"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Brutalität bleibt ohne Folgen" (Von FLORIAN WEISSMANN)

Ausgabe vom 7. Juli 2009

Innsbruck (OTS) - Die Brutalität, mit der China den Protest der uigurischen Minderheit niederschlägt, offenbart erneut die Ohnmacht des Westens. 140 Tote und 800 Verletzte in jeden anderen Land hätten Empörung, Appelle oder Warnungen nach sich gezogen. Und zwar unabhängig von den genauen Umständen. Doch im Fall der Uiguren fielen die Reaktionen zögernd und vorsichtig aus. Realpolitische Zwänge oder Doppelmoral - je nach Blickwinkel - lassen den Hütern der Demokratie und Menschenrechte im Westen wenig Spielraum.
China schwingt sich gerade politisch und militärisch zur Großmacht auf, und es fungiert nach wie vor als einer der Motoren der Weltwirtschaft. In Zeiten, in denen im Westen die Wirtschaft schrumpft und das Heer der Arbeitslosen wächst, lasten sogar noch mehr Hoffnungen auf den Investitionen und Absatzmärkten im Reich der Mitte als sonst.
Sich seiner wirtschaftlichen Macht bewusst, gebärdet sich das Regime in Peking völlig immun gegen wohlmeinende Interventionen des Auslands. Im vergangenen Jahr hoffte der Westen vergeblich, dass die Olympischen Spiele in Peking zu einer politischen Öffnung im Inneren und nach außen führen würden. Doch der Dialog mit den Tibetern wurde nur pro forma geführt, um den Westen ruhigzustellen; tatsächlich geändert hat sich seitdem nichts.
Auch die Uiguren haben von Peking wenig zu erwarten. Chinesische Bürger dürfen im 21. Jahrhundert zwar Geld scheffeln. Aber jeder Versuch politischer Kritik oder Teilnahme wird brutal zerschlagen. Die Einzementierung der Macht wiegt für das Regime in Peking schwerer als die Bedürfnisse seiner Bürger oder sein Image im Westen. Vor Konsequenzen muss China sich ohnehin nicht fürchten.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
Chefredaktion
Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001