Strukturwandel könnte durch bessere Rahmenbedingungen für Innovationen beschleunigt werden

Wien (WIFO) - In den hochentwickelten Industrieländern vollzieht sich ein Strukturwandel hin zu ausbildungsintensiveren Wirtschaftszweigen. Dieser Prozess ist auch in Österreich zu beobachten, er verläuft aber verzögert und langsamer als in den meisten Ländern der EU 15. Um ihn zu beschleunigen, sollten die Rahmenbedingungen für Innovationen verbessert werden. Insbesondere Indikatoren für Bildung, Innovationsfinanzierung und Wettbewerbsfähigkeit zeigen einen deutlichen Rückstand gegenüber den mit Österreich vergleichbaren kleinen Innovationsspitzenreitern Dänemark, Finnland, Schweden und Schweiz.

Das ist eine der Hauptaussagen der Systemevaluierung der österreichischen Forschungsförderung und -finanzierung, die das WIFO gemeinsam mit convelop, KMFA und Prognos AG für das Bundesministerium für Verkehr, Technologie und Innovation und das Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend durchgeführt hat. Seit den 1990er-Jahren stiegen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Verhältnis zum BIP (F&E-Quote) in Österreich stark, sodass sich die Technologieintensität der Wirtschaft erhöhte. Eine Reihe von Innovationsindikatoren bestätigen das Bild, dass Österreich den technologischen Aufholprozess abgeschlossen hat und sich in einem Umbruch hin zu einer Volkswirtschaft befindet, in der Wachstum durch Wissenschaft, Technologie und Innovation getrieben wird. Das "österreichische Strukturparadoxon" - hohes Einkommen trotz geringer Innovationsintensität - löst sich nunmehr von zwei Seiten auf: der traditionelle Wachstumsvorsprung ging verloren, während die Strukturlücke durch den Wandel der Branchenspezialisierung - mit Ausnahme ausbildungsintensiver Wirtschaftszweige - verringert wurde.

Risken für das Innovationssystem bestehen in der weiterhin hohen Auslandsfinanzierung der F&E-Tätigkeit: Die Abwanderung nur weniger, großer Unternehmen würde die Innovationsaktivitäten in Österreich erheblich schwächen. Defizite sind u. a. im geringen Export- und Beschäftigungsanteil wissensintensiver Dienstleistungsbranchen sowie in der geringen Zahl innovativer Klein- und Mittelbetriebe zu beobachten. Diesen Risken und Defiziten könnte u. a. durch eine Optimierung der Rahmenbedingungen für Innovationen begegnet werden.

Die Reform der Rahmenbedingungen kann die Effektivität der spezifischen Instrumente der Innovationspolitik - etwa Förderprogramme - stark steigern. Sie wäre sehr wichtig für die weitere Entwicklung von F&E-Förderprogrammen in Richtung einer Frontrunner-Strategie, die Förderung von Dienstleistungsinnovationen, für Maßnahmen zur Steigerung der Innovationstiefe (grundlegende Innovationen) sowie zur Forcierung des Strukturwandels in Richtung innovations- und ausbildungsintensiver Sektoren und letztlich für Programme zur Förderung spezifischer Anliegen der Innovationspolitik (Zahl der Frauen in Forschung und Entwicklung, Zahl und Wachstum junger, innovationsorientierter Unternehmen, Wissenstransfer aus Universitäten).

Vor dem Hintergrund der Belastung der öffentlichen Haushalte durch die aktuelle Wirtschaftskrise wäre insbesondere eine Regulierungsreform sehr kosteneffektiv; die Einführung eines Gemeinschaftspatents in der EU würde Unternehmen z. B. helfen, die Patentierungskosten zu senken. Auch eine Reform der Gründungsregulierung oder der gesetzlichen Grundlagen für Innovationsfinanzierung (Risikokapital) und Wettbewerbspolitik sind kosteneffektive Instrumente der Innovationsförderung. Die oberste Reformpriorität wird jedoch dem Bildungssystem zugemessen.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 8/2009
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=36365&typeid=8&
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Dr. Andreas Reinstaller
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