- 16.07.2009, 10:23:36
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Direktinvestitionen durchbrechen die 100-Mrd-EUR-Schallmauer
Ergebnisse der Direktinvestitionsbefragung der OeNB 2007
Wien (OTS) - Wie schon die Zahlungsbilanz des Jahres 2007 gezeigt
hatte, war das Jahr, in dem die Subprime-Krise zum Ausbruch kam,
gleichzeitig auch das Jahr mit den höchsten Direktinvestitionen. Die
jüngste Erhebung der Oesterreichischen Nationalbank zum Stand der
Direktinvestitionen zum Jahreswechsel 2007/08 bestätigt dieses
Ergebnis: 1.069 österreichische Investoren hielten zum Stichtag
31.12.2007 knapp 3.700 strategische Firmenbeteiligungen im Ausland im
Wert von 102,5 Mrd EUR. Gegenüber dem Vorjahr war dies eine
wertmäßige Steigerung um mehr als ein Viertel. Eine noch nie da
gewesene Zunahme verzeichnet die OeNB-Statistik auch bei der Anzahl
der Arbeitsplätze in den ausländischen Tochterfirmen: Sie stieg um
nahezu 100.000 (+20%) auf mittlerweile 573.000. Rekordniveau
erreichte mit 9,7 Mrd EUR auch der bilanzielle Jahresgewinn, den die
österreichischen Investoren 2007 erzielen konnten.
Aktive Direktinvestitionen
Im Zentrum der Expansion stand weiterhin die Region Zentral-, Ost-
und Südosteuropa, einschließlich der neuen EU-Mitgliedsländer: Zwei
Drittel der Ausweitung der aktiven Direktinvestitionen entfielen auf
diese Region. Die größte Ausweitung des österreichischen
Direktinvestitionsbestandes verzeichneten 2007 Deutschland (+3,6 Mrd
EUR) und Kroatien (+3,4 Mrd EUR), vor der Türkei (+2,3 Mrd EUR) und
Russland (+1,9 Mrd EUR). Um mehr als 1 Mrd EUR stiegen die
Investitionen darüber hinaus in Ungarn, Kasachstan, der Tschechischen
Republik, der Ukraine, in Bulgarien und in der Slowakei. Unter
Branchengesichtspunkten entfiel die Hälfte des Zuwachses auf Banken
und Versicherungen. Deutliche Ausweitungen gab es weiters bei
Holdings und im Immobiliensektor, bei der Mineralölgewinnung, in der
Papierindustrie und im Maschinenbau.
Die meisten Arbeitsplätze bei österreichischen Auslandstöchtern
gab es 2007 in der Tschechischen Republik (73.000), in Ungarn
(68.000) und in Rumänien (61.000). Auf Platz vier liegt - als
einziges westeuropäisches Land unter den ersten zehn - Deutschland
mit 50.000 Beschäftigten. Es folgen die Slowakei und Russland mit
35.000 und 30.000 Beschäftigten, sowie in absteigender Folge die
Ukraine, Polen, Serbien und Kroatien mit jeweils mehr als 20.000
Beschäftigten.
Sehr gut war 2007 auch die Ertragslage der Auslandsbeteiligungen:
Der bilanzielle Jahresgewinn stieg um mehr als 2 Mrd EUR auf 9,7 Mrd
EUR, was einer Eigenkapitalrendite von mehr als 10 Prozent
entspricht. Mit Ausnahme eines Jahres erwirtschaften die
österreichischen Auslandsbeteiligungen seit dem Berichtsjahr 2003
stets höhere Erträge als die unter Auslandseinfluss stehenden
Beteiligungen im Inland.
Passive Direktinvestitionen
Noch stärker als der Wert der aktiven Direktinvestitionen hat 2007
der Wert der strategischen Unternehmensbeteiligungen des Auslandes in
Österreich zugenommen. Er betrug zum Jahreswechsel 2007/08 108 Mrd
EUR, das waren um 24 Mrd EUR mehr als im Berichtsjahr davor. Dabei
hat jedoch die Anzahl der ausländischen Investoren leicht abgenommen
(auf 2.890), während die Zahl der österreichischen Unternehmen unter
direktem Auslandseinsfluss geringfügig auf 2.486 angestiegen ist.
Ebenfalls leicht rückläufig war die Anzahl der Beschäftigten unter
direktem Auslandseinfluss, die sich 2007 auf 235.000 belief. Die
unterschiedliche Entwicklung von Wert und Beschäftigung bei aktiven
bzw. passiven Direktinvestitionen wird verständlich, wenn man sich in
Erinnerung ruft, dass die mit Abstand bedeutendste Transaktion des
Jahres 2007 die Übertragung der osteuropäischen Beteiligungen der
italienischen UniCredit an die Bank Austria war. Die Statistik
erfasst aktivseitig alle Beschäftigten der osteuropäischen
Bankfilialen, in Österreich hingegen nur jene, die sich in den
zahlenmäßig beschränkten Managementfunktionen befinden.
Am stärksten zugenommen haben 2007 die Direktinvestitionen unter
US-amerikanischem Einfluss, dank der Aktivitäten diverser Private
Equity Funds (+5,1 Mrd EUR), vor jenen Italiens (+4,1 Mrd EUR). Die
Ausweitung des japanischen Eigentums (+3,3 Mrd EUR) ist in erster
Linie eine Folge der Übernahme von British Tobacco, wodurch die
Austria Tabak einem neuen Stammhaus zuzurechnen war, ohne dass eine
Transaktion mit Österreichbezug stattgefunden hätte. Die prominente
Rolle Deutschlands (+3,0 Mrd EUR) entspricht seiner traditionellen
Rolle als wichtigstem ausländischen Kapitalgeber der österreichischen
Wirtschaft. Relativ neu ist das verstärkte Engagement russischer
Investoren (+2,5 Mrd EUR), die damit auf Platz neun unter den
ausländischen Geldgebern vorrücken konnten. Nahezu die Hälfte der
passiven Direktinvestitionen wird mittlerweile über
Holdinggesellschaften abgewickelt, was die Aussagekraft einer
Branchengliederung zunehmend in Frage stellt. Zusätzliches
Auslandskapital floss 2007 jedoch auch in Banken (+4,5 Mrd EUR) und
Handelsunternehmen (+3,2 Mrd EUR).
Auch die passiven Direktinvestitionen erwirtschafteten 2007
Rekordgewinne in der Höhe von 9,1 Mrd EUR, was gegenüber 2006 eine
Zunahme von mehr als 2 Mrd EUR bedeutet.
Fortschreibung 2008
Obwohl die vorläufige Zahlungsbilanz des Jahres 2008 weiterhin
sehr rege Direktinvestitionsaktivitäten ausweist (aktiv 19,3 Mrd EUR;
passiv 9,3 Mrd EUR), dürfte das Wachstum der Bestände deutlich an
Dynamik verloren haben. Durch die Bewertung von börsennotierten
Aktiengesellschaften zu Marktpreisen schlägt sich der Börse-Crash des
Jahres 2008 auch bei den Direktinvestitionen nieder. Angesichts der
Abwertung der Währungen einiger wichtiger Zielländer österreichischer
Direktinvestitionen rechnet die OeNB damit, dass zum Jahreswechsel
2008/09 der Stand aktiver Direktinvestitionen etwa 112 Mrd EUR und
der Bestand passiver Direktinvestitionen 116 Mrd EUR betragen haben
dürfte.
Weitere statistische Informationen unter dieaktuellezahl.oenb.at.
Pressesprecher: Mag. Oliver Huber, Mobil: +43- 664-122 13 76,
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Herausgeber: Oesterreichische Nationalbank, Abteilung für
Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: +43-1-40420-6666
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