Ärztekammer: Spitalsärzte unter steigendem Leistungsdruck

2,7 Millionen stationäre Patienten, 16 Millionen Ambulanzbesuche - Spitalsärztinnen und -ärzte immer produktiver - neue Ärztekooperationen gefordert

Wien (OTS) - Die Leistungen in Österreichs Spitälern und Ambulanzen explodieren. Die rund 20.000 Spitalsärztinnen und -ärzte behandelten 2006 rund 2,7 Millionen stationäre Patientinnen und Patienten, 16 Millionen Mal fanden Herr und Frau Österreicher Hilfe in den Spitalsambulanzen. Dies stellte der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Bundesobmann Angestellte Ärzte, Harald Mayer, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz dar.

Die Zahl von stationär behandelten Fällen und ambulanten Besuchen steigt kontinuierlich, dementsprechend auch der Leistungsdruck auf die Spitalsärztinnen und -ärzte. "Und das an 365 Tagen im Jahr, sieben Tage die Woche, 24 Stunden lang. Insbesondere zu Randzeiten wie an Wochenenden und Feiertagen sind die Leistungen der Spitäler unerlässlich. Denn der niedergelassene Bereich bietet hier derzeit keine ausreichende Versorgung. Wir brauchen endlich neue Kooperationsmöglichkeiten für Ärztinnen und Ärzte. Nur so können Ordinationen arbeitsteilig an Abenden und Wochenenden geöffnet sein. Wir Spitalsärztinnen und -ärzte wünschen uns das dringend, denn die Betreuung ambulanter Patienten bedeutet für uns eine erhebliche Zusatzbelastung", erklärte Mayer. Am Klinikum Wels-Grieskirchen sind beispielsweise 10 Prozent der Ärztinnen und Ärzte permanent im Einsatz.

Während die Spitalsfälle steigen (von 1989 bis 2007 um rund 57 Prozent), sinkt im gleichen Zeitraum die durchschnittliche Aufenthaltsdauer (von 11 auf derzeit 6,8 Tage). Mayer: "Ärztinnen und Ärzte müssen immer mehr Patienten betreuen. Das wirkt sich negativ auf die Arbeitsbedingungen aus, denn dieser Leistungsdruck schlägt sich in überlangen Arbeitszeiten nieder. Deren Einhaltung ist aber dringend notwendig - einerseits für die Sicherheit der Patienten, andererseits für die Gesundheit der Ärztinnen und Ärzte."

In der Zwischenzeit genießen Österreichs Spitalspatienten stetige Komfortgewinne in der Behandlung, wie Albert Tuchmann, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie, schilderte. Zu den wichtigen medizinischen Fortschritten der letzten Jahrzehnte zählt die so genannte minimal-invasive Chirurgie, auch als Schlüsselloch-Chirurgie bezeichnet. Durch kleine Schnitte wird ein dünnes Rohr, das Endoskop (samt Kamera und Instrumenten), eingeführt, das die Bauchhöhle über einen Bildschirm sichtbar macht. Die wenigen Millimeter langen Schnitte verursachen postoperativ weniger Schmerzen, verheilen rasch und hinterlassen kaum sichtbare Narben. Die Patienten sind danach schneller mobil und können früher das Krankenhaus verlassen. Die minimal-invasive Chirurgie ist bei Gallenblasen-Operationen das Standardverfahren.

"Brandneu ist die Operationsmethode 'Notes', bei der anstatt über Schnitte natürliche Körperöffnungen als Zugang für Instrumente genutzt werden. Generell geht die Tendenz in der Chirurgie hin zu verfeinerten Techniken und Spezialisierung. Die Chirurgin und der Chirurg werden durch die längere Ausbildungsdauer jedoch zum Mangelberuf, wie es bereits in Deutschland und in der Schweiz der Fall ist", so Tuchmann.

Österreichs Spitalswesen in Zahlen (Stand 2006, Fondsspitäler):

  • rund 20.000 Spitalsärztinnen und -ärzte
  • 2,7 Millionen stationäre Patientinnen und Patienten
  • 18 Millionen Belagstage
  • 1,2 Millionen Operationen, 1,9 Millionen nicht-operative Behandlungen
  • 16 Millionen Ambulanzbesuche
  • 6,1 Akutbetten je 1.000 Einwohner, insgesamt rund 65.000 Spitalsbetten
  • Durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 6,8 Tagen

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