EU-Regionalpolitik trägt zum regionalen Ausgleich in Österreich bei

Wien (WIFO) - Empirische Erkenntnisse zu den quantitativen
Wirkungen der EU-Regionalpolitik in Österreich liegen bisher kaum vor. Zwar entstand im Rahmen des begleitenden Evaluierungsprozesses der EU-Förderprogramme eine breite Evaluierungsliteratur. Sie analysiert aber vor allem einzelne Programmlinien im Detail und ist überwiegend qualitativer Natur. Vor diesem Hintergrund hat das WIFO versucht, im Rahmen einer Pilotstudie erste Hinweise zu den quantitativen Wirkungen der EU-Regionalpolitik in Österreich zu erarbeiten. Demnach lösten die Interventionen des EFRE in Österreich positive Entwicklungsimpulse in den durch sie geförderten Regionen aus. Ein positiver Beitrag der EU-Regionalpolitik zum regionalen Ausgleich in Österreich ist zumindest wahrscheinlich.

Auf der Bezirksebene wurde untersucht, wieweit sich die Entwicklung in geförderten und nicht geförderten Bezirken im Regime der EU-Strukturfondsinterventionen seit 1995 systematisch unterscheidet. Auf der Ebene der Bundesländer ermöglichten Simulationsrechnungen mit einem gesamtwirtschaftlichen Modell eine erste direkte Schätzung der quantitativen Effekte von EU-Förderinitiativen auf regionaler und sektoraler Ebene.

Demnach beschleunigte sich das Beschäftigungswachstum in den Förderregionen relativ zu den nicht geförderten Bezirken im Regime der EU-Regionalförderung gegenüber der Phase vor deren Implementierung statistisch signifikant. Dieser Effekt ist für ländliche wie verdichtete Förderregionen (Städte, Ballungsgebiete) gleichermaßen nachweisbar und korreliert mit der Förderhöhe. Das Beschäftigungswachstum verstärkte sich demnach in der Periode 1995/2007 gegenüber der Periode vor Einsetzen der EU-Regionalförderung in Bezirken mit Förderstatus um 0,75 Prozentpunkte pro Jahr stärker als in den nicht in Fördermaßnahmen einbezogenen Gebieten. Der relative Wachstumsimpuls kam dabei vor allem den Regionen mit hoher Förderintensität zugute.

Gemäß den Simulationen mit dem multiregionalen ökonometrischen Input-Output-Modell MultiREG haben die Strukturfondsinterventionen vor allem auf der Nachfrageseite (förderbedingte Erhöhung der Nachfrage nach Investitionsgütern, Bauleistungen usw.) bedeutende Multiplikatoreffekte: Ohne Gegenfinanzierung (d. h. ohne Kürzung anderer öffentlicher Ausgaben zur Finanzierung der Förderungen) erhöht jeder in den EFRE-Programmen ausgeschüttete Euro die österreichische Bruttowertschöpfung um 1,5 Euro. Aufgrund der interregionalen Zuliefer- und Absatzverflechtungen ist die regionale Verteilung von Mitteleinsatz und Wertschöpfungseffekten aber sehr ungleichmäßig: Die Ausschüttung hoher Förderungen in einer Region ist nicht gleichbedeutend mit hohen Wertschöpfungseffekten in derselben Region. Dennoch sind die Wertschöpfungseffekte bezogen auf die Wirtschaftsleistung im Ziel-1-Gebiet Burgenland mit (kumuliert über die Förderperiode) rund 16% der Wertschöpfung mit Abstand am höchsten (andere Bundesländer 1% bis 3%).

Angebotsseitige Effekte der Förderung ergeben sich etwa aus dem Anstieg der Kapazitäten oder einer Verbesserung der preisbestimmten Wettbewerbsfähigkeit der investierenden Unternehmen im In- und Ausland. Sie dürften nach den Modellergebnissen quantitativ weniger bedeutend gewesen sein. Allerdings könnte dies auch darauf zurückzuführen sein, dass diese Effekte im Modell vorerst nur sehr rudimentär abgebildet werden konnten. Da gerade diese längerfristigen Output- und Preiseffekte bei nun abnehmender Förderintensität darüber entscheiden, wieweit die positive Effekte der Strukturfondsförderungen sich als dauerhaft erweisen, ist hier weiterer Analysebedarf gegeben.

Insgesamt stützen die Ergebnisse auch bei vorsichtiger Interpretation die Hypothese, wonach die Interventionen des EFRE in Österreich positive Entwicklungsimpulse in den durch sie geförderten Regionen ausgelöst haben. Ein positiver Beitrag der EU-Regionalpolitik zum regionalen Ausgleich in Österreich ist damit zumindest wahrscheinlich.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 6/2009

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