• 16.08.2009, 17:50:25
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DER STANDARD-Kommentar "Mehr Gebühren für den ORF" von Harald Fidler

SPÖ und ÖVP sollten die Zukunft der Anstalt grundsätzlicher angehen

Wien (OTS) - Rupert Murdoch, der globale Medienmulti, muss
Alexander Wrabetz beneiden. Müsste er jedenfalls, wenn er weiß, was
ORF bedeutet und wer Wrabetz ist. Auch Springer-Chef Mathias Döpfner
könnte Neid fressen, und WAZ-Boss Bodo Hombach.
Murdoch hat die Medienbranche rund um die Welt gerade wieder über
Tage damit beschäftigt, dass er seine Online-Inhalte nicht mehr
kostenlos anbieten will. Schluss mit der "Gratiskultur", hoffen
Döpfner und Hombach. Ab 2010 will Murdoch auch online für The Times
und The Sun und seine australischen Blätter und für die New York Post
Geld. Sein Wall Street Journal tut das längst. Die Werbekrise
beschleunigt Bezahlmodelle.
Was hat das mit dem Chef des Österreichischen Rundfunks zu tun? Wie
seine Kollegen von der BBC und ARD und ZDF und SRG hat er längst ein
- relativ anerkanntes, wenn auch für den Konsumenten nicht
freiwilliges - Bezahlmodell für Inhalte in Fernsehen, Radio, Online:
die Rundfunkgebühren.
2000 nahm der ORF noch ebenso viel aus Gebühren ein wie aus Werbung.
2008 lieferten Spots_&_Co nur noch weniger als die Hälfte der
Empfangsgebühren. Die Konjunktur schlägt sich zwar auch auf die
Gebühren - Arbeitslose sind davon befreit. Aber auch hier bricht
Werbung viel deutlicher ein.
Dramatisch, wie die Kurven von Gebühren und Werbung im ORF
auseinanderstreben, versteht man Überlegungen in der ÖVP: Warum nicht
nachdenken, ob der ORF auch ohne Werbung auskommen kann? Im Fernsehen
oder jedenfalls dem Hauptabendprogramm. Oder online. Oder, darauf kam
die Volkspartei bisher nicht, gar im Radio?
Unmöglich für Josef Cap, die jahrzehntelang bewährte
Schutzmantel_madonna des ORF, und andere Sozialdemokraten. Die
SPÖ-Medienverhandler lassen gleich den davon betroffenen ORF
berechnen, wie unmöglich viel solche Maßnahmen kosteten. 120
Millionen kursieren, bisweilen auch 190.
Ein zentraler Punkt fehlt in der Debatte:_Vielleicht könnten SPÖ und
ÖVP im Bund auf ihre Anteile an den Gebühren im Bund verzichten und
auch ihre Landeshauptleute dazu bewegen. Ersetzt der Bund dem ORF -
wie den Telekoms - noch Befreiungen von den Gebühren, der ORF hätte
einen Entfall der Werbung locker kompensiert. Die Länder müssten eben
Altstadtsanierung, Musikschulen und Brauchtumspflege ehrlicher
finanzieren.
Wenn dann noch jemand den Gebührenzahlern klarmacht, dass sie für
etwas zahlen, das ihnen Privatsender nicht bieten. Und wenn der ORF
tatsächlich solche Inhalte bietet. Dann nähme das viel Quotendruck
von der Anstalt. Die ORF-Führung hält dem Druck ohnehin nicht stand
-siehe bröselnde Marktanteile.
Ein rein aus Gebühren finanzierter ORF wäre der Politik völlig
ausgeliefert? Immer eine Frage der handelnden Personen: Monika
Lindners ORF galt als Regierungsfunk pur. Wrabetz und seinem
Info-Direktor Elmar Oberhauser kann man viel nachsagen - von
Quotenschwund bis zur allzu großen Abhängigkeit von Finanzerträgen.
Aber unabhängiger wirkt seine Information allemal - und der
Gebührenanteil wuchs in der Zeit. Ohne Werbung könnten sich
ORF-Manager auch sparen, Redaktionen um Schonung von Werbekunden zu
bitten. Und vielleicht käme dann Privatfunk auf die Beine, mit oder
ohne deutsche Beteiligung.
SPÖ und ÖVP wollten handstreichartig wie dilettantisch die
ORF-Führung austauschen. Man kann es ihnen nicht verdenken in dieser
Lage des ORF, wiewohl kaum eine der gehandelten Alternativen Rettung
versprach. Nun verlegen sie sich auf Schmalspurreformen. Sie sollten
im Gegenteil grundsätzlicher werden. Sonst rollt - Aua! - noch ein
Multi den Markt auf.

Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70/445

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