"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Fehlstart für eine ganze Generation" (Von Liane Pircher)

Ausgabe vom 15./16. August 2009

Innsbruck (OTS) - In keiner Altersgruppe schlägt die Rezession derzeit so hart zu wie bei jenen, die gerade am Start ihres Erwerbslebens stehen: Allein in Tirol waren Ende Juli 2915 Jugendliche bis 24 Jahre ohne Job - um 36,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Österreichweit ist die Arbeitslosigkeit der 15- bis 24-Jährigen um mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nach oben geschossen. 44.100 Jugendliche in Österreich suchen eine Stelle. Längst nicht nur mehr jene mit brüchigen Schulbiografien oder schlechten Noten. Mittlerweile müssen sich auch Maturanten um Jobs anstellen.

Es ist wohl eine Ironie der Leistungsgesellschaft, dass ausgerechnet jene Generation, die von den Vorderen bildungstechnisch am besten gerüstet wurde, am meisten um ihre Zukunft zittern muss. Eine Generation, die nie eine Welt ohne Internet-Anschluss erlebt und Potenziale neuer Techniken so sehr verinnerlicht hat, dass sie zwischen online und offline nicht groß unterscheidet.

Diese Generation kann viel. Darf aber wenig beweisen. Ihr einziger Fehler ist, dass sie hierzulande zur falschen Zeit das fundamentale Bedürfnis nach Arbeit und Integration hegt. Pech gehabt, könnte man zynisch-nüchtern sagen, dass ausgerechnet jetzt der Arbeitsmarkt von Abwarten bestimmt ist. Pech, dass die politischen und wirtschaftlichen Werkzeuge gegen die Jugendarbeitslosigkeit bis dato wenig effektiv waren. Pech (und eh logisch), dass die Jungen die Ersten sind, die eine Firma verlassen müssen, wenn's eng wird. Sie haben am häufigsten atypische Verträge, damit am wenigsten Schutz und naturgemäß keine finanzielle (Familien-)Verantwortung zu tragen.

Noch scheint das kollektive Gefühl der Chancenlosigkeit unter den Jugendlichen allerdings nicht so groß zu sein. Vielleicht, weil sich viele ins Hotel Mama zurückziehen. Dort wiegt der Stempel des Arbeitslosen weniger. Anders kann man nicht erklären, warum die Jungen bis dato derart unjugendlich pragmatisch auf ihre Situation reagieren. Das könnte schnell kippen. Denn nichts steigert Wut so sehr wie eine anhaltende Ohnmacht und das Gefühl, ohnehin nichts zu verlieren zu haben.

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