- 28.08.2009, 09:00:00
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Strukturwandel könnte durch bessere Rahmenbedingungen für Innovationen beschleunigt werden
Wien (WIFO) -
In den hochentwickelten Industrieländern vollzieht sich ein
Strukturwandel hin zu ausbildungsintensiveren Wirtschaftszweigen.
Dieser Prozess ist auch in Österreich zu beobachten, er verläuft aber
verzögert und langsamer als in den meisten Ländern der EU 15. Um ihn
zu beschleunigen, sollten die Rahmenbedingungen für Innovationen
verbessert werden. Insbesondere Indikatoren für Bildung,
Innovationsfinanzierung und Wettbewerbsfähigkeit zeigen einen
deutlichen Rückstand gegenüber den mit Österreich vergleichbaren
kleinen Innovationsspitzenreitern Dänemark, Finnland, Schweden und
Schweiz.
Das ist eine der Hauptaussagen der Systemevaluierung der
österreichischen Forschungsförderung und -finanzierung, die das WIFO
gemeinsam mit convelop, KMFA und Prognos AG für das Bundesministerium
für Verkehr, Technologie und Innovation und das Bundesministerium für
Wirtschaft, Familie und Jugend durchgeführt hat. Seit den
1990er-Jahren stiegen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung im
Verhältnis zum BIP (F&E-Quote) in Österreich stark, sodass sich die
Technologieintensität der Wirtschaft erhöhte. Eine Reihe von
Innovationsindikatoren bestätigen das Bild, dass Österreich den
technologischen Aufholprozess abgeschlossen hat und sich in einem
Umbruch hin zu einer Volkswirtschaft befindet, in der Wachstum durch
Wissenschaft, Technologie und Innovation getrieben wird. Das
"österreichische Strukturparadoxon" - hohes Einkommen trotz geringer
Innovationsintensität - löst sich nunmehr von zwei Seiten auf: der
traditionelle Wachstumsvorsprung ging verloren, während die
Strukturlücke durch den Wandel der Branchenspezialisierung - mit
Ausnahme ausbildungsintensiver Wirtschaftszweige - verringert wurde.
Risken für das Innovationssystem bestehen in der weiterhin hohen
Auslandsfinanzierung der F&E-Tätigkeit: Die Abwanderung nur weniger,
großer Unternehmen würde die Innovationsaktivitäten in Österreich
erheblich schwächen. Defizite sind u. a. im geringen Export- und
Beschäftigungsanteil wissensintensiver Dienstleistungsbranchen sowie
in der geringen Zahl innovativer Klein- und Mittelbetriebe zu
beobachten. Diesen Risken und Defiziten könnte u. a. durch eine
Optimierung der Rahmenbedingungen für Innovationen begegnet werden.
Die Reform der Rahmenbedingungen kann die Effektivität der
spezifischen Instrumente der Innovationspolitik - etwa
Förderprogramme - stark steigern. Sie wäre sehr wichtig für die
weitere Entwicklung von F&E-Förderprogrammen in Richtung einer
Frontrunner-Strategie, die Förderung von Dienstleistungsinnovationen,
für Maßnahmen zur Steigerung der Innovationstiefe (grundlegende
Innovationen) sowie zur Forcierung des Strukturwandels in Richtung
innovations- und ausbildungsintensiver Sektoren und letztlich für
Programme zur Förderung spezifischer Anliegen der Innovationspolitik
(Zahl der Frauen in Forschung und Entwicklung, Zahl und Wachstum
junger, innovationsorientierter Unternehmen, Wissenstransfer aus
Universitäten).
Vor dem Hintergrund der Belastung der öffentlichen Haushalte durch
die aktuelle Wirtschaftskrise wäre insbesondere eine
Regulierungsreform sehr kosteneffektiv; die Einführung eines
Gemeinschaftspatents in der EU würde Unternehmen z. B. helfen, die
Patentierungskosten zu senken. Auch eine Reform der
Gründungsregulierung oder der gesetzlichen Grundlagen für
Innovationsfinanzierung (Risikokapital) und Wettbewerbspolitik sind
kosteneffektive Instrumente der Innovationsförderung. Die oberste
Reformpriorität wird jedoch dem Bildungssystem zugemessen.
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
8/2009
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=36365&typeid=8&
display_mode=2)
Rückfragehinweis:
Dr. Andreas Reinstaller
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-305 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]
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