Ausgabe vom 2.9.2009)
Wien (OTS) - Sky Europe ist Geschichte: Zu wenig Geld, zu wenige
Passagiere, keine Strategie und die falschen Eigentümer. Geboren am
11. September 2001, gestorben am 1. September 2009. Die
Hinterlassenschaft: verärgerte Passagiere und eine zuweilen wütende
Konkurrenz ob des Preisdumpings. Kaum jemand weint ihr eine Träne
nach. Ein Teil der Passagiere wird künftig mit AUA, Air Berlin oder
Niki fliegen, und jene, die nur um elf Euro abheben wollen, werden
wohl nicht mehr fliegen können. Man könnte auch Marktbereinigung dazu
sagen.
Die Wirtschaftskrise zwingt derzeit alle in die Knie. Sämtliche
Geschäftseinbrüche der vergangenen Jahre infolge der Golfkriege, der
Terroranschläge in den USA oder der Infektionskrankheit Sars haben
die Airlines irgendwie überlebt. Nur jetzt ist alles anders, und die
Fluggesellschaften müssen umdenken - und zwar radikal. Neu an der
jetzigen Situation ist, dass der Markt selbst mit billigen
Preisaktionen nicht mehr zu stimulieren ist, die Passagiere blieben
einfach aus, oder sie wanderten von der Premium-Class auf die
hinteren, billigeren Economy-Class-Sitze.
Damit bekamen auch Billig-Airlines plötzlich Konkurrenz von den
Netzwerkcarriern, die zwar zu höheren Kosten produzieren, aber
meistens einen längeren Atem haben, um die Preisschlacht auszuhalten.
Sky Europe versuchte es mit immer billigeren Tickets und scheiterte,
weil eben die Nachfrage eingebrochen ist. Große wie Ryanair, Easyjet
oder Air Berlin überleben, dank ausgeklügelter Strategie und großer
Heimatmärkte mit hohem Passagieraufkommen. Eine Sky Europe oder eine
AUA und alle anderen kleinen noch nationalen Airlines haben diese
großen Heimatmärkte nicht. Und selbst wenn eine Sky Europe billiger
produziert, ihr fehlt die kritische Masse, um sich behaupten zu
können.
Wenn es eine AUA mit 100 Fliegern nicht schafft, wie soll es Sky
Europe mit zehn Maschinen schaffen? Noch dazu, wo die Strecken
Richtung Osteuropa komplett weggebrochen sind. Bei Sky Europe kam
dazu, dass ihre Eigentümer Finanzinvestoren waren, wie der
US-Pensionsfonds York. Finanzinvestoren haben keine Strategie, sie
wollen nur Geld verdienen oder benutzten die Airline eine Zeit lang
als Abschreibposten. Bis auch das zu teuer wurde.
Und warum steigt dann eine Lufthansa jetzt bei der AUA ein, fragen
sich viele? Antwort: Weil die Lufthansa den Markt kauft und nicht die
Airline. Anders als Sky Europe ist bei der AUA eine gute Substanz
vorhanden, bloß sie produziert zu teuer, und ihr fehlte der Vertrieb.
Daher gibt es derzeit nur ein Hauptthema im Airlinebusiness: Die
Kosten müssen runter. Wenn die Premiumkunden, was anzunehmen ist, in
absehbarer Zeit nur mehr auf den hinteren, billigeren Sitzen Platz
nehmen oder zu Billig-Airlines wechseln, dann müssen sich die
Netzwerkcarrier Antworten überlegen. Vielleicht wird es die
Business-Class künftig nur mehr von und zu den Drehkreuzflughäfen in
Europa geben und überall anders gestrichen. Gespart wird bereits beim
Catering, die Zahl der Flieger reduziert. Mit den Lieferanten und
Partnern werden neue (günstigere) Verträge ausgehandelt und mit den
Mitarbeitern neue Vereinbarungen getroffen. Bis vor geraumer Zeit war
es ja auch undenkbar, dass eine British Airways ins Schleudern kommt.
Jetzt ist es so weit. Solange es London gutging, ging es auch der
Airline gut, jetzt fehlen ihr die jettenden Business-Leute vor allem
Richtung Übersee.
So wie Sky Europe will niemand enden: pleite, ohne jemals Geld
verdient zu haben. Zuletzt wurden auch die Passagiere an der Nase
herumgeführt. Es wurde ihnen das Blaue vom Himmel versprochen, bis
das Vertrauen weg war.
Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70/445
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