- 15.07.2009, 09:00:00
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- OTS0019 OTW0019
EU-Regionalpolitik trägt zum regionalen Ausgleich in Österreich bei
Wien (WIFO) - Empirische Erkenntnisse zu den quantitativen
Wirkungen der EU-Regionalpolitik in Österreich liegen bisher kaum
vor. Zwar entstand im Rahmen des begleitenden Evaluierungsprozesses
der EU-Förderprogramme eine breite Evaluierungsliteratur. Sie
analysiert aber vor allem einzelne Programmlinien im Detail und ist
überwiegend qualitativer Natur. Vor diesem Hintergrund hat das WIFO
versucht, im Rahmen einer Pilotstudie erste Hinweise zu den
quantitativen Wirkungen der EU-Regionalpolitik in Österreich zu
erarbeiten. Demnach lösten die Interventionen des EFRE in Österreich
positive Entwicklungsimpulse in den durch sie geförderten Regionen
aus. Ein positiver Beitrag der EU-Regionalpolitik zum regionalen
Ausgleich in Österreich ist zumindest wahrscheinlich.
Auf der Bezirksebene wurde untersucht, wieweit sich die
Entwicklung in geförderten und nicht geförderten Bezirken im Regime
der EU-Strukturfondsinterventionen seit 1995 systematisch
unterscheidet. Auf der Ebene der Bundesländer ermöglichten
Simulationsrechnungen mit einem gesamtwirtschaftlichen Modell eine
erste direkte Schätzung der quantitativen Effekte von
EU-Förderinitiativen auf regionaler und sektoraler Ebene.
Demnach beschleunigte sich das Beschäftigungswachstum in den
Förderregionen relativ zu den nicht geförderten Bezirken im Regime
der EU-Regionalförderung gegenüber der Phase vor deren
Implementierung statistisch signifikant. Dieser Effekt ist für
ländliche wie verdichtete Förderregionen (Städte, Ballungsgebiete)
gleichermaßen nachweisbar und korreliert mit der Förderhöhe. Das
Beschäftigungswachstum verstärkte sich demnach in der Periode
1995/2007 gegenüber der Periode vor Einsetzen der
EU-Regionalförderung in Bezirken mit Förderstatus um 0,75
Prozentpunkte pro Jahr stärker als in den nicht in Fördermaßnahmen
einbezogenen Gebieten. Der relative Wachstumsimpuls kam dabei vor
allem den Regionen mit hoher Förderintensität zugute.
Gemäß den Simulationen mit dem multiregionalen ökonometrischen
Input-Output-Modell MultiREG haben die Strukturfondsinterventionen
vor allem auf der Nachfrageseite (förderbedingte Erhöhung der
Nachfrage nach Investitionsgütern, Bauleistungen usw.) bedeutende
Multiplikatoreffekte: Ohne Gegenfinanzierung (d. h. ohne Kürzung
anderer öffentlicher Ausgaben zur Finanzierung der Förderungen)
erhöht jeder in den EFRE-Programmen ausgeschüttete Euro die
österreichische Bruttowertschöpfung um 1,5 Euro. Aufgrund der
interregionalen Zuliefer- und Absatzverflechtungen ist die regionale
Verteilung von Mitteleinsatz und Wertschöpfungseffekten aber sehr
ungleichmäßig: Die Ausschüttung hoher Förderungen in einer Region ist
nicht gleichbedeutend mit hohen Wertschöpfungseffekten in derselben
Region. Dennoch sind die Wertschöpfungseffekte bezogen auf die
Wirtschaftsleistung im Ziel-1-Gebiet Burgenland mit (kumuliert über
die Förderperiode) rund 16% der Wertschöpfung mit Abstand am höchsten
(andere Bundesländer 1% bis 3%).
Angebotsseitige Effekte der Förderung ergeben sich etwa aus dem
Anstieg der Kapazitäten oder einer Verbesserung der preisbestimmten
Wettbewerbsfähigkeit der investierenden Unternehmen im In- und
Ausland. Sie dürften nach den Modellergebnissen quantitativ weniger
bedeutend gewesen sein. Allerdings könnte dies auch darauf
zurückzuführen sein, dass diese Effekte im Modell vorerst nur sehr
rudimentär abgebildet werden konnten. Da gerade diese längerfristigen
Output- und Preiseffekte bei nun abnehmender Förderintensität darüber
entscheiden, wieweit die positive Effekte der
Strukturfondsförderungen sich als dauerhaft erweisen, ist hier
weiterer Analysebedarf gegeben.
Insgesamt stützen die Ergebnisse auch bei vorsichtiger
Interpretation die Hypothese, wonach die Interventionen des EFRE in
Österreich positive Entwicklungsimpulse in den durch sie geförderten
Regionen ausgelöst haben. Ein positiver Beitrag der
EU-Regionalpolitik zum regionalen Ausgleich in Österreich ist damit
zumindest wahrscheinlich.
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
6/2009
Rückfragehinweis:
Dr. Peter Mayerhofer
Stellvertretender Leiter
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-275 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]
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